Diakonie: Mehr bezahlbarer Wohnraum ist nötig

Ein Mann in seinem Schlafsack auf einem Feldbett vor dem Altar in der Winternotübernachtung der Weißfrauen-Diakoniekirche in Frankfurt am Main.
epd-bild/Peter Jülich
Ein Mann in seinem Schlafsack auf einem Feldbett vor dem Altar in der Winternotübernachtung der Weißfrauen Diakoniekirche in Frankfurt am Main (Foto vom 24.11.2025).
Mangel an bezahlbaren Wohnraum
Diakonie: Mehr bezahlbarer Wohnraum ist nötig
Mangelnder bezahlbarer Wohnraum, psychische Krisen oder Gewalt in der Partnerschaft: Die Gründe für Wohnungslosigkeit sind vielfältig. Der "Tag der Wohnungslosen" am 11. September macht ihre Situation sichtbar.

Hinschauen, statt wegschauen: Kim Linz von der Wohnungsnotfallhilfe der Regionalen Diakonie Wiesbaden Rheingau-Taunus appelliert, auf wohnungslose Menschen zuzugehen. "Ich möchte jeden ermutigen, in Kontakt zu treten und zu fragen, ob die Person etwas braucht. In klinischen Notlagen sollte der Krankenwagen gerufen werden", sagt sie dem Evangelischen Pressedienst (epd) anlässlich des Tags der Wohnungslosen am 11. September.

"Jetzt steht der Winter vor der Tür. Wenn Menschen draußen liegen und sich nicht mehr bewegen, ist es wichtig, Hilfe zu holen", sagte die Sozialarbeiterin. Eine Möglichkeit für Bürgerinnen und Bürger sei, die Polizei oder soziale Dienste wie die Wohnungsnotfallhilfe anzurufen. Von der Politik fordert die Bereichsleiterin der Regionalen Diakonie, mehr bezahlbaren Wohnraum und mehr Sozialwohnungen zu schaffen. "Wir haben einen Rückgang an Sozialwohnungen in Deutschland, aber eine stetige Nachfrage", erläutert sie.

Um Wohnungslosigkeit zu verhindern oder die Dauer zu minimieren seien beispielsweise auch die Übernahme von Mietschulden notwendig, ein Räumungsschutz und eine schnellere Vermittlung in Wohnraum. "Je länger die Wohnungslosigkeit anhält, desto schwieriger ist es, wieder rauszukommen", sagt Linz. Verschärfungen, die mit der seit Juli geltenden neuen Grundsicherung einhergingen, seien Risikofaktoren, die Menschen in die Wohnungsnot drängen könnten. Dazu gehörten insbesondere die Kürzungen oder die komplette Einstellung der Leistungen, einschließlich der Kosten für die Unterkunft.

Kim Linz, Bereichsleiterin der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Wiesbaden Rheingau-Taunus, fordert von der Politik, mehr bezahlbaren Wohnraum und mehr Sozialwohnungen zu schaffen,

Die Gründe für Wohnungslosigkeit seien vielfältig und individuell. Fehlender Wohnraum, Mietschulden oder andere Schulden, persönliche Gründe wie Trennung, Gewalt in der Partnerschaft oder psychische Erkrankungen seien häufige Ursachen für den Verlust der Wohnung. "Manchmal kann es ganz schnell gehen und es ist gar nicht so fern von der eigenen Lebensrealität", sagt sie. Mit Blick auf junge Wohnungslose kritisiert Linz, dass sie beim Übergang von der Jugendhilfe in das Erwachsenensystem schnell durch das Raster fielen: "Oft finden sie keine Anschlussperspektive, nachdem sie die stationären Jugendhilfeeinrichtungen verlassen mussten." 

Geschichten zu Wohnungslosigkeit und die Gründe dafür möchte die Regionale Diakonie Wiesbaden Rheingau-Taunus am "Tag der Wohnungslosen" am Freitag sichtbar machen. Unter dem Titel "Erzählt. Gehört. Gesehen" lädt sie von 9.30 bis 15.30 auf dem Dern’schen Gelände in Wiesbaden ein, fünf persönliche Geschichten von Wohnungslosen anzuhören. Es gehe der Diakonie mit der Aktion darum, nicht nur das Thema, sondern die Menschen sichtbar zu machen, sagt Linz.