Mehrheit der Deutschen nicht demokratiemüde

Illustration von Menschen mit Sprechblasen
Getty Images/iStockphoto/stellalevi (bearbeitet)
Demokratiemüde sind die Deutschen nicht, denn der Wunsch nach Mitsprache in der Politik ist laut einer Umfrage hoch.
Neue Demokratie-Studie
Mehrheit der Deutschen nicht demokratiemüde
Eine neue Studie der Universität Hohenheim zeigt: Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland wünscht sich vor wichtigen politischen Entscheidungen mehr Dialog mit der Politik.

Die Menschen in Deutschland wünschen sich laut dem Demokratie-Monitor 2026 mehr Mitwirkung bei politischen Entscheidungen. Wie die Universität Hohenheim am mitteilt, bevorzugen knapp zwei Drittel der Bevölkerung eine repräsentative Demokratie, in der Politiker vor wichtigen Beschlüssen den Dialog suchen.

Etwa 30 Prozent sprechen sich für direkt-demokratische Verfahren aus - ein Wunsch, der laut Studienleiter Frank Brettschneider besonders bei Unzufriedenen sowie bei Anhängern der AfD (über 60 Prozent) ausgeprägt ist. Besonders auf kommunaler Ebene ist das Interesse an Mitsprache groß.

Über 87 Prozent halten Dialogangebote vor Ort für wichtig, auf Bundesebene sind es 67 Prozent. Zugleich unterscheidet sich die Zufriedenheit mit den bestehenden Angeboten deutlich. Während auf Bundesebene nur zehn Prozent der Befragten mit den Beteiligungsmöglichkeiten zufrieden sind, fällt die Bilanz in den Städten und Gemeinden mit 38 Prozent spürbar positiver aus.

"Von Demokratie-Müdigkeit kann keine Rede sein"

Laut Brettschneider bedeutet der Wunsch nach Mitsprache nicht, dass alle Bürger selbst entscheiden wollen. 40 Prozent der Befragten sind bereit, sich aktiv an Dialogverfahren zu beteiligen, ein ebenso großer Anteil will vor allem verlässlich informiert werden. "Von Demokratie-Müdigkeit kann keine Rede sein", betonte der Politikwissenschaftler. Über 39 Prozent der Befragten an, in den letzten zehn Jahren mindestens einmal an einem Beteiligungsformat teilgenommen zu haben.

Die meisten dieser Verfahren fanden auf kommunaler Ebene statt. Die Zufriedenheit mit dem Ablauf der Verfahren ist größer als mit deren inhaltlichen Ergebnissen: 42 Prozent der Befragten sind mit dem Verfahren zufrieden, 22 Prozent unzufrieden. Mit dem Ergebnis der Beteiligung sind 34 Prozent zufrieden und 32 Prozent unzufrieden. Dabei besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Bewertung von Beteiligungsverfahren und dem Vertrauen in kommunale Institutionen.

Wer mit dem Ablauf und dem Ergebnis eines Verfahrens zufrieden ist, vertraut auch den kommunalen Institutionen stärker und bewertet das Funktionieren der kommunalen Demokratie positiver. Umgekehrt misstrauen diejenigen, die mit dem Verfahren und mit dem Ergebnis unzufrieden sind, auch den kommunalen Institutionen und sind am unzufriedensten mit dem Funktionieren der kommunalen Demokratie.