Unvergesslich - Vier Bücher zum Thema Demenz

Eine demente Bewohnerin im Altenheim, tastet, fühlt, erinnert sich mit Hilfe einer Kornähre.
epd-Bild/Werner Krüper
Demenz wird ein Thema sein, das viele in Zukunft betreffen wird.
Neues Themenheft von eliport
Unvergesslich - Vier Bücher zum Thema Demenz
Mit der steigenden Lebenserwartung wächst auch die Zahl der Menschen, die an Demenz erkranken. In Zukunft werden immer mehr Menschen mit dem Thema Demenz in Berührung kommen, sei es in der Familie oder bei Freunden und Bekannten. Aus diesem Grund gibt das Ev. Literaturportal ein neues Themenheft "Unvergesslich _Literaturempfehlungen zum Thema Demenz" heraus. Vier Empfehlungen aus dem Heft finden Sie schon hier!  

Wir leben immer länger. Was einerseits eine erfreuliche Entwicklung ist, hat – wie jedes Ding auf Erden – auch seine Schattenseite, denn mit der steigenden Lebenserwartung wächst auch die Zahl der Menschen, die an Demenz erkranken, weil Alter ganz klar einer der Risikofaktoren für Demenz ist.

Da in Zukunft immer mehr Menschen mit dem Thema in Berührung kommen, sei es in der Familie oder bei Freunden und Bekannten, hat das Ev. Literaturportal ein neues Themenheft herausgegeben. "Unvergesslich _Literaturempfehlungen zum Thema Demenz" enthält von Expert:innen ausgewählte Titel über das Thema.

Sie sollen dazu einladen, hinter die Diagnose zu blicken und den Menschen mit seiner Lebensgeschichte, seinen Gefühlen, Fähigkeiten und Bedürfnissen wahrzunehmen. Vier Empfehlungen zum Thema aus dem Heft stellen wir heute vor: 

Meine Omi, die Wörter und ich

Während der Besuche bei Omi sammelt Mio Wörter von ihr – passend für alle Lebenslagen. Doch die Wörter von Omi werden langsam weniger. 
Es war einmal, vor langer Zeit, da hatte ich noch keine Wörter. Das ist nicht verwunderlich, berichtet Mio, denn die Wörter wohnen bei Omi. Das Zimmer von Omi ist klein, aber Wörter gibt es überall. Laute und wilde Wörter, schüchterne und leise, Gute-Laune-Wörter wie Zitronendrops oder Clownfisch, aber auch Wörter fürs Traurigsein. Mio sammelt diese Wörter, stopft sie in seine Tasche und nimmt sie überall hin mit. Als Mio bemerkt, dass Omis Wörter weniger werden und mit ihrem Tod keine Worte mehr bei ihr wohnen, wird Mio selbst zum Hüter der Worte.

Dieses außergewöhnliche Bilderbuch stellt die Tragweite und Bedeutung von erzählten Erinnerungen in den Mittelpunkt und spendet Trost: trotz des Sprachverlustes von Omi, der den Schluss zulässt, dass sie an einer Form von Demenz erkrankt ist, können ihre Geschichten bei Mio weiterleben. Das Buch ermutigt, die eigenen Biographien und Vorlieben zu teilen. Sie sind Schätze für die Nachwelt. Die vielen kleinen fantasievollen Illustrationen, alle in rot-blau-weißen Tönen, schwirren als Worte auf den Seiten umher, geben kleinen und großen Lesern Anregung, Phantasiegeschichten zu erfinden oder Gespräche über Gefühle zu eröffnen. Ein Buch, das aus Kinder-Perspektive die Freude an Worten und Sprache versprüht und gleichzeitig tiefgehende Themen wie Geben und Nehmen, Verlust und Hoffnung zum Ausdruck bringt.                                                                                                                                          
Ein leises, farbenprächtiges Buch über eine intensive Enkel-Omi-Beziehung, das darlegt, welchen unbezahlbaren Wert das Erzählen gegenseitiger Geschichten hat. Für Kinder mit Eltern, deren Großeltern an Demenz erkrankt sind, ein Einstieg zum Herantasten an das Thema "Vergessen", das Wort "Demenz" taucht nicht auf – für Kinder in der Umschreibung oft verständlicher. Susanna Hocher

Nikola Huppertz und Elsa Klever: Meine Omi, die Wörter und ich. München: Tulipan 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 24 cm., ISBN 978-3-86429-299-6, geb.: 15,00 €

 

Der Bademeister ohne Himmel

Vom Erwachsenwerden, Vergessen und einer einzigartigen Freundschaft 
Es gibt ganz wenige Bücher, die ich gerne ein zweites Mal lese. Der Bademeister ohne Himmel gehört dazu! Die /der Lesende taucht ein in die Welt der 15jährigen Linda, die 3x wöchentlich Hubert, einen ehemaligen Bademeister betreut. Zwischen aktiver Suche nach kreativen Formen der Begleitung für Hubert, der zunehmend seine Fähigkeiten verliert, Schule und Freundschaft befindet sich Linda auf der Suche nach sich selbst. "Will ich überhaupt leben?" überlegt sie häufig angesichts ihrer eigenen, konfliktreichen Familiensituation.

Intuitiv hat Linda ganz wunderbare Ideen, wie sie das Leben von Hubert bereichern kann: Tonaufnahmen aus dem Freibad vorspielen, die lange vergessenen Schwimmflügeln aus dem Keller hochholen oder gemeinsam aus dem Fenster schauen. So geht Begleitung bis zum Lebensende entlang der Biografie - eigentlich ganz einfach... Petra Pellinis facettenreiche Erzählung berührt mit präzisen Beschreibungen kleiner Dinge, die oft ungesehen bleiben, und unglaublichem Sprachwitz. Am am 6.10. um 19 Uhr bietet eliport einen Leseclub zum Thema Demenz an, in dem über den Roman gesprochen wird. Es gibt außerdem eine fachliche Einführung von Cordula Bolz von der  Alzheimer Gesellschaft Hannover e. V.

Angehörige, Profis aus der Pflege und Betreuung, allgemein Interessierte 
Cordula Bolz

Pellini, Petra: Der Bademeister ohne Himmel. Roman. Hamburg: Rowohlt Taschenbuchverlag 2026. 316 S. ; 19 cm. ISBN978-3-499-01571-7, kt.: 14,00 € 

 

Mein Leben mit Martha

Liebevolle Beschreibung des Zusammenlebens mit einer meist fröhlich dementen über 80Jährigen. 

Der alltägliche laienhafte Umgang mit medizinischer Fachterminologie liegt den Protagonisten fern. Sie selbst sprechen nicht von Demenz. Martha ist "in einer poetischen Verfassung", sie "ist verschaltet", in ihrem Sicherungskasten hat sie selbst die Sicherungen ein bisschen umgesteckt, weil das lustiger aussieht. So lebt die Autorin - und das Buch scheint relativ authentisch zu sein - mit zwei alten Akademikern zusammen und geht liebevoll und diskret mit ihnen um, macht erfreuliche Erfahrungen mit Behördenmitarbeitern, schwierige mit Nachbarn, die sie stalken, und gute mit einer Familie, mit deren Kindern "die Oma" im Sandkasten spielt und Kakao trinkt.

Ein freundlicher, ein versöhnlicher Blick auf die Besonderheiten des Altwerdens mit Demenz und Krebs. Altwerden ist keine Krankheit und nicht automatisch der Pflege bedürftig, wenn man in so einer verständnisvollen Umgebung geborgen ist, "für immer". Amélie Gräfin zu Dohna

Bergmann, Martina: Mein Leben mit Martha. Roman. München: Eisele 2020. 224 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-96161-085-3, kt.: 11,00 €

 

Lebensmut trotz(t) Demenz

Mit dementen Menschen leben - Fachinformationen und Geschichten. 
Dr. Straub erzählt in diesem Buch Lebensgeschichten von Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Mit diesen berührenden Begegnungen möchte sie anderen Menschen Mut zusprechen, lebensbejahend mit dem Thema umzugehen. Für die Neurowissenschaftlerin ist ein einfühlsamer und beherzter Umgang mit den Patientinnen und Patienten die Basis dafür, dass deren Lebensqualität bewahrt werden kann.

Erlebt man das Zusammenleben mit dementen Menschen in Beruf, Familie und Freundeskreis oft auch als herausfordernd und belastend, plädiert die Autorin für Verständnis und Nächstenliebe. Ihre Erzählungen und Patientengeschichten sind mit medizinfachlichen Informationen verknüpft. Es finden sich im Text viele gesundheitsfördernde Hinweise für die Lesenden.

Das Buch möchte eine Orientierungshilfe sein, wenn es darum geht, Menschen, die an Demenz erkrankt sind, in dieser herausfordernden Zeit liebevoll zu begleiten. Sarah Straub selbst schreibt aus Erfahrung als pflegende Enkelin einer dementen Großmutter; das macht ihre Texte so glaubhaft. Wertvoll für alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen. Christiane Spary 

Straub, Sarah: Lebensmut trotz(t) Demenz. Wie wir Menschen mit Demenz einfühlsam und respektvoll begegnen. Geschichten aus der Praxis. München: Kösel 2025. 240 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-466-34843-5, kt.: 18,00 € 

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