Der Klimawandel macht laut einer Umfrage einer großen Mehrheit (80 Prozent) der Menschen in Deutschland Sorge, die Zustimmung für Klimaschutzmaßnahmen geht aber leicht zurück. Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) ist für mehr staatliche Ausgaben für den Klimaschutz. Das ergab eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die am Donnerstag (13. August 2026) bei der Präsentation des Sozialen Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation in Gütersloh veröffentlicht wurde.
Demnach zweifle nur etwa jede zehnte Person (11 Prozent) am menschengemachten Ursprung des Klimawandels. Die Dringlichkeit, mit der die Bevölkerung den Klimawandel bewertet, habe jedoch abgenommen, erklärt die Stiftung in einer Pressemitteilung. Im Vergleich zu 2021 sank demnach die akute Besorgnis um rund sieben Prozentpunkte.
Auch die Zustimmung zu klimapolitischen Maßnahmen ging nach Angaben der Stiftung in diesem Zeitraum leicht zurück. Viele Menschen bemängelten auch eine unklare Kommunikation bei der Vermittlung der Klimapolitik. 56 Prozent der Befragten bewerteten die Energiewende-Politik als tendenziell unverständlich, 63 Prozent bezeichneten sie als bürgerfern.
Gut jeder zweite Befragte (55 Prozent) gab an, es fehle das Vertrauen, dass die Bundesregierung bei der Gestaltung des nachhaltigen Wandels im Interesse der Allgemeinheit handele. Dauerhaft tragfähiger Klimaschutz gelinge nur, wenn politische Entscheidungen wissenschaftlich fundiert und Menschen glaubwürdig einbezogen würden, erklärte Studienautorin Benita Ebersbach.
Hitzeschutz im Grundgesetz
Ein Grund für die Kritik an der Politik seitens der Bürger könnte in der derzeitigen Diskussion um den Schneider-Vorstoß liegen. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat sich für mehr Bundeskompetenzen bei der Klimaanpassung ausgesprochen und am Mittwoch angekündigt, im zweiten Halbjahr 2026 einen Vorschlag vorzulegen, wie die Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern im Grundgesetz verankert werden kann.
Derzeit sind für das Thema fast ausschließlich die Länder zuständig. Bisher könne er den Kommunen etwa beim Hitzeschutz nur in Einzelfällen helfen, erläuterte Schneider am Donnerstag im ARD-"Morgenmagazin" seinen Vorstoß. Bei großen Aufgaben - etwa der Umwandlung von Berlin zu einer Schwammstadt oder der Entsiegelung großer Flächen - sei eine Finanzierung durch den Bund ausgeschlossen. "Dort möchte ich, dass wir als Bund und Länder zusammenarbeiten."
Kritik vom Koalitionspartner
Wenn der Umgang mit der Erderwärmung als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern ins Grundgesetz geschrieben würde, bringe das "keinen Vorteil für das Klima", sagte Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Donnerstag). "Eine solche neue, breite Kompetenz des Bundes würde zwar die Verfassungsjuristen auf Jahre mit Abgrenzungsfragen beschäftigen, aber keinen Vorteil für das Klima bringen." Im Zweifel bliebe im Bereich des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsrechts kaum noch etwas von der Gesetzgebungskompetenz der Länder übrig, sagte er.
Dagegen sprach sich der Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Ralph Spiegler (SPD), für eine Grundgesetzänderung aus. Zustimmung kommt auch von der Opposition im Bund: Schneiders Vorstoß sei eine richtige Initiative, sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". "Wir Grünen fordern das schon lange und würden so eine Reform selbstverständlich unterstützen." Der Linken-Klimaexperte Fabian Fahl sagte, Schneiders Idee könne "einen Schritt in die richtige Richtung bedeuten".
Staatliche Hilfe für Energie-Umstieg nötig
Bei der Energiewende lag der Stiftung zufolge vor fünf Jahren die Zustimmung bei 69 Prozent, vor drei Jahren waren es noch 65 Prozent. Heute seien es 60 Prozent. Trotz dieser Entwicklung bestehe weiterhin "ein breites, mehrheitliches gesellschaftliches Mandat für die Energie-, Verkehrs- und Wärmewende", heißt es in der Studie. Allerdings hielten viele Menschen (79 Prozent) den Umstieg privater Haushalte auf klimafreundliche Technologien ohne staatliche Unterstützung für nicht machbar.
Ein Grund für den schwächer werdenden Rückhalt für den Klimaschutz sei die Sorge vor den persönlichen finanziellen Auswirkungen in den nächsten fünf Jahren, hieß es. Diese Sorge äußerte demnach mehr als jeder zweite Befragte. Fast 80 Prozent hielten den Umstieg privater Haushalte auf klimafreundliche Technologien ohne staatliche Unterstützung für nicht machbar.
Akzeptanz durch gerechte Klimapolitik
Die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen hänge auch davon ab, dass die Bürgerinnen und Bürger sie "als praktisch umsetzbar, wirtschaftlich sinnvoll und gerecht wahrnehmen", erklärte Studienautorin Anne Meisiek. Dazu brauche es eine Klimapolitik, die bezahlbare Alternativen, verlässliche Infrastruktur und Versorgungssicherheit biete, gezielt fördere sowie die Lasten fair verteile.
Für die diesjährige Online-Erhebung wurden zwischen dem 23. März und 13. April 2026 insgesamt 6.566 Menschen über 18 Jahre in Deutschland befragt. Das Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation ist ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung und des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit am Forschungszentrum für Geowissenschaften. Dafür werden dieselben Menschen über mehrere Jahre zu ihren Einstellungen befragt. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat die Erhebung umgesetzt.



