Mehrere Hundert Menschen haben in Solingen der Opfer des Terroranschlags vor zwei Jahren gedacht. Der Messeranschlag auf dem Solinger Stadtfest sei "ein brutaler, ein menschenverachtender Anschlag, ein Akt des Terrors" gewesen, sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) am Sonntagabend in seiner Rede am Gedenkstein für die Opfer der Tat. Zugleich betonte er, dass Solingen gezeigt habe, "was eine Stadt einem solchen Angriff entgegensetzen kann: Solidarität und Stärke".
Mit einer Schweigeminute am Sonntagabend um 21.37 Uhr - dem Zeitpunkt der Tat - erinnerte die Stadt an die Toten und Verletzten des islamistisch motivierten Messerangriffs. Zum Gedenken an die Toten erklang dreimal die Glocke der Evangelischen Stadtkirche, nahe der sich die Tat ereignet hatte. Viele der Menschen dort trugen brennende Kerzen, unter den Teilnehmern fanden sich auch Vertreter der Rettungsdienste.
Bei dem Messerangriff eines syrischen Asylbewerbers waren am 23. August 2024 drei Menschen getötet und acht verletzt worden. Der Täter wurde im September 2025 zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Das Oberlandesgericht Düsseldorf ging davon aus, dass der Syrer als Anhänger der Terrororganisation "Islamischer Staat" gehandelt hat. Der Anschlag hatte eine intensive Debatte über die Asyl- und Flüchtlingspolitik ausgelöst. Der Täter war über Bulgarien als Asylbewerber nach Deutschland gekommen, ein Abschiebeversuch war gescheitert.
Wüst betonte: "Mich erfüllt diese Art des Terrors auch zwei Jahre später mit Trauer und mit Schmerz." Der Anschlag habe nicht nur Solingen, sondern das ganze Land erschüttert. Der Ministerpräsident unterstrich in seiner Rede auch die "Entschlossenheit, für unsere freiheitliche Art zu leben, einzutreten".
OB: Hass darf "niemals das letzte Wort" haben
Der Solinger Oberbürgermeister Daniel Flemm (CDU) erinnerte daran, dass sich der Abend des 23. August 2024 "tief in unser Gedächtnis eingegraben" habe. Mit dem gemeinsamen Erinnern nahe dem ehemaligen Tatort setze die Stadt ein "starkes Zeichen" dafür, dass Hass "niemals das letzte Wort" haben dürfe. Solingen blicke "entschlossen nach vorn - als eine Stadt, die sich nicht spalten lässt".
Begleitet wurde das Gedenken an der Stadtkirche von Musik und einem liturgischen Rahmen, für den die Superintendentin Ilka Werner und die Vorsitzende des Solinger Katholikenrates, Ulrike Spengler-Reffgen, verantwortlich waren. Am Sonntagvormittag hatte es in der Kirche auch einen Gedenkgottesdienst gegeben.
Superintendentin Werner betonte in ihrer Predigt im Gottesdienst laut Manuskript, dass in der Stadt bis heute eine "tiefe Trauer" um die drei Getöteten und die acht damals Schwerverletzten bestehe. Zugleich warnte die Theologin in der Frage der Verantwortlichkeiten aber vor Schuldzuweisungen und Vorwürfen. Solche Debatten könnten "Risse in einer Stadtgesellschaft" entstehen lassen.
Am Sonntag gab es zudem eine Dialogveranstaltung in der Kirche. Organisiert wurde das Bürgergespräch von Wissenschaftlern der Konfliktakademie "ConflictA" der Universität Bielefeld. Die Hochschuleinrichtung will ein besseres Verständnis von Konflikten in der Öffentlichkeit erreichen und neue Wege des Umgangs mit ihnen erkunden.



