Personalchefin: Pastoren mit neuer Rolle entlasten

Zwei Talare am Haken
Agenzia Romano Siciliani/Cristian Gennari/dpa
Mehr Zeit für Kasualien und Seelsorge wünschen sich viele Pfarrpersonen. Oft lässt ihr durchgeplantem Alltag jedoch wenig Raum für die eigentliche Betreuung der Gläubigen.
Hannoverschen Landeskirche
Personalchefin: Pastoren mit neuer Rolle entlasten
Weniger Pastorenzentrierung, mehr Zusammenarbeit: Die landeskirchliche Personalchefin Nicola Wendebourg sieht in multiprofessionellen Teams eine Chance. Dafür müssten sich die Theologen jedoch auf eine neue Rolle und Machtverzicht einlassen.

Die Personalchefin der hannoverschen Landeskirche, Nicola Wendebourg, wünscht sich in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen weniger Pastorenzentrierung und mehr multiprofessionelle Zusammenarbeit. Es bedürfe eines gleichberechtigten Miteinanders unterschiedlicher Berufsgruppen, sagte die Oberlandeskirchenrätin laut Manuskript am Mittwoch in Rotenburg bei Bremen beim Generalkonvent des evangelisch-lutherischen Sprengels Stade, der jährlichen Vollversammlung aller Pastorinnen und Pastoren im Elbe-Weser-Raum.

Multiprofessionelle Teams seien nicht bloß eine Reaktion auf den Pfarrpersonalmangel. Vielmehr könnten sie die kirchliche Arbeit in den Gemeinden fachlich stärken, erläuterte Wendebourg. Die Stärke dieser Teams liege in den unterschiedlichen Kompetenzen: "Nicht jeder soll alles können und tun, nicht jede soll wegen des Pastorinnen- und Pastorenmangels zu einer ‚Pastorin light‘ weitergebildet werden können." Die Landeskirche verzichte auf zentrale Vorgaben, damit sich die Teams vor Ort anhand konkreter Themen entwickeln könnten.

 

Wendebourg plädierte dafür, Pastorinnen und Pastoren von ihrer Rolle als kirchliche "Allzuständige" zu entlasten, damit sie ihre theologische und seelsorgliche Expertise gezielt ins Team einzubringen könnten. "Die Vorstellung, dass ein multiprofessioneller Ansatz mit einem ‚Weniger‘ an Theologie einhergeht, ist falsch", betonte sie. Im besten Fall würden Pfarrpersonen zu "Gewährsleuten für die Einheit der verschiedenen Dienste" und zu theologischen Experten. Multiprofessionelle Zusammenarbeit bedeute dann: "Nicht jeder soll alles können" - sondern jeder solle einbringen, was er oder sie besonders gut könne.