Wie lässt sich öffentlich über Suizid sprechen, ohne zu dramatisieren oder zu tabuisieren? Mit dieser Frage haben sich Studierende der Medienkommunikation an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg beschäftigt. Im Auftrag der Arbeitsgruppe Regionale Netzwerke des Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland (NaSPro) entwickelten sie eine bundesweite Kampagne zur Suizidprävention,
Unter dem Leitgedanken "Deine Geschichte ist nicht zu Ende" sollen zum Welttag der Suizidprävention am 10. September Plakate, Social-Media-Beiträge, Videos, Podcasts sowie Materialien für Radio und Printmedien verbreitet werden. Einrichtungen, Kommunen, regionale Netzwerke und Medien können sie für ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit nutzen.
"Ziel der Kampagne ist es, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, zum Handeln zu ermutigen und auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen", sagt Projektleiterin Emilia Gögl von der Uni Würzburg. Zu den Kernbotschaften gehöre, dass Suizidprävention möglich und Hilfe erreichbar sei. Menschen sollten ermutigt werden, zuzuhören und Betroffene ernst zu nehmen.
Suizidprävention als gesellschaftliche Aufgabe
Die Kampagne richte sich deshalb nicht nur an Menschen in Krisen, sondern auch an Angehörige, Freunde und andere Personen, die sich Sorgen um jemanden machten. "Suizidprävention ist eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe", sagt Georg Fiedler von der Deutschen Akademie für Suizidprävention und dem NaSPro.
Sie finde nicht nur in Kliniken statt, sondern auch in Einrichtungen des Gesundheitswesens, Kirchen, Vereinen, Selbsthilfegruppen und im persönlichen Umfeld. Prävention beginne dort, wo Menschen einander wahrnähmen und Hinweise auf eine Krise ernst nähmen.
Arbeit der regionalen Akteure unterstützen
Mehr als 10.000 Menschen in Deutschland sterben pro Jahr durch Suizid
Nach Angaben des NaSPro sterben in Deutschland jährlich mehr als 10.000 Menschen durch Suizid, weit mehr als 100.000 unternehmen demnach einen Suizidversuch. "Bei den meisten ist es nicht unbedingt der Wunsch, tot zu sein, sondern die große Not, so nicht mehr weiterleben zu wollen", sagt Heidi Graf von der Münchner Einrichtung Die Arche.
Eine wichtige Rolle spielen laut NaSPro regionale Netzwerke. Sie sollen vorhandene Hilfsangebote miteinander verbinden und neue Strukturen anregen. "Wir sind ein Netzwerk der Netzwerke", sagt Soeren Hauke von Lichtblick Flensburg. Im vergangenen Jahr seien rund 50 Veranstaltungen zum Welttag der Suizidprävention von regionalen Akteuren organisiert worden. Deren Ressourcen seien jedoch häufig begrenzt.
Die neue Kampagne solle deshalb auch die Arbeit in den einzelnen Regionen unterstützen. Sie verweist zudem auf konkrete Hilfen wie den Hilfefinder der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention, über den Betroffene, Angehörige und Hinterbliebene passende Angebote finden können. Das NaSPro wurde 2001 in Kooperation mit dem Bundesgesundheitsministerium und der Weltgesundheitsorganisation WHO Europe gegründet. Der Welttag der Suizidprävention am 10. September macht weltweit auf Suizide und Möglichkeiten ihrer Verhinderung aufmerksam.
Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, oder jemanden kennen, der suizidgefährdet ist, suchen Sie Hilfe. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/1110111 und 0800/1110222. Auch ein Kontakt per Chat und E-Mail ist möglich: www.telefonseelsorge.de
Informationen des RKI:
National Mental Health Surveillance des RKI (englisch): https://www.rki.de/EN/Topics/Noncommunicable-diseases/Health-surveys/Studies/mental-health-surveillance.html



