TV-Tipp: "Spreewaldkrimi: Eine tödliche Legende + Mörderische Hitze"

Getty Images/iStockphoto/vicnt
16. August, 3sat, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Spreewaldkrimi: Eine tödliche Legende + Mörderische Hitze"
Zwei starke "Spreewaldkrimis" führen in eine geheimnisvolle Welt aus Nebel, Legenden und verdrängter Vergangenheit. In "Eine tödliche Legende" und "Mörderische Hitze" ermittelt Kommissar Krüger in zwei atmosphärisch dichten Mordfällen.

Seit zwanzig Jahren gehören die "Spreewaldkrimis" im ZDF zu den besten Reihen dieser Art im deutschen Fernsehen. 3sat wiederholt heute zwei Episoden, führt aber bereits um 19.30 Uhr in den Abend ein: "Spreewald – Labyrinth des Wassermanns" stellt die historische Kulturlandschaft vor und begleitet einen Kahnfahrer durch das Flussgebiet; manche Ortschaften sind bis heute nur über einen der vielen Kanäle erreichbar.

Die Dokumentation ist eine ausgezeichnete Einführung zu den Krimis. Schon die ersten Bilder von "Eine tödliche Legende" (TV-Premiere war 2012) verraten, was den enormen Reiz der Reihe ausmacht. Die Geschichten, die sich Thomas Kirchner ausgedacht hat, könnten auch anderswo spielen, doch der Handlungsort verleiht ihnen eine geradezu mystische Magie: Wenn still die Nebel über den Wasserstraßen wabern, glaubt man gern, dass Legenden wie jene vom Schlangenkönig ein Körnchen Wahrheit enthalten.

Kurz hintereinander sterben zwei Männer um die sechzig. Die Todesursachen scheinen offensichtlich: Der eine war ein Tourist, der im Hotel einem Herzinfarkt erlag, der andere ein Bauunternehmer, der nach einer feuchtfröhlichen Feier in einen Kanal gefallen und ertrunken ist. Kommissar Krüger (Christian Redl) hat jedoch in vielen Dienstjahren gelernt, dem Zufall zu misstrauen. Auch Greta Althof (Muriel Baumeister), die Tochter des Touristen, will nicht wahrhaben, dass ihr Vater eines natürlichen Todes gestorben ist. Tatsächlich war Thorben Althof (Rüdiger Vogler) im Spreewald auf der Suche nach Antworten: Nach dem Tod seiner Eltern hatte er entdeckt, dass er ein Adoptivkind war.

Seine ersten Lebensjahre hat er in einem Kinderheim verbracht, das nun ein Hotel ist; jenes Hotel, in dem sich sein Lebenskreis geschlossen hat. Krüger findet raus, dass die beiden Toten den gleichen Vater (Rolf Hoppe) hatten, vor langer Zeit ein hohes Tier in der SED; und er stößt auf die Legende des Schlangenkönigs, dem einst die Krone geraubt worden ist und der seither auf seine Rückkehr wartet.

Außerdem gibt es ein juristisches Gerangel um die Rückgabe eines angeblich vom Staat gekauften Grundstücks, auf das der Sohn (Hans-Jochen Wagner) des vor Jahrzehnten ausgereisten früheren Besitzers Ansprüche erhebt; es gehört heute jenem Unternehmer, der angeblich ertrunken ist, in Wirklichkeit aber an einem Schlangengift starb.

So eindrucksvoll die Landschaftsaufnahmen auch sind, in einer Hinsicht werden sie noch übertroffen: Regisseur Torsten C. Fischer und Kameramann Theo Birkens gelingt es auf bemerkenswerte Weise, Gegenwart und Vergangenheit überaus kunstvoll und kaum merklich miteinander zu verknüpfen. Entsprechend verwirrend ist es zunächst, die Tochter und ihren verstorbenen Vater gemeinsam zwischen denselben Säulen seiner Erinnerung wandeln zu sehen.

Ähnlich ausgeklügelt ist das Drehbuch, denn was in den meisten Krimis ein bloßes Ablenkungsmanöver gewesen wäre, entpuppt sich hier als Spur zum Drahtzieher der Morde. Außerdem bleibt es keineswegs bei den beiden Toten; und schließlich schwebt auch Greta Althof, zu der Krüger eine ganz besondere Beziehung entwickelt, in Lebensgefahr.

Um 21.45 Uhr, folgt "Mörderische Hitze" (2014). Diesmal ist die Anmutung eine ganz andere: Kai Wessel und sein Kameramann Holly Fink haben derart glaubwürdige Hochsommerbilder für die Geschichte gefunden, dass man förmlich mitschwitzt. Mindestens ebenso reizvoll ist die Rückblendenkonstruktion: Stück für Stück setzt Krüger die Biografie eines Mannes zusammen, in dem es hinter scheinbar intakter Fassade mehr und mehr brodelte; bis sich sein ganzer Zorn schließlich in einer Untat entladen hat.

Faszinierend ist der Film aber auch aus einem weiteren Grund, und der ist für einen Krimi höchst ungewöhnlich: Über die Identität des Mörders gibt es keinerlei Zweifel, schließlich geht er den Behörden nach einem misslungenen Suizidversuch gleich zu Beginn ins Netz. Er ist mit Blut besudelt, das offensichtlich nicht von ihm stammt, aber nicht mehr ansprechbar.

Krüger findet zwar recht bald raus, dass der Mann Gottfried Richter (Roeland Wiesnekker) heißt, steht aber nun vor der eigentlich unlösbaren Aufgabe, den riesigen Spreewald nach einer Leiche abzusuchen; passend zu dieser Reise bekommt man beiläufig mit, dass der Kommissar Joseph Conrads "Herz der Finsternis" liest. Gemeinsam mit Streifenpolizist Fichte (Thorsten Merten) folgt er der Spur der Fliegen und stößt schließlich schockiert auf die völlig unkenntlichen Überreste eines Gemetzels.

Die Bildgestaltung ist vorzüglich, die szenische Auflösung ungemein sorgfältig, die Dramaturgie ebenso reizvoll wie die harmonische Verzahnung von Gegenwart und Rückblenden. Mindestens ebenso bemerkenswert ist jedoch die Leistung von Roeland Wiesnekker, zumal er wunderbar nuanciert verkörpert, wie Richter versucht hat, sich an die Sitten und Gebräuche der Gegend anzupassen; und wie er doch stets ein Fremder geblieben ist.