TV-Tipp: "Die Fotografin"

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3. August, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Die Fotografin"
Model, Muse, Kriegsfotografin: Lee Miller hielt die Schrecken des Zweiten Weltkriegs mit ihrer Kamera fest und zahlte dafür einen hohen Preis. Kate Winslet brilliert in einem bewegenden Porträt einer außergewöhnlichen Frau.

Wer viel fotografiert, ist selten gut drauf; zumindest nicht auf den Bildern. Dies ist das Schicksal jener Menschen, die ihr Leben riskieren, um die Welt über Kriege, Krisen und Konflikte zu informieren: Die Aufnahmen sind berühmt, doch ihre Namen sind in Vergessenheit geraten. Das gilt auch für die Amerikanerin Elizabeth "Lee" Miller, die die US-Armee während des Zweiten Weltkriegs als Korrespondentin begleitet hat. Dabei zeigt ihr bekanntestes Foto sie selbst, aufgenommen im Frühjahr 1945, nackt in Adolf Hitlers Badewanne, ein "Führer"-Porträt auf dem Wannenrand.

Ihre Bilder von der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Dachau gingen um die Welt. Die Fotografie war bereits ihre zweite Karriere. Zuvor war sie ein gefragtes "Vogue"-Model, bis sie ihre eigentliche Berufung erkannte und Mitglied der Pariser Kunstszene rund um den Surrealisten Man Ray wurde.

Das filmische Potenzial dieser Biografie ist offenkundig. Tatsächlich gab es schon einige Versuche, Millers Erlebnisse zu verfilmen, doch sie sind alle gescheitert. Das vierköpfige Drehbuchteam hat einen zwar nicht gerade originellen, aber plausiblen Ansatz gefunden: Es bettet die Lebensgeschichte in eine Rahmenhandlung. 1977, sie hat sich längst aus ihrem Metier zurückgezogen, erzählt Miller einem jungen Mann, anscheinend ein Journalist, ihre Erinnerungen.

Immer wieder kehrt der Film in diese Gegenwart zurück. Die beiden scheint ein besonderes Verhältnis zu verbinden, weshalb sich schließlich eine Ahnung einstellt, um wen es sich bei dem Fragensteller handeln könnte. Eine zweite Offenbarung in der letzten Szene ist allerdings ein echter und völlig unerwarteter Knüller.

Nach einem zweifachen Prolog beginnt die eigentliche Handlung mit einem sommerlichen Picknick in Südfrankreich. Es ist 1938, die Stimmung ist unbeschwert. Lee (Kate Winslet) empfängt einen Neuankömmling, den englischen Künstler David Penrose (Alexander Skarsgård), mit bissigem Sarkasmus; kurz drauf sind die beiden ein Paar, sie zieht zu ihm nach London. Ein Jahr später endet ihr beschauliches Leben: "Es regnete Bomben", wie sie dem Interviewer erzählt; damals arbeitete sie bereits als Fotografin für die britische Ausgabe der Modezeitschrift "Vogue".

Die ersten Filmbilder zeigen jedoch eine ganz andere Kriegsszene, als unmittelbar neben der Fotografin eine Granate einschlägt. Später, als die Handlung zu diesem Moment zurückkehrt, stellt sich raus, dass sie 1944 ins vermeintlich befriedete Saint-Malo geschickt worden ist, wo sie zufällig einen der ersten Napalm-Einsätze dokumentierte. Als sie gemeinsam mit ihrem "Life"-Kollegen David Scherman (Andy Samberg) ins befreite Paris kommt, stellt sie fest, dass viele Mitglieder ihrer früheren Clique, die sich der Résistance angeschlossen oder im Untergrund gelebt hatten, spurlos verschwunden sind: Sie wurden verhaftet und gemeinsam mit tausenden anderen in Zügen abtransportiert.

Also folgt sie der US-Armee zusammen mit David nach Deutschland. Die Reise durch das völlig zerstörte Land führt das Paar zunächst nach München, wo Miller das legendäre Wannenbild arrangiert. Wenig später wird sie in Dachau Zeugin jenes namenlosen Grauens, das sich für den Rest ihres Lebens in ihr Gedächtnis einbrennen wird, zumal es an ein traumatisches Kindheitserlebnis rührt.

Diese Rolle wäre für jede Schauspielerin ein Traum, und Kate Winslet spielt sie buchstäblich mit Leib und Seele. Die Hingabe, mit der sie diese vielleicht bedeutendste Fotografin des 20. Jahrhunderts verkörpert, steht auch für die Zielstrebigkeit, mit der sie das Projekt acht Jahre lang als Produzentin vorangetrieben hat. Vorlage für das Drehbuch war die Biografie, die Millers Sohn Antony Penrose über seine Mutter geschrieben hat ("Immer lieber woanders hin", Insel-Verlag); er war ebenfalls maßgeblich an der Entwicklung des Films beteiligt. Die Umsetzung hat Winslet der Kamerafrau Ellen Kuras anvertraut, deren Arbeit sie bei der romantischen Komödie "Vergiss mein nicht!" (2004) schätzen gelernt hat; "Die Fotografin" ist das Regiedebüt der Amerikanerin.

Großen Anteil an der Wirkung gerade der größtenteils graustichigen Kriegsbilder hat der Pole Pawel Edelman, der einst auch Roman Polanskis vielfach ausgezeichnetes Ghettodrama "Der Pianist" (2002) fotografiert hat. Trotz der ausdrücklichen Verehrung Winslets für Lee Miller als couragierte Wahrheitssucherin und Kämpferin für Gleichberechtigung ist der Film keine undifferenzierte Hommage; gerade im letzten Akt rüttelt die Rahmenhandlung kräftig am Podest.