Major der Heilsarmee hilft bei Personensuche

Major Reinhold Walz sitzt vor Schreibtisch
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Immer auf der Suche: Major Reinhold Walz hilft mit viel Herzblut dabei, vermisste Personen aufzuspüren.
Wiedersehen macht Freude
Major der Heilsarmee hilft bei Personensuche
Seit Jahren bringt Major Reinhold Walz von der Heilsarmee getrennte Familien wieder zusammen. Mit Geduld, weltweiten Kontakten und viel Fingerspitzengefühl macht er möglich, woran viele längst nicht mehr geglaubt haben: ein Wiedersehen.

Eigentlich könnte Reinhold Walz längst seine Rente genießen. Doch für den Offizier der Heilsarmee kommt das nicht infrage. "Ein Heilsarmee-Offizier hört mit dem Ruhestand nicht auf – das ist ein Leben", sagt der Major. Seit August 2018 leitet er den Suchdienst der Heilsarmee in Deutschland – und hilft Menschen dabei, verlorene Familienangehörige wiederzufinden.

In seinem Büro in Weißenfels in Sachsen-Anhalt stapeln sich die Akten. Allein im vergangenen Jahr konnte Walz 51 Personen ausfindig machen. Monatlich erreichen ihn rund 20 neue Anfragen. Zwischen 16 und 80 Fälle bearbeitet er gleichzeitig – von Deutschland über Australien bis in die USA oder den asiatischen Raum. Sein Netzwerk reicht weit über Deutschland hinaus. Wenn die Recherche über Internetportale nicht weiterführt, nutzt Walz die internationalen Kontakte der Heilsarmee, die weltweit in zahlreichen Ländern vertreten ist. Und manchmal verlässt Walz sogar sein Büro: Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Fall aus Großbritannien.

Eine Frau suchte ihren Bruder, der 2003 nach Berlin gezogen war. Mehr als 20 Jahre lang hatte es keinen Kontakt gegeben. "Es gab nur noch eine alte Adresse", erinnert sich Walz. Weil er damals ohnehin in Berlin unterwegs war, nahm er die Suche persönlich in die Hand. Beim zuständigen Einwohnermeldeamt erhielt er eine neue Anschrift. Dort öffnete ihm eine überraschte Frau die Tür. Der Gesuchte sei zwar gerade nicht zu Hause, erzählte sie ihm – doch er habe selbst seit Jahren versucht, seine Schwester wiederzufinden. Walz hinterließ die Kontaktdaten der Schwester und informierte anschließend das britische Suchdienst Büro. Bereits am nächsten Tag kam eine bewegte Rückmeldung aus London: Die Schwester sei überglücklich gewesen. Die Familie bedankte sich ausdrücklich für die Unterstützung und spendete für die Arbeit des Suchdienstes.

Suchdienst der Heilsarmee immer wichtiger

Doch nicht jeder Fall lässt sich so schnell lösen. Manche Recherchen dauern Monate oder sogar Jahre. Seit das Deutsche Rote Kreuz seinen familiären Suchdienst weitgehend eingestellt hat, verweisen sogar deutsche Botschaften häufig auf die Heilsarmee. Dabei geht Walz äußerst sensibel vor. Datenschutz hat oberste Priorität. Voraussetzung für jede Suche sei eine Vollmacht der suchenden Person. Wird jemand gefunden, fragt Walz zunächst um Erlaubnis, bevor Kontaktdaten weitergegeben werden. "Viele Menschen haben Angst, ihre Daten herauszugeben – und das ist verständlich", sagt er. Um Vertrauen aufzubauen, legt er seinen Briefen oft den Dienstausweis sowie eine Beschreibung seiner Tätigkeit bei. "Die Glaubwürdigkeit der Heilsarmee hilft uns sehr", erklärt er.

Heute finanziert sich der Suchdienst ausschließlich über Spenden. Früher wurden Gebühren erhoben, doch davon ist man bewusst abgerückt. "Wenn jemand bezahlt hat, entsteht oft eine Anspruchshaltung, die die Arbeit erschwert", sagt Walz. Stattdessen bittet die Heilsarmee nur noch im Erfolgsfall um eine freiwillige Unterstützung.

Aktuell beschäftigt ihn unter anderem der Fall einer Frau, die ihre Halbgeschwister in den USA sucht. Ihre Mutter hatte Deutschland 1951 verlassen und die damals kleine Tochter beim Vater zurückgelassen. Über Argentinien wanderte sie später in die Vereinigten Staaten aus, heiratete erneut und bekam zwei weitere Kinder.

Die Tochter wandte sich schließlich an die Heilsarmee. Durch intensive Recherchen konnten fünf mögliche Adressen der Familie ermittelt werden. Die Briefe kamen am 18. Mai bei den Empfängern an – noch am selben Tag meldete sich eine der gesuchten Verwandten per WhatsApp. Die Auftraggeberin schrieb daraufhin : "In der Nacht hat mir Alice J. über WhatsApp geschrieben. Ich habe ihr noch in der Nacht geantwortet. Bilder habe ich auch schon erhalten. "Ich kann es immer noch nicht fassen."

Für Major Reinhold Walz ist der Suchdienst weit mehr als reine Recherchearbeit. "Es geht nicht nur darum, Menschen zu finden", sagt er. "Es geht darum, ein Wiedersehen zu ermöglichen."