Evangelisch und selbstbewusst: Karoline von Bayern

Gemälde von Königin Karoline von Bayern
Gemälde wird zugeschrieben Friedrich Dürck/CC/Wikimedia Commons
Königin Karoline von Bayern war auch eine große Unterstützerin der Ökumene.
Festakt für Bayerische Königin
Evangelisch und selbstbewusst: Karoline von Bayern
Mit der badischen Prinzessin Karoline hielt 1799 der Protestantismus in München Einzug. Der 13. Juli ist der 250. Geburtstag der ersten bayerischen Königin. Das Dekanat lädt zum Festvortrag.

Für die Münchner Protestanten ist sie so etwas wie eine Urahnin: Denn die badische Prinzessin Karoline brachte nach ihrer Heirat mit dem bayerischen Kurfürsten Max Joseph den evangelischen Glauben mit ins katholische München.

Am 2. Juni 1799 feierte sie hier mit ihrem Kabinettsprediger Ludwig Friedrich Schmidt den ersten evangelischen Gottesdienst im Schloss Nymphenburg. Am Montag (13. Juli) erinnert das Dekanat mit einem Festvortrag anlässlich Karolines 250. Geburtstags an die selbstbewusste Monarchin.

Festrednerin ist Susanne Pfisterer-Haas, Archäologin und Dekanatsfrauenbeauftragte, die sich seit Jahren mit Karolines Leben beschäftigt. Damit der Protestantismus in Oberbayern Fuß fassen konnte, seien mehrere Faktoren entscheidend gewesen, sagt sie: Die Offenheit des in Mannheim geborenen Max Joseph, dessen erste Frau auch schon evangelisch gewesen war. Die Reformpläne seines späteren Ministers Montgelas, in denen Religionsfreiheit für die Öffnung Bayerns eine wichtige Rolle spielte. Und natürlich das Selbstbewusstsein der 21-jährigen Prinzessin von Baden, in die sich der 20 Jahre ältere, verwitwete Max Hals über Kopf verliebte.

Eigener Prediger plus Betsaal

Karoline ließ sich im Ehevertrag zusichern, dass sie nicht nur ihren evangelischen Kabinettsprediger Ludwig Schmidt sowie 150 protestantische Bedienstete mit nach Bayern bringen durfte. Vielmehr musste ihr an jedem Ort, an den es sie mit Max ziehen sollte, immer auch ein Raum für Gottesdienste zur Verfügung gestellt werden. Nach den Anfängen im Nymphenburger Schloss war das das eigens für sie eingerichtete Hofbethaus in der Münchner Residenz, das Platz für 900 Gottesdienstbesucher bot.

Und die Münchner kamen, auch die katholischen: "Das lag mit am Geschick von Ludwig Schmidt, der im Hofbethaus ein Kruzifix aufhängte, zum Teil auch Marientage feierte und insgesamt eine sehr verbindliche, einladende Art hatte", erklärt Pfisterer-Haas. Die junge Adlige förderte das: Sie schätze, schreibt sie einmal an Schmidt, die sinnlichen Anteile katholischer Gottesdienste als Gegengewicht zum nüchternen Protestantismus. Immer wieder besuchte sie selbst katholische Messfeiern. "Karoline war eine ausgesprochene Ökumenikerin", betont die Historikerin.

Erste evangelische Stadtpfarrei

Nach der Krönung Max Josephs zum ersten bayerischen König im Jahr 1806 zählte die protestantische Gemeinde in München schon 1.200 Seelen. Unter Königin Karoline wurde im gleichen Jahr die erste evangelische Pfarrei gegründet. Stadtpfarrer war Ludwig Schmidt, der in seinen Erinnerungen die "drangvolle, teilweise schon unschickliche Enge" während der Gottesdienste beschreibt - so ging man zu sonntäglichen Doppelschichten über.

Und Karolines Ruf ging weit über München hinaus: In der Nähe von Rosenheim bauten die Pfälzer Siedler, die das Moor trocken legen sollten, 1822 eine Kirche und baten die Königin dafür um ihren Namen. Karolinenkirche heißt seither das älteste evangelische Gotteshaus in Oberbayern. "Die Königin war selbst nie dort, aber sie hat der Bitte gnädig stattgegeben", sagt Susanne Pfisterer-Haas.

Eklat bei der Beerdigung

Doch die tolerante Atmosphäre in Bayern kippte im Laufe der Jahre. Nach dem Tod ihres innig geliebten Max im Jahr 1825 übernahm Karolines ältester Stiefsohn Ludwig I. die Regentschaft. "Er hatte nichts Besseres zu tun, als das Hofbethaus nach dem Bau der ersten St. Matthäuskirche 1833 in ein Möbellager umzuwandeln", berichtet die Historikerin. Und obwohl er seiner wenig geliebten, stets eifersüchtig beäugten Stiefmutter ein Begräbnis in allen Ehren zugesichert hatte, unternahm Ludwig nichts gegen den Eklat nach Karolines Tod am 13. November 1841.

Da nämlich untersagte der Münchner Erzbischof Lothar Anselm von Gebsattel den evangelischen Geistlichen, den Sarg bis in die Gruft der Theatinerkirche zu geleiten - sie mussten im strömenden Regen vor dem Portal die Aussegnung vornehmen. Anschließend übernahmen katholische Pfarrer, auf Geheiß des Bischofs im Alltagsgewand, den Sarg: Ohne Kerzen, ohne Gebet wurde Karoline neben ihrem Mann zur Ruhe gebettet. "Dafür wurden in vielen anderen bayerischen Orten ausführliche katholische Gottesdienste zu Ehren Karolines gefeiert", sagt Pfisterer-Haas. Schließlich war die evangelische Königin aufgrund ihrer Mildtätigkeit beim Volk ausgesprochen beliebt gewesen.

Vorreiterin der Ökumene

Wenn sich die Münchner Protestanten heute anlässlich des 250. Geburtstags an ihre Wegbereiterin erinnern, dann möchte Susanne Pfisterer-Haas deren Bemühen um die Ökumene in den Vordergrund rücken: "Karoline war dabei eine wirkliche Vorreiterin!" Offen, interessiert und wertschätzend mit anderen umzugehen - das könne man auch heute noch von der ersten bayerischen Königin lernen.