Fünf weiße Zelte stehen unter Bäumen in der Frankfurter Innenstadt, eines ist für Frauen reserviert. Vom Rest der Grünanlage sind sie durch einen Sichtschutz aus weißen Plastikplanen getrennt. Rund ein Dutzend blaue Dixie-Toiletten, zum Teil mit kleinen Waschbecken versehen, stehen unweit der Zelte, in denen jeweils 18 Feldbetten aufgereiht sind. In der Nacht waren die insgesamt 90 Liegen belegt von Menschen, die obdachlos sind und hier ein Notquartier gefunden haben. Weitere 20 Personen konnten unter einem Pavillon auf Isomatten schlafen. Um 5.30 Uhr, kurz nach Sonnenaufgang, wurden alle geweckt, so wie jeden Morgen.
Bis vor wenigen Tagen konnten rund 150 Obdachlose in der nahegelegenen U-Bahn-Station Eschenheimer Tor übernachten. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) hatte 2018 einen Teil der unterirdischen B-Ebene abgetrennt und als Notunterkunft an den Frankfurter Verein vermietet. Zuletzt hätten dort bis zu 180 Personen übernachtet, teilte die VGF Ende Juni mit, als sie die Nutzung überraschend kündigte. Eine Brandschutzprüfung habe gezeigt, dass "Leib und Leben der Obdachlosen selbst im Falle eines kleinen Brandes" gefährdet seien.
In der von einem Tag auf den anderen zum Ersatz aufgebauten Zeltunterkunft seien ein Großteil der abends ankommenden Menschen Dauerübernachter, sagt Daniel Schneider, stellvertretender Leiter der Notübernachtung des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten. "Sie kennen die Abläufe beim Wecken, das läuft hier alles sehr routiniert ab." Die Menschen bekommen noch Wasser, Sonnenschutz und Kappen und verlassen um sechs Uhr den umzäunten Bereich.
Nicht wenige von ihnen legen sich dann auf die Bänke und den Rasen rund um die Zeltunterkunft, ziehen sich die Decken über den Kopf und schlafen weiter. Einer von ihnen ist Sascha. Er ist 39 Jahre alt, Elektroingenieur und lebt seit einem Jahr auf der Straße. "Meine Frau und ich haben uns getrennt", sagt er, seitdem habe er Probleme, auch psychische. Er stehe auf der Liste für eine Sozialwohnung. Wenn das geklappt habe, wolle er sich auch wieder einen Job suchen.
Der Wechsel von der U-Bahn in den Park sei absolut überraschend gekommen. "Wir wussten nicht, wohin", sagt er und freut sich, dass es der Stadt gelungen ist, die Unterkunft in den Zelten zu organisieren. "Hier haben wir Feldbetten, das ist besser als die dünnen Matten in der B-Ebene", sagt Sascha. Das Wecken so früh am Morgen findet er allerdings gar nicht gut. "Jetzt gibt es nur ein Wasser, früher gab es Frühstück und wir konnten bis 10 Uhr bleiben", schimpft er.
Ab dem Wochenende werde es auch im Park ein kleines Frühstück für die obdachlosen Menschen geben, verspricht Schneider. "Die Organisation dauere ein paar Tage, und wenn die Obdachlosen am Morgen gegangen seien, werde alles gereinigt und für die nächste Nacht vorbereitet. "Die Leute kommen hier erschöpft an und sind froh, sich hinlegen zu können", erzählt er.
Gebäude für Notunterkunft gesucht
Die Zahl der in Frankfurt auf der Straße lebenden Menschen beziffert Christian Rupp, Sprecher des Dezernats für Soziales und Gesundheit, mit 200 bis 300 Menschen. Zahlreiche weitere Wohnungslose seien in Einrichtungen untergebracht. Bundesweit übernachten nach Angaben einer Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe rund 56.000 Obdachlose unter Brücken, in Hauseingängen, in Parks oder Notunterkünften.
"Das hier ist das niedrigschwelligste Angebot, das wir in Frankfurt haben", sagt Rupp zu den Zelten. Allerdings sei es ein Provisorium, betont er. Die Stadt suche mit Hochdruck nach einem Gebäude in der Innenstadt, das Platz für bis zu 150 Obdachlose bietet. "Diese Menschen sind oftmals immobil", sagt Rupp. Deshalb brauchen wir einen Standort, der leicht zu erreichen ist."
Auf einer Bank im Park wird nun auch ein junger Mann aus Rumänien wach. Er ist seit vier Wochen in Deutschland und spricht nur wenige Worte Deutsch. Im Zelt habe er gut geschlafen, sagt er. Eigentlich sei er aber hier, um zu arbeiten.




