Kirchen-Spaltung? Piusbrüder fordern Papst heraus

Priesterweihe der Pius-Bruderschaft im bayerischen Zaitzkofen 2009
epd-bild / Michael McKee
Priesterweihe der Piusbruderschaft im bayerischen Zaitzkofen 2009. Nun stehen in der Schweiz vier Bischofsweihen bevor.
Bischofsweihen ohne Mandat
Kirchen-Spaltung? Piusbrüder fordern Papst heraus
Die Piusbruderschaft steuert erneut auf eine offene Konfrontation mit Rom zu. Die Traditionalisten bereiten in der Schweiz vier Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat vor.

Alle Versuche einer Annäherung sind gescheitert. Nun steht am 1. Juli ein Datum an, das die Spaltung zwischen dem Vatikan und der erzkonservativen Piusbruderschaft endgültig besiegeln könnte. An diesem Tag will die Gemeinschaft im schweizerischen Écône neue Bischöfe weihen - ohne die Erlaubnis von Papst Leo XIV.

Der Akt kommt nach geltendem Kirchenrecht einer Spaltung gleich und kann mit der automatischen Exkommunikation der Beteiligten bestraft werden. Mit Spannung wird erwartet, wie Leo auf diese extreme Provokation reagieren wird. In den vergangenen Jahrzehnten stand jeder Papst vor der Herausforderung, wie mit den Abweichlern umzugehen ist.

Die Piusbruderschaft, der aktuell nach eigenen Angaben weltweit rund 700 Priester angehören, wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre als Reaktion auf die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) gegründet. Weil die Piusbrüder viele dieser Reformen als zu liberal zurückweisen, stehen sie im offenen Konflikt mit dem Vatikan.

In den vergangenen Wochen bemühte man sich noch um Schlichtung - vergeblich. Letztlich gab der Obere der Bruderschaft, Davide Pagliarani, in einem Brief an den Vatikan bekannt, nicht auf die Bischofsweihe am 1. Juli verzichten zu wollen. Das Schreiben war die Antwort auf den Vorschlag des Vatikans, in einen Dialog zu treten.

Der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Victor Fernández, hatte eine Woche zuvor Pagliarani zum Gespräch getroffen und ihm einen "spezifisch theologischen Dialog mit einer genau festgelegten Methodik" vorgeschlagen. Auch diesen lehnte der Obere in seinem Brief ab. Nun rückt das angekündigte Datum immer näher - und damit das nächste Schisma.

Exkommunikation von fünf Piusbrüdern

Bereits 1988 war es zu einer solchen Eskalation gekommen. Auch der damalige Präfekt der Glaubenskongregation und spätere Papst Benedikt XVI. (2005-2013), Kardinal Joseph Ratzinger, hatte noch versucht, ein Schisma abzuwenden. Aber Erzbischof Lefebvre weihte vier Priester seiner Bruderschaft zu Bischöfen. Papst Johannes Paul II. bestätigte damals noch am selben Tag die Exkommunikation der fünf. Er sprach ausdrücklich von einem "schismatischen Akt", womit nichts an der Entscheidung beschönigend interpretiert werden konnte.

2009 hob Benedikt XVI. den Kirchenausschluss wieder auf - darunter auch jenen des Holocaustleugners Richard Williamson (1940-2025), was zu viel öffentlicher Kritik auch über Kirchenkreise hinaus führte. Der damalige Generalobere der Gemeinschaft, der Schweizer Bernard Fellay, hatte ihm in einem Brief zugesichert, die Bischöfe der Piusbruderschaft würden sich dem Primat des Papsts unterwerfen.

2012 wurde Williamson aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen. Fellay ist es nun auch, der neben Alfonso de Gallareta am 1. Juli die verbotene Weihe vollziehen will.

Umgang auf pastoraler Ebene

2012 brach der Vatikan die offiziellen Kontakte zu den Piusbrüdern zunächst komplett ab, nahm sie aber 2014 wieder auf. Unter Papst Franziskus sei der Umgang mit der abtrünnigen Gemeinschaft dann auf eine "pastorale Ebene" verlagert worden, formuliert es Jan-Heiner Tück, Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte in Wien.

Unter dem Vorzeichen der Barmherzigkeit sei unter Franziskus die Aussöhnung mit den Traditionalisten vorangetrieben worden, schreibt Tück in einem Beitrag für das Magazin "Stimmen der Zeit" (Juli/2026), das vom Herder-Verlag herausgegeben wird: "Die Bereitschaft sie einzubeziehen, statt sie wegen der anhaltenden Lehrdifferenzen auszugrenzen, entspricht seiner Sicht einer synodal-inklusiven Kirche."

Wie wird Papst Leo XIV. also reagieren? Von Beginn seines Pontifikats im Mai 2025 an betont der gebürtige US-Amerikaner, den Kurs der Synodalität und des Zuhörens, den Papst Franziskus vor ihm eingeschlagen hatte, fortsetzen zu wollen.

Zugleich setzt Leo immer wieder Signale, die zeigen, wie wichtig ihm Tradition und Kirchenlehre sind. Das ist schon allein an der Wahl seiner päpstlichen Kleidung zu erkennen: Leo trägt wieder die rote Mozetta, das Rochett und bestickte Stolen. Franziskus hatte einen schlichteren - von vielen als bescheiden interpretierten - Stil gepflegt. In einem Interview mit der Vatikanexpertin Elise Ann Allen kündigte Leo im September 2025 an, wieder verstärkt das Gespräch mit den Freunden der alten Messe suchen zu wollen.

Erst vor wenigen Tagen äußerte sich Leo konkret zu den Plänen der Piusbruderschaft. "Ich will ihnen sagen, dass sie das nicht tun sollten", sagte er Mitte Juni vor seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo klipp und klar. "Aber es ist ihre Entscheidung." Über die inhaltlichen Auseinandersetzungen fasste Leo zusammen: "Sie weigern sich, einige fundamentale Elemente der Kirche zu akzeptieren, angefangen mit mehreren Punkten des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das finde ich schade, aber wir müssen unseren Weg fortsetzen."