Am Montag war es nach Polizeiangaben in einer Stader Jugendhilfeeinrichtung zu Schüssen in der Dankersstraße 29 in Stade gekommen. Die Polizei sprach zunächst von einer "dynamischen Lage" und war mit einem Großaufgebot vor Ort. Dabei wurden fünf Menschen tödlich und weitere schwer verletzt. Ein sechstes Todesopfer erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Bei den Getöteten handelte es sich der Polizei zufolge ausschließlich um Erwachsene. Die Polizei hatte zunächst drei Personen festgenommen. Darunter befand sich den Angaben zufolge der mutmaßliche Haupttäter. Die zwei anderen Personen befanden sich am späten Nachmittag noch in polizeilichen Maßnahmen, wobei eine Tatbeteiligung Gegenstand der Ermittlungen war.
Am Montagabend gab es neue Erkenntnisse, wie die Stader Polizei gegen 21:30 Uhr mitteilte: Gegen 12 Uhr seien mehrere Notrufe bei der Polizei eingegangen. Die Polizei sei unmittelbar nach den Notrufen mit mehreren Streifenwagenbesatzungen vor Ort gewesen. Nach Sicherung des Objektes stellten die Einsatzkräfte zunächst vier Tote fest. Eine weitere Person sei trotz Reanimationsmaßnahmen noch am Einsatzort verstorben, eine sechste Person erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen.
"Bei den Opfern handelt es sich um sechs erwachsene Personen aus dem Umfeld der Jugendhilfeeinrichtung – vier Frauen und zwei Männer", so die Polizei.
Der mutmaßliche Täter sei nach unmittelbarer Verfolgung durch die Polizei in einem Pkw festgenommen worden. Eine mitgeführte Schusswaffe sei sichergestellt worden.
Bei dem Tatverdächtigen handele es sich um einen 45-jährigen Mann, der in Deutschland geboren sei, die türkische Staatsangehörigkeit besitze und im Raum Hannover wohne. Nach derzeitigem Stand liege das Motiv im familiären Umfeld. Der Mann habe in der Jugendhilfeeinrichtung einen Termin mit verschiedenen Mitarbeitenden zum Sorgerecht seiner drei Monate alten Tochter gehabt.
Das Kind habe sich gemeinsam mit seiner 34-jährigen Mutter ebenfalls in der Einrichtung befunden. Die Tochter sei in die Obhut des Jugendamtes übergeben worden. Die Mutter befinde sich derzeit noch in polizeilichen Maßnahmen.
Außerdem habe die Polizei eine 65-jährige Frau in Gewahrsam genommen. Sie sei die Fahrerin des Fluchtfahrzeugs und weise nach derzeitigem Erkenntnisstand eine enge Verbindung zur Familie auf.
Die weiteren Ermittlungen zu den Hintergründen sowie die umfangreichen polizeilichen Maßnahmen zur Spurensicherung und -auswertung dauern an.
Regionalbischöfin betet für Opfer und Angehörige
Auf Anfrage von evangelisch.de äußert sich Regionalbischöfin des Sprengels Stade Sabine Preuschoff bestürzt: "Ich bin tief erschüttert über die Gewalttat in Stade. Menschen wurden getötet. So viel Leid, das über Menschen gebracht wurde. Mit meinen Gebeten und Gedanken bin ich bei den Opfern dieser Gewalttat und bei den Menschen, denen dadurch ein lieber Mensch entrissen wurde, die einen Kollegen verloren haben. Mein Dank geht an die Seelsorgenden, die jetzt bei den Menschen in Not sind. Und an alle, die jetzt vor Ort zusammenstehen und unterstützen und ihren Dienst tun. Gott behüte alle in dieser schweren Situation."
Die Stader Polizei bittet um Zurückhaltung in den sozialen Netzwerken. "Aktuell kursieren auf in verschiedenen WhatsApp-Gruppen und sozialen Netzwerken unbestätigte Informationen zu der Einsatzlage", schreibt sie in ihrem Ticker. "Bitte verbreitet keine ungeprüften Meldungen oder Gerüchte", so die Polizei. Dies könne die Polizeiarbeit erschweren.




