Nun hat es doch noch geklappt mit der Fortsetzung. Schon seit mindestens einem Jahrzehnt war der zweite Teil von "Spaceballs" angekündigt, Mel Brooks' mitunter so böser wie liebevoller Parodie der "Star Wars"-Saga aus dem Jahr 1987. Sie war sein größter Erfolg an der Kinokasse als Regisseur. Rick Moranis spielt darin die Darth-Vader-Parodie "Lord Helmchen", mit dem zu großen Helm. Und Mel Brooks ist zu sehen in einer Doppelrolle als Präsident Skroob, ein Sprachspiel mit seinem Namen, sowie als "Yoghurt" (Yoda).
Im neuen Film wird der eigentlich im Ruhestand befindliche Komiker Rick Moranis wieder dabei sein. Und Brooks selbst, der am 28. Juni 100 Jahre alt wird. Der Film, inszeniert von Josh Greenbaum, solle im April nächsten Jahres herauskommen und "Spaceballs: The New One" heißen, verkündete Mel Brooks.
Und warum? "Er ist genau wie der alte. Nur neuer", erklärte er mit seiner elegant-komischen Nonchalance in diesen Tagen. Was natürlich eine Anspielung auf die vielen Fortsetzungen und Spin-Offs des "Star-Wars"-Universums ist.
Im Weltkrieg gegen Nazideutschland gekämpft
Als Melvin Kaminsky wurde Mel Brooks 1926 in Brooklyn/New York geboren, seine Eltern waren jüdische Einwanderer aus Danzig und Kiew. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er gegen Nazideutschland. Seine berufliche Karriere begann er als Schlagzeuger in Nachtclubs. Als ein Komiker erkrankte, sprang er ein. Als Stand-up-Comedian wurde er dann von dem TV-Komiker Sid Caesar entdeckt, für den er zehn Jahre lang Sketche für das Fernsehen schrieb, mit Woody Allen und Carl Reiner als Kollegen.
Meister der Parodien
Komiker, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Brooks ist in seinen Spielfilmen der Meister der Parodien. Vom Stummfilm über den Horrorfilm und das Hitchcock-Universum bis zur Sternensaga kitzelt er das Lächerliche aus den Vorlagen. Seine Gags sind zugespitzt, derb, gern auch geschmacklos und sarkastisch, obszön und slapstickhaft, aber doch immer auch mit einem wahren Kern. Kein anderer Komödienregisseur im Kino, außer vielleicht der frühe Woody Allen, hat die Devise "Alles für einen Lacher" so sehr beherzigt wie Mel Brooks. Meist sind die Handlungen seiner Filme nur der rote Faden, an denen er seine Sketche, Gags und Kalauer aufhängen kann.
1965 entwickelte er die Fernsehserie "Get Smart", die in der Bundesrepublik unter dem Titel "Mini-Max" lief. Hauptfigur war ein tollpatschiger Geheimdienstmann, der vom wilden Agentenleben träumt und doch nur jede Menge Schwachsinn produziert. In Zeiten des Kalten Krieges war das gewissermaßen der Gegenentwurf zu den Siegertypen in Film und Fernsehen à la James Bond - und entsprechend politisch unkorrekt, wie es später hieß.
Die Kinokarriere von Mel Brooks, dessen Filmen immer auch seine durchaus sarkastische jüdische Humortradition anzumerken ist, begann 1968: In seinem ersten Film, "Frühling für Hitler" - im Original wesentlich dezenter "The Producers" - ging es um zwei Musicalproduzenten, die mit einer Naziklamotte unbedingt einen Misserfolg landen wollen. Sie erreichen aber das Gegenteil. Schon in der Eröffnungsszene tanzt ein SS-Ballett zu einem Song, in dem es heißt: "Frühling für Hitler und Deutschland/ Winter für Polen und Frankreich". Für das Drehbuch erhielt Brooks einen Oscar. Mehr als drei Jahrzehnte hat es gedauert, bis aus dem Film über ein Musical tatsächlich auch noch ein hochdekoriertes Musical wurde: 2001 hatte "The Producers" am Broadway Premiere.
Brooks selbst hat Hitler in dem - nicht von ihm inszenierten - Remake von "Sein oder Nichtsein" (1983) gespielt, in einem surrealen Rap. Er hat das eine "umgekehrte Machtergreifung" genannt und in einem Interview gesagt: "Über Hitler darf man sich lustig machen, weil man ihn so am besten auf Normalmaß zurechtstutzen kann."
Genreparodien als neues Format kreiert
Mit der Genreparodie hat Mel Brooks dann ein ganz eigenes Format kreiert. Es begann mit "Der wilde, wilde Westen" - dessen Originaltitel "Blazing Saddles" ("Lodernde Sättel") viel mit den Bohnen zu tun hat, die die Cowboys am Lagerfeuer essen. Es folgten die Monsterfilm-Parodie "Frankenstein Junior", die Stummfilm-Hommage "Silent Movie" und 1977 die Hitchcock-Persiflage "Höhenkoller", die durchaus subtil auch die ästhetische Handschrift des Meisters aufs Korn nahm. In "Mel Brooks - Die verrückte Geschichte der Welt" parodiert er Monumentalfilme und in "Dracula - Tot aber glücklich" (1995) die Welt der Blutsauger. Ohne sein Werk wären Filme wie "Die nackte Kanone" oder "Hot Shots" undenkbar.
Auch im hohen Alter ist der mehrfache Vater, der zweimal verheiratet war, aktiv geblieben. Er hat vor Kurzem den Animationsfilm "The Land of Sometimes" produziert. In der TV-Miniserie "History of the World: Part II" (2023), die nach seinem Kinoerfolg entstand, ist er der Erzähler. Und 2020, während der Pandemie, hat er sich auch zum ersten Mal in einem Video vehement politisch geäußert: Im damaligen Wahlkampf sprach er sich gegen Trump und für Biden aus - weil Joe Biden Fakten und die Wissenschaft mag, so Brooks. Das hat er aber diesmal ernst gemeint.




