In einigen betroffenen Gebieten sind die Strom- und Kommunikationsnetze unterbrochen, sodass es noch dauern wird, bis das Ausmaß der Zerstörung und die Zahl der Opfer absehbar seien, so Save the Children. Die Erdbeben ereigneten sich in den Abendstunden, als viele Menschen auf dem Heimweg waren. Die Sorge wächst, dass noch zahlreiche weitere Menschen unter den eingestürzten Gebäuden verschüttet sein könnten. Inzwischen wird von 164 Toten und bis zu Tausenden Verletzten ausgegangen.
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, hat nach dem Erdbeben in Venezuela Hilfe für die Betroffenen angemahnt. "In wenigen Augenblicken haben viele Menschen Angehörige, ihr Zuhause oder jede Form von Sicherheit verloren", erklärte Fehrs am Donnerstag. Familien bangten um Vermisste, Verletzte kämpften um ihr Leben - "und viele wissen nicht, wie die nächsten Tage aussehen werden".
Die Menschen benötigten jetzt schnelle Hilfe, Schutz und verlässliche Unterstützung, sagte die Hamburger Bischöfin. "Gerade in einer solchen Katastrophe kommt es darauf an, den Menschen schnell beizustehen und sie nicht allein zu lassen", unterstrich Fehrs und verwies auf Vorbereitungen der Diakonie Katastrophenhilfe. Das evangelische Hilfswerk stellt nach eigenen Angaben 100.000 Euro für die Soforthilfe zur Verfügung.
Fokus auf Hilfe für Kinder und Familien
Save the Children arbeitet gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen in den betroffenen Gebieten, um den Bedarf zu ermitteln und Nothilfe vorzubereiten. In mehreren Städten wurden vorsorgliche Evakuierungen durchgeführt, wobei einige Kinder und Familien angesichts anhaltender Nachbeben ins Freie gezogen sind.
Fatima Andraca, Länderdirektorin von Save the Children Venezuela, sagt: "Kinder gehören nach diesen Erdbeben zu den am stärksten gefährdeten Menschen. Viele haben ihr Zuhause verloren, anhaltende Nachbeben tragen zu weiterer Angst bei Kindern bei und erhöhen das Risiko von weiteren Schäden und Opfern. Auch wenn es noch einige Zeit dauern wird, bis das Ausmaß der Zerstörung absehbar ist, wissen wir aus früheren Erfahrungen bei Katastrophen: Kinder benötigen jetzt dringend Unterstützung, mit Wasser, Nahrung, medizinischer Versorgung und Unterkünften. Es ist möglich, dass sie im Chaos von ihren Familien getrennt wurden und nun der Gefahr von Ausbeutung und Missbrauch ausgesetzt sind. Save the Children bewertet derzeit die Lage vor Ort und arbeitet mit lokalen Partnern zusammen, um den dringenden Bedarf zu ermitteln und betroffene Familien so schnell wie möglich zu unterstützen."
Schon vorher hatten Millionen Menschen Hilfe nötig
Rodríguez zufolge haben mehrere Länder die Entsendung von Rettungsteams angekündigt, darunter die USA, die Dominikanische Republik, El Salvador, Mexiko und Katar. Auch humanitäre Hilfe sei unter anderem von China und Brasilien angeboten worden.
Interimspräsidentin Delcy Rodríguez regiert das südamerikanische Land, seit die USA Anfang Januar in einer Militäroperation den autoritär herrschenden Präsidenten Nicolás Maduro verschleppten. Rodríguez, die bis dahin Vizepräsidentin war, treibt in enger Zusammenarbeit mit der US-Regierung eine wirtschaftliche Öffnung des offiziell sozialistisch regierten Landes voran. Die Wirtschaft liegt nach Jahrzehnten von Sanktionen und Misswirtschaft am Boden. Den UN zufolge sind fast acht Millionen Menschen dringend auf Hilfe angewiesen. Die Hoffnung auf eine Demokratisierung ist inzwischen verebbt.
Hier können Sie auf der Safe the Childrenseite spenden. evangelisch.de wird über die weiteren Maßnahmen berichten.




