Schwerste Erdbeben in Venezuela: Kirche ruft zu Hilfe auf

Verletzte nach Erdbeben in Venezuela
Pedro Mattey/AP/dpa
Patienten liegen vor einem Krankenhaus in Catia la Mar, das evakuiert wurde, nachdem es bei einem der beiden Erdbeben beschädigt worden war.
Tausende bis Zehntausende Opfer
Schwerste Erdbeben in Venezuela: Kirche ruft zu Hilfe auf
In Venezuela bebte in der letzten Nacht binnen weniger Sekunden zwei Mal die Erde mit der Stärke 7,2 und 7,5. Schwere Zerstörungen sind die Folge. Rettungskräfte suchen nach Verschütteten. Tausende Kinder und Familien wurden aus ihren Häusern vertrieben, berichtet die Organisation Save the Children. Die EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs ruft zur Hilfe auf.

In einigen betroffenen Gebieten sind die Strom- und Kommunikationsnetze unterbrochen, sodass es noch dauern wird, bis das Ausmaß der Zerstörung und die Zahl der Opfer absehbar seien,  so Save the Children. Die Erdbeben ereigneten sich in den Abendstunden, als viele Menschen auf dem Heimweg waren. Die Sorge wächst, dass noch zahlreiche weitere Menschen unter den eingestürzten Gebäuden verschüttet sein könnten. Inzwischen wird von 164 Toten und bis zu Tausenden Verletzten ausgegangen.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, hat nach dem Erdbeben in Venezuela Hilfe für die Betroffenen angemahnt. "In wenigen Augenblicken haben viele Menschen Angehörige, ihr Zuhause oder jede Form von Sicherheit verloren", erklärte Fehrs am Donnerstag. Familien bangten um Vermisste, Verletzte kämpften um ihr Leben - "und viele wissen nicht, wie die nächsten Tage aussehen werden".

Zwei schwere Erdbeben innerhalb von nur 39 Sekunden haben in Venezuela mindestens 164 Menschen das Leben gekostet.

Die Menschen benötigten jetzt schnelle Hilfe, Schutz und verlässliche Unterstützung, sagte die Hamburger Bischöfin. "Gerade in einer solchen Katastrophe kommt es darauf an, den Menschen schnell beizustehen und sie nicht allein zu lassen", unterstrich Fehrs und verwies auf Vorbereitungen der Diakonie Katastrophenhilfe. Das evangelische Hilfswerk stellt nach eigenen Angaben 100.000 Euro für die Soforthilfe zur Verfügung.

Fokus auf Hilfe für Kinder und Familien

Save the Children arbeitet gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen in den betroffenen Gebieten, um den Bedarf zu ermitteln und Nothilfe vorzubereiten. In mehreren Städten wurden vorsorgliche Evakuierungen durchgeführt, wobei einige Kinder und Familien angesichts anhaltender Nachbeben ins Freie gezogen sind. 

Fatima Andraca, Länderdirektorin von Save the Children Venezuela, sagt: "Kinder gehören nach diesen Erdbeben zu den am stärksten gefährdeten Menschen. Viele haben ihr Zuhause verloren, anhaltende Nachbeben tragen zu weiterer Angst bei Kindern bei und erhöhen das Risiko von weiteren Schäden und Opfern. Auch wenn es noch einige Zeit dauern wird, bis das Ausmaß der Zerstörung absehbar ist, wissen wir aus früheren Erfahrungen bei Katastrophen: Kinder benötigen jetzt dringend Unterstützung, mit Wasser, Nahrung, medizinischer Versorgung und Unterkünften. Es ist möglich, dass sie im Chaos von ihren Familien getrennt wurden und nun der Gefahr von Ausbeutung und Missbrauch ausgesetzt sind. Save the Children bewertet derzeit die Lage vor Ort und arbeitet mit lokalen Partnern zusammen, um den dringenden Bedarf zu ermitteln und betroffene Familien so schnell wie möglich zu unterstützen."

Schon vorher hatten Millionen Menschen Hilfe nötig

Rodríguez zufolge haben mehrere Länder die Entsendung von Rettungsteams angekündigt, darunter die USA, die Dominikanische Republik, El Salvador, Mexiko und Katar. Auch humanitäre Hilfe sei unter anderem von China und Brasilien angeboten worden.

Interimspräsidentin Delcy Rodríguez regiert das südamerikanische Land, seit die USA Anfang Januar in einer Militäroperation den autoritär herrschenden Präsidenten Nicolás Maduro verschleppten. Rodríguez, die bis dahin Vizepräsidentin war, treibt in enger Zusammenarbeit mit der US-Regierung eine wirtschaftliche Öffnung des offiziell sozialistisch regierten Landes voran. Die Wirtschaft liegt nach Jahrzehnten von Sanktionen und Misswirtschaft am Boden. Den UN zufolge sind fast acht Millionen Menschen dringend auf Hilfe angewiesen. Die Hoffnung auf eine Demokratisierung ist inzwischen verebbt.

Hier können Sie auf der Safe the Childrenseite spenden. evangelisch.de wird über die weiteren Maßnahmen berichten.