"Wenn das Achtelfinale gewonnen wird, könnte es weit gehen"

Landesbischof Ernst-Wilhelm Goh
epd-bild/Andreas Langen
Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl sieht im Gebet des Nationalspielers Nmecha "ein starkes Zeichen".
Bischof Gohl zu Fußball-WM
"Wenn das Achtelfinale gewonnen wird, könnte es weit gehen"
Nach dem 7:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Curacao sorgte eine Gebetsszene von Nationalspieler Nmecha für Aufsehen. Bischof Ernst-Wilhelm Gohl sieht darin ein "Friedenszeichen" - und gibt eine Prognose für das weitere Turnier

Der Auftakt war furios. 7:1 siegte die deutsche Nationalmannschaft gegen Außenseiter Curacao. Für mindestens ebenso viel Aufsehen sorgte eine Szene nach dem Spiel: Nationalspieler Felix Nmecha betete gemeinsam mit Teamkollege Jonathan Tah und Spielern aus Curacao. Seine Erklärung: "Wir sind im Spiel Gegner, nach dem Spiel sind wir alle Christen und Brüder. Wir haben einfach ein kleines Gebet zusammen gemacht, weil wir alle sehr dankbar sind."

Und weiter: "Vom Ergebnis her ist es natürlich schön für uns, aber auch im Ganzen glauben wir alle, dass Jesus durch das Spiel verherrlicht wird. Deswegen sind wir zusammengekommen und haben zusammen gebetet." Ernst-Wilhelm Gohl, Landesbischof der evangelischen Landeskirche in Württemberg, sieht darin "ein starkes Zeichen".

epd: Herr Landesbischof, das deutliche Bekenntnis des Nationalspielers Felix Nmecha zum christlichen Glauben nach dem Spiel gegen Curacao hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Welche Chancen bietet solch eine Öffentlichkeit für den christlichen Glauben hierzulande?

Ernst-Wilhelm Gohl: Nach einem Spiel gemeinsam mit Spielern der gegnerischen Mannschaft von Curacao zu beten, ist ein starkes Zeichen des Friedens. Wir treten im Wettkampf gegen einander an, aber nach Spielende sind wir gerade als Christen in Christus verbunden.

Auf Socialmedia sind die Reaktionen geteilt. Viele finden das sympathisch und begrüßen die Aktion, andere lehnen öffentliche Bekenntnisse bei einer Fußball-WM ab. Ich finde das eine schöne Erfahrung von Ökumene. Religion gehört zum Leben einfach dazu.

Dürfen Christen für den Sieg der deutschen Nationalelf beten?

Gohl: Alles, was Menschen bewegt, können sie vor Gott bringen. Allerdings ist Gott keine Wunscherfüllungsmaschine. Wenn Spieler ein Spiel oder gar eine WM gewinnen, können sie Gott danken. Wichtiger ist, Gott im Gebet anrufen zu können, wenn sich Niederlagen einstellen, Final-Spiele verloren werden oder gar der entscheidende Elfmeter verschossen wird. Dann ist die Öffentlichkeit oft gnadenlos. Gott ist gerade in solchen Augenblicken da.

Am Samstag spielt Deutschland gegen die Elfenbeinküste. Was ist Ihr Tipp? Und wie weit wird Deutschland in diesem Turnier kommen?

Gohl: Ich hoffe auf einen Sieg für Deutschland und freue mich, wenn wieder Spieler aus Stuttgart mit im Team sind. Die Vorrunde dürfte die deutsche Mannschaft nach dem 7:1 im ersten Spiel überstehen. Das Schlüsselspiel wird wegen der zu erwartenden starken Gegner das Achtelfinale. Wenn das gewonnen wird, könnte es weit gehen. Wichtig wird sein, dass unser Team von Verletzungen und roten Karten verschont bleibt.