Berliner Ärztekammer-Präsident fordert Maßnahmen gegen Hitze

Berliner Ärztekammer-Präsident fordert Maßnahmen gegen Hitze
Das Gesundheits- und Pflegewesen muss klimafest werden, fordert der Berliner Ärztekammer-Chef Peter Bobbert. Dafür seien Investitionen nötig. Insbesondere vulnerable Gruppen müssten geschützt werden.
11.06.2026
epd
epd-Gespräch: Jonas Grimm

Berlin (epd). Der Präsident der Berliner Ärztekammer, Peter Bobbert, hält ältere und pflegebedürftige Menschen angesichts zunehmender Hitzesommer für nicht ausreichend geschützt. Pflegeeinrichtungen seien „nicht vorbereitet auf große Hitzewellen“, sagte Bobbert dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es fehle an Belüftung und Kühlung, aber auch an Personal. Der bereits jetzt bestehende Mangel werde sich in Hitzephasen „noch verstärken“. Dafür werde allerdings nicht genug investiert, kritisierte er.

Bobbert warnte zudem vor den kommenden Sommern. „Die Wahrscheinlichkeit einer Hitze-Naturkatastrophe wird aufgrund des menschengemachten Klimawandels schlicht von Jahr zu Jahr größer.“ Er wolle keinen Alarmismus betreiben, erklärte er: „Wir müssen uns auf diese Extremszenarien schlicht vorbereiten.“ Die aktuellen Prognosen seien allerdings eindeutig: In den kommenden Jahren werde es aller Wahrscheinlichkeit Hitzewellen mit „tagsüber 40 Grad aufwärts und fehlender Abkühlung nachts“ geben. Im Gesundheitswesen würden daher bundesweit verbindliche Hitzeschutzpläne benötigt.

„Hitzeschutz ist etwas Solidarisches“

Der Ärztekammer-Präsident mahnte den Schutz von vulnerablen Gruppen an. Knapp über 85 Prozent der hitzebedingten Toten seien älter als 65 Jahre. Gerade bei Älteren und Pflegebedürftigen sei das Durstgefühl weniger ausgeprägt. Sie würden dadurch an heißen Tagen Gefahr laufen, zu dehydrieren. Auch auf Kinder und Schwangere müsse besonders geachtet werden. Zudem forderte er einen besseren Schutz von obdachlosen Menschen, die der Hitze frei ausgesetzt sind. „Hitzeschutz ist etwas Solidarisches“, sagte Bobbert.

Positiv bewertete Bobbert, dass in der Gesellschaft ein Umdenken stattgefunden habe. Hitze werde nicht mehr mit einem „schönen Sommerabend“ verbunden, die gesundheitlichen Gefahren seien mittlerweile mehr ins Bewusstsein gerückt.

Am Donnerstag findet der vierte bundesweite Hitzeaktionstag statt. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto „Gemeinsam vorsorgen gegen Extremhitze“.