Wenn Kirchengebäude nicht mehr bezahlbar sind

Hell erleuchtete Spielzeugkirche in Nacht
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In vielen kirchlichen Gebäuden droht das Licht auszugehen.
Kirchliche Immobilienberatung
Wenn Kirchengebäude nicht mehr bezahlbar sind
Bis Ende 2026 müssen die evangelischen Gemeinden in Bayern entscheiden, welche Gebäude sie langfristig finanzieren können. Für die übrigen müssen sie andere Nutzungskonzepte finden. Die kirchliche Immobilienberatung "equadra" soll helfen.

Bis 2035 will die bayerische Landeskirche die finanzielle Förderung für etwa die Hälfte ihres Immobilienbestands einstellen. Nur Gebäude der Kategorie A sollen bei Sanierungen oder Umbaumaßnahmen noch mit 25 Prozent bezuschusst werden. Um die rund 1.500 Gemeinden bei einer Umnutzung oder beim Verkauf ihrer B- und C-Gebäude zu unterstützen, haben Landeskirche und Evangelisches Siedlungswerk jetzt eine eigene Immobilienberatungsgesellschaft mit dem Namen "equadra" gegründet.

Der designierte Geschäftsführer Oliver Rose ist Soziologe, Volkswirt und Immobilienökonom und kennt das Thema "Gebäudeplanung" aus eigener Erfahrung als Kirchenvorsteher der Stephanskirche Bamberg und Mitglied des Dekanatsausschusses. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) benennt er die Aufgaben und Ziele der neuen Beratungsfirma.

epd: Herr Rose, die kirchliche Immobilienberatung "equadra" soll Gemeinden unterstützen, die Gebäude aufgeben müssen oder neu nutzen wollen. Wie groß ist denn Ihr Team?

Oliver Rose: Wir fangen gerade erst an und sind deshalb zu zweit, ich in Nürnberg und ein Kollege im Landeskirchenamt München. Aber wir haben Zugriff auf ein großes, professionelles Netzwerk: das Evangelische Siedlungswerk, die Dienstleistungszentren Bau auf der Ebene der Dekanate, die Fundraiser der Landeskirche, externe Gutachter. Wir werden dieses Netzwerk und bei Bedarf auch das Team sukzessiv ausbauen.

Oliver Rose

Wer kann sich bei "equadra" melden und was kostet die Beratung?

Rose: Zunächst sind wir ausschließlich für evangelische Kirchengemeinden in Bayern da, die ihre Gebäude entwickeln wollen. Weil der Beratungsbedarf von großen und kleinen, ländlichen und städtischen Gemeinden so unterschiedlich ist, werden die Kosten individuell verschieden sein und auch von der Dauer der Begleitung abhängen. Was wir aber zu Beginn eines Kontakts anbieten, ist ein "Potenzialcheck", der zu 80 Prozent von der Landeskirche bezuschusst wird. Dabei bekommt man eine erste Idee, was mit einem Gebäude möglich wäre.

Was ist Ihr Ziel in der Beratung?

Rose: Wir wollen zunächst gute, machbare Ideen entwickeln und mögliche Partner wie Kommunen, die Diakonie oder auch die katholische Kirche zu identifizieren. Wenn es konkreter wird, brauchen wir Gutachten und eine Machbarkeitsstudie - dann können sich die Kosten im unteren fünfstelligen Bereich bewegen. Das ist einerseits viel Geld für ein Gebäude, dessen Kosten man eigentlich loswerden will. Andererseits sind Immobilien Vermögenswerte, die nachhaltig Erträge für die Kirchengemeinden erzielen können.

"Eine neue Nutzung kann die Relevanz von Kirche auch steigern"

Es ist schade, wenn man ein Gebäude zu schnell verkauft und Chancen vergeben werden.

Was sind denn für Gemeinden die größten Hürden beim Gebäudethema?

Rose: Wenn man kirchliche Gebäude anders nutzen oder gar verkaufen muss, ist das immer ein dickes Brett, das braucht viel Beteiligung, damit am Ende eine hohe Akzeptanz steht. Ich möchte durch eine Beratung Visionen in einen solchen Prozess hineinbringen. Die Beteiligten sollen eine Vorstellung davon bekommen, was möglich ist, statt zu resignieren. Man darf nicht vergessen: Durch eine neue Nutzung kann man die Relevanz von Kirche auch steigern - wenn durch Öffnung nach außen Interaktion mit anderen entsteht. Das ist schöner, als hinter den eigenen Mauern wegzuschrumpfen.

"Ich kenne ländliche Kirchen mit einfachen Übernachtungsmöglichkeiten, mit einem Tante-Emma-Laden oder einer Fahrradwerkstatt."

Wann ist ein Nachnutzungskonzept für Sie gelungen?

Rose: Bevor ich zu "equadra" gekommen bin, habe ich ein Beratungsunternehmen geleitet, das katholische und evangelische Bistümer und Landeskirchen in ganz Deutschland zur Gebäudestrategie beraten hat. Gelungen ist ein Konzept für mich, wenn wir es schaffen, dass eine Kirche als Kirche erkennbar bleibt, obwohl sie anders genutzt wird. In Münster hat etwa das Rote Kreuz seine Büros in einer Kirche. Ich kenne ländliche Kirchen mit einfachen Übernachtungsmöglichkeiten, mit einem Tante-Emma-Laden oder einer Fahrradwerkstatt. Ich betrachte den Denkmalschutz nicht als unseren Gegner. Es ist das Interesse aller, das großartige Erbe von Kirchengebäuden zu erhalten. Und es gibt, Stichwort "reversible Einbauten", mittlerweile auch gute Lösungen. Trotzdem werden wir angesichts der schieren Menge von kirchlichen Gebäuden auch manches einfach verkaufen müssen.

Sie sind nicht nur Ansprechpartner für Gemeinden, sondern auch für Investoren. Wie hoch ist das Interesse von dieser Seite?

Rose: Das Thema "Nutzung sucht Gebäude" ist gar nicht so selten. Aktuell haben wir vier Anfragen von Sozialträgern, die etwa Räume für Mitarbeiterwohnungen suchen oder für eine Behindertenwerkstatt. Es gibt übrigens auch Kapital, das Gebäude sucht! Früher haben Fonds ihre Investitionen mit einer hohen Gewinnerwartung verknüpft. Heute ist es vielen lieber, wenn sie für 30 Jahre einen sicheren Mieter wie die Diakonie oder eine Kita haben. Allgemein dauern Immobilienprozesse lang und reichen weit in die Zukunft. Es ist gut, jetzt mit Mut, Offenheit, Partnern und Visionen damit anzufangen.