Washington (epd). Der Konflikt zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Vatikan wird nach Meinung des US-Religionsexperten Mathew Schmalz anhalten. Er erwarte, dass Papst Leo XIV. wohl weiterhin „sehr konsequent“ bei den Themen Frieden und Migration sein werde - Themen, bei denen das katholische Kirchenoberhaupt Trump widerspreche, sagte Schmalz dem Evangelischen Pressedienst (epd). Für Trump gelte, dass „Offensive die beste Defensive ist“, sagte der Professor am katholischen „College of the Holy Cross“ in Massachusetts.
US-Katholiken müssten „hart reflektieren“ und fragen, wo ihre Loyalität liege. Denn eine Mehrheit der US-Katholiken habe bei den Präsidentschaftswahlen für Trump gestimmt, sagte Schmalz. Katholiken sind in den USA die größte konfessionelle Gruppe. Sie machen nach Zahlen des Washingtoner Pew Research Centers gut ein Fünftel der Bevölkerung aus (19 Prozent). Rund 40 Prozent der Katholiken in den USA sind Immigranten oder Kinder von Immigranten.
Verbale Attacken gegen Papst Leo XIV.
Die US-Administration unter Trump befindet sich vor allem infolge der restriktiven Migrations- und Einwanderungspolitik sowie des Krieges im Mittleren Osten auf Konfrontationskurs mit dem Heiligen Stuhl. Trump hatte wiederholt unterstellt, dass es für den Papst akzeptabel sei, dass der Iran über Atomwaffen verfüge. Bereits Mitte April hatte Trump den Papst wegen dessen Friedensbotschaft verbal attackiert.
Trotz teils starker anti-katholischer Tendenzen in der Geschichte des vom Protestantismus geprägten Landes zeigten sich manche Amerikaner angezogen vom Prunk und den religiösen Ritualen des Vatikans, vergleichbar mit der Bewunderung von Monarchien, erklärte Schmalz. Andere Präsidenten hätten sich aber mit Kritik zurückgehalten.
Papst weltweit beliebter als Präsident
Papst Leo sei jedoch Amerikaner. Für Trump sei es wohl schwierig, dass ein anderer Amerikaner weltweit beliebter sei als er selbst, sagte Schmalz. Beim Irankrieg stehe der „überempfindliche“ Trump unter Druck, der Krieg laufe offenbar nicht so, wie erhofft. Zugleich, so vermutet Schmalz, würde Trump gerne als eine Persönlichkeit mit religiöser Bedeutung wahrgenommen. Trump hatte nach dem versuchten Attentat auf ihn 2024 behauptet, er sei „von Gott gerettet worden, um Amerika wieder großartig zu machen“.
Nach Ansicht von Schmalz lässt sich unter den US-Bischöfen ein „Leo-Effekt“ erkennen. Seit Jahrzehnten tendierten die Bischöfe eher zu den Republikanern, die Abtreibung ablehnen und konservative Positionen vertreten. Unter Papst Leo zeichne sich eine neue Gewichtung ab.




