Kirchenkino verbindet Glaube und Kultur

Pfarrer Sven Kießling Kirchenkino
epd-bild/Aaron Kniese
Die Filme sollen die Menschen zu Gesprächen anregen, sagt Pfarrer Sven Kießling.
Ökumenisches Projekt
Kirchenkino verbindet Glaube und Kultur
Evangelische und katholische Kirche im hessischen Lauterbach veranstalten ein eigenes Kinoprogramm im örtlichen Lichtspielhaus. Das Publikum honoriert das.

Das Lichtspielhaus im mittelhessischen Lauterbach ist voll an diesem Abend. Rund 70 Menschen haben sich in dem kleinen Programmkino zusammengefunden. Durch das Gebäude zieht der Duft von frischem Popcorn. Im einzigen Saal des Kinos läuft der letzte Film des "Kirchenkinos" für diese Saison, gezeigt wird "Der Zopf" aus dem Jahr 2024.

Das "Kirchenkino" in Lauterbach bietet seit fast zwei Jahrzehnten eine Verbindung von Glauben, Gemeinschaft und Filmkultur. Von Oktober bis März zeigen Ehrenamtliche aus der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde gemeinsam mit dem örtlichen Lichtspielhaus Filme zu jährlich wechselnden Themen. "Wir sind hier in einer kleinen Stadt, da bedeutet Kultur, dass sie nur dann stattfindet, wenn sie jemand macht", sagt Pfarrer Sven Kießling, der das Projekt begleitet. Vor jeder Vorstellung gibt er einen geistlichen Impuls.

Das Lichtspielhaus Lauterbach ist eines der wenigen verbliebenen Programmkinos in der Region. Betreiberin Stefanie Dörr führt das traditionsreiche Kino, das in den 1930er Jahren erbaut wurde, mit Leidenschaft. Der Saal mit roten Kinosesseln und warmem Licht erinnert an eine andere Zeit. Retro wirkt auch die Popcornmaschine und das kleine grüne Kassenhäuschen, in dem Snacks und Getränke verkauft werden.

Abseits vom Mainstream

Auf dem Weg zum Projektorraum liegen überall Filmrollen herum. Dabei werden schon lange keine Filme mehr von Rollen abgespielt. Doch neben dem modernen Digitalprojektor steht hier ein alter Filmprojektor - ein Stück Kinogeschichte, das nur noch in wenigen Kinos zu sehen ist. "Ich gebe mir immer viel Mühe bei der Auswahl des Programms", sagt Dörr. "Ich suche bewusst Filme, die nicht im Fernsehen oder im Mainstream laufen."

Kirchenkino Lauterbach

Der Film "Der Zopf" erzählt die Lebenswege dreier Frauen auf drei Kontinenten. Die Strähnen eines Zopfes verbinden die Schicksale von Smita in Indien, Giulia in Italien und Sarah in Kanada. Die Frauen kämpfen um Würde, Selbstbestimmung und Zukunft und sind indirekt durch die Perücke, die aus ihren Haarspenden entsteht, verbunden.

Streaming ist kein Ersatz

Die filmbegeisterte ökumenische Arbeitsgruppe setzt beim "Kirchenkino" bewusst auf Filme, die gesellschaftliche und spirituelle Fragen aufgreifen. Ziel sei, sagt Kießling, miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Besucherinnen und Besucher schätzten die Mischung aus Filmkunst und Nachdenken über den Glauben.

Die Gäste sind in der Mehrzahl um die 60 Jahre alt. Sie liebten Programmkino, Filme, die Fragen aufwerfen und das selbstgemachte Popcorn von Stefanie Dörr, wie Pfarrer Kießling erzählt. Trotz der Konkurrenz durch Streamingdienste bleibt Kino für die Betreiberin Dörr ein Ort der Begegnung. "Für mich ist Kino ein Ort der Fantasie, in dem man aus dem Alltag in eine andere Welt abtauchen kann", sagt sie. Streaming könne das nicht ersetzen - ähnlich wie Musik-Streaming keinen Konzertbesuch ersetze. Gerade kleine Programmkinos böten Raum für Austausch, kulturelle Vielfalt und sorgfältig kuratierte Filme.

Die wirtschaftliche Lage vieler Kinos in Deutschland bleibt jedoch angespannt. Nach Angaben des Hauptverbands deutscher Filmtheater ging der Kartenverkauf seit 2019 um rund 25 Prozent zurück. Immerhin stiegen die Ticketverkäufe 2025 laut der Filmförderungsanstalt im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent. Für das Lauterbacher Lichtspielhaus ist das Engagement der Kirchengemeinden ein Beitrag dazu, dass das Kino in der Stadt lebendig bleibt - als Kulturort und als Begegnungsraum.