Erneut weniger Ausbildungsverträge

Erneut weniger Ausbildungsverträge
Im vergangenen Jahr gab es dem Statistischen Bundesamt zufolge 2,8 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge. Fachleute empfehlen unterschiedliche Maßnahmen, um mehr junge Menschen in Ausbildung zu bringen.
14.04.2026
epd
Von Susanne Rochholz und Nils Sandrisser (epd)

Wiesbaden (epd). Nach dem zweiten Rückgang in Folge bei der Zahl dualer Ausbildungsverträge dringen Fachleute auf eine effizientere Nutzung des Ausbildungspotenzials unter jungen Menschen. Der Ausbildungsexperte der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Nico Schönefeldt, empfahl am Dienstag eine praxisnahe Berufsorientierung. Die wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Bettina Kohlrausch, brachte eine Weiterentwicklung der Ausbildungsplatzgarantie ins Spiel.

Am Dienstag hatte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitgeteilt, dass die Zahl neu abgeschlossener dualer Ausbildungsverträge im vergangenen Jahr um 13.300 oder 2,8 Prozent auf 461.800 gesunken sei. Bereits 2024 hatte es einen Rückgang gegeben, nachdem von 2021 bis 2023 noch mehr Lehrverträge in Betrieb und Berufsschule abgeschlossen worden waren. Ende 2025 befanden sich damit insgesamt gut 1,2 Millionen Menschen in einer dualen Ausbildung, rund 10.000 oder 0,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Junge Leute mit Betrieben zusammenbringen

Schönefeldt erklärte, vor dem Hintergrund des demografischen Wandels bleibe die Fachkräftesicherung „eine zentrale Herausforderung“. Entscheidend sei, junge Menschen gezielt mit Ausbildungsbetrieben zusammenzubringen: „Eine systematische, praxisnahe Berufsorientierung sowie frühzeitige Praktika können dazu beitragen, mehr junge Menschen für die duale Ausbildung zu gewinnen und ihnen einen erfolgreichen Übergang ins Berufsleben zu ermöglichen.“

Von einem Mangel an Ausbildungsplätzen könne keine Rede sein, erläuterte Schönefeldt weiter. Die Bundesagentur für Arbeit registriere mehr unbesetzte Ausbildungsstellen als unvermittelte Bewerberinnen und Bewerber.

Kohlrausch bezeichnete den Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im dualen System als besorgniserregend, „weil er zeigt, dass ein wichtiger Integrationsmotor des deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarktes ins Stottern gerät“. Viele Jugendliche blieben ohne Ausbildungsplatz. „Es braucht daher dringend eine Weiterentwicklung der Ausbildungsplatzgarantie, die wirklich jedem Jugendlichen einen individuellen Rechtsanspruch auf einen Ausbildungsplatz ermöglicht“, sagte Kohlrausch.

Frauendomänen freie Berufe und Hauswirtschaft

Laut Statistischem Bundesamt begannen 2025 deutlich mehr Männer als Frauen eine duale Ausbildung: 64 Prozent der neuen Verträge schlossen Männer, nur 36 Prozent Frauen. Den höchsten Männeranteil gab es im Handwerk mit 81 Prozent und der Landwirtschaft (74 Prozent).

Den höchsten Frauenanteil gab es den Statistikern zufolge mit 89 Prozent in den freien Berufen, zu denen medizinische Fachangestellte sowie Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte zählen. Auch in der Hauswirtschaft (80 Prozent) lernten ganz überwiegend Frauen, hieß es weiter. Ebenso zog der öffentliche Dienst mehr Frauen (63 Prozent) als Männer an.