Messel (epd). Zum Gedenken an die rund 300 Opfer des NS-Zwangsarbeitslagers Lager Grube Messel bei Darmstadt ist ein Mahnmal errichtet worden. Die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter vorwiegend aus Osteuropa seien zwischen 1940 und 1945 beim Abbau von Ölschiefer entrechtet worden, sagte der Staatssekretär des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, Christoph Degen, am Montag in Messel bei der Eröffnung des Gedenkortes. Die Grube Messel ist ein stillgelegter Ölschiefertagebau, heute fü Fossilienfunde wie etwa das Urpferdchen international bekannt und seit 1995 Deutschlands erste Unesco-Weltnaturerbestätte.
Das Lager sei „ein Schauplatz von Zwangsarbeit unter schwersten Bedingungen“ gewesen, sagte Degen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem außergewöhnlichen Ort Grube Messel bedeute, „auch auf die dunklen Kapitel der Vergangenheit“ hinzuweisen und deutlich zu machen, dass das damalige „Unrecht mitten der Gesellschaft“ geschehen sei. Bei der Einweihung des Mahnmals war Janina Sulikowska-Wichman anwesend, die im Oktober 1944 als Kind einer polnischen Zwangsarbeiterfamilie im Lager Grube Messel geboren wurde.
Erforschung der jüngeren Vergangenheit ist Teil des Unesco-Auftrags
Philipe Havlik, Geschäftsführer der Welterbe Grube Messel gGmbH, betonte, Teil des Unesco-Auftrags sei neben der Erforschung der 47 Millionen Jahre alten Erdgeschichte auch die Untersuchung der jüngeren Historie und des politischen Erbes. Er selbst habe bis vor drei Jahren nichts von dem Zwangsarbeitslager gewusst. Die Grube stehe zum einen für diese dunkle Vergangenheit, jedoch auch für demokratischen Aufbruch. Damit verwies er auf eine Bürgerinitiative, die in den 1980er Jahren verhinderte, dass aus der Fossilienstätte eine Mülldeponie wurde.
Das Mahnmal besteht aus Gitterkörben mit zwei Kubikmetern Schlacke, wie sie die Zwangsarbeiter in den 1940er Jahren täglich transportieren mussten. Platziert ist es am Ort der damals „Russenbaracke“ genannten Unterkunft der Zwangsarbeiter.



