Buchenwald erinnert an KZ-Befreiung vor 81 Jahren

Buchenwald erinnert an KZ-Befreiung vor 81 Jahren
Hape Kerkeling ruft zur Verteidigung der Demokratie auf
Vor 81 Jahren wurde das KZ Buchenwald mithilfe der US-Armee befreit. Für mehr als 20.000 Häftlinge, darunter über 900 Kinder und Jugendliche, war damit am 11. April 1945 der SS-Terror zu Ende. Am Sonntag wurde der Opfer der NS-Verbrechen gedacht.
12.04.2026
epd
Von Yvonne Jennerjahn (epd)

Weimar (epd). Mit Aufrufen zur Verteidigung von Demokratie und Menschenwürde ist zum 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen erinnert worden. An der Feier in der Gedenkstätte bei Weimar nahmen am Sonntag auch zwei hochbetagte Holocaust-Überlebende teil, der 98-jährige Alojzy Maciak aus Polen und der 99-jährige Andrei Moiseenko aus Belarus. Überlebende aus Israel konnten nach Angaben der Gedenkstättenstiftung wegen der Auswirkungen des Iran-Kriegs dieses Mal nicht vor Ort sein.

Das KZ Buchenwald in Thüringen war im Juli 1937 gegründet und am 11. April 1945 befreit worden. Fast 280.000 Menschen aus mehr als 50 Ländern waren in Buchenwald oder einem der Außenlager inhaftiert, rund 56.000 von ihnen überlebten die Deportation in das KZ nicht.

Kerkeling mahnt zu Verantwortung

Der Autor, TV-Moderator und Comedian Hape Kerkeling, dessen Großvater politischer Häftling in Buchenwald war, rief in seiner Gedenkrede dazu auf, demokratiefeindlichen Strömungen entgegenzutreten. Von der aktuellen politischen Entwicklung sei er „zutiefst alarmiert“, sagte er. Diffamierungen der Erinnerungskultur seien ein Schlag ins Gesicht der Opfer und ihrer Nachfahren. Wer heute wegsehe oder jenen applaudiere, die die Geschichte umschreiben wollen, mache sich schuldig.

Kerkeling betonte, die Barbarei beginne nicht erst mit dem ersten Schuss, sondern dort, wo das Mitgefühl der Buchhaltung weiche und das Gewissen der sinnentleerten Gehorsamspflicht. Die Menschen von heute trügen weiter die Verantwortung für die Konsequenzen der Taten von damals. „So etwas wie eine Gnade der späten Geburt gibt es nicht“, sagte Kerkeling. Einen Schlussstrich unter die Erinnerung zu ziehen, käme einem Schlussstrich unter die Demokratie in Deutschland gleich.

„Treue zur Menschlichkeit“

Kerkelings Großvater Hermann, ein katholischer Kommunist aus dem Ruhrgebiet, war wegen regimekritischer Flugblätter ab März 1933 in Haft, darunter zuletzt fast drei Jahre in Buchenwald. Er überlebte das Lager. Sein Enkel betonte, was seinem Großvater als Hochverrat ausgelegt worden sei, sei für ihn das „höchste Zeugnis von Treue zur Menschlichkeit“.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) rief dazu auf, die Erinnerung wachzuhalten. Rechtsextreme Angriffe auf Gedenkstätten und wachsender Antisemitismus seien Anlass zur Sorge, sagte er. Erinnerung sei auch wichtig, „um zu wissen, wie wir nicht sein wollen“.

Der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, rief dazu auf, sich einem Vormarsch nationalistischer Strömungen und Regime mit Geschichtsbewusstsein entgegenzustellen. Die freie Gesellschaft, die die Menschenwürde respektiert, müsse mit klarem ethischem Kompass verteidigt werden, sagte er.

Ehrenbürgerwürde verliehen

Die Stadt Weimar hatte zuvor am Freitag vier Überlebende des Konzentrationslagers zu Ehrenbürgern ernannt. Die Geehrten Sidney Finkel, Joseph Szwarzberg, Isaak Goldblum und Georgij Iwanowitsch Sidorenkow waren als Kinder und Jugendliche in Buchenwald inhaftiert. Nach Angaben der Stadt wurden damit bislang 39 ehemalige Buchenwald-Häftlinge als Ehrenbürgerinnen und Ehrenbürger ausgezeichnet.