Dakar, Cotonou (epd). Im westafrikanischen Benin hat die Bevölkerung am Sonntag ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Wie die Zeitung „La Nouvelle Tribune“ berichtete, verlief der Wahltag nach ersten Erkenntnissen ruhig und geordnet. Der Wahltag war von sichtbarer Präsenz der Sicherheitskräfte geprägt, vor allem in den nördlichen Gebieten des Landes, wo zunehmend islamistische Angriffe stattfinden.
Nach zehn Jahren an der Macht tritt Präsident Patrice Talon nicht erneut an. Kandidat der Regierungskoalition ist der 49-jährige Finanzminister Romuald Wadagni. Als einziger Oppositionskandidat tritt Paul Hounkpè von der Partei FCBE an. Andere Anwärter wurden von der Wahl ausgeschlossen, weil sie die notwendigen Voraussetzungen für eine Kandidatur nicht erfüllen konnten. Kritiker sehen in den hohen Anforderungen ein Mittel, die politische Konkurrenz einzuschränken.
Wadagni gilt als Favorit
Aufgrund der geschwächten Opposition gilt Wadagni als Favorit. Im Wahlkampf setzte er vor allem auf die wirtschaftliche Entwicklung, während sein Herausforderer Hounkpè soziale Themen betonte. Beide Kandidaten halten ein entschlossenes Vorgehen gegen dschihadistische Gruppen im Norden des Landes für notwendig.
Der scheidende Präsident Talon hinterlässt eine gemischte Bilanz. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds wuchs die Wirtschaft des Landes im vergangenen Jahr um rund sieben Prozent. Damit gilt sie als eine der stabilsten in Westafrika. Zugleich ging die Regierung hart gegen Kritiker und die Opposition vor. Vergangenen September scheiterte ein Putschversuch aufständischer Soldaten.
Parlamentswahlen waren bereits im Januar
Die Wahlbeteiligung wird als Schlüsselfaktor für die Legitimität des nächsten Präsidenten gesehen. Wie der Nachrichtensender RFI am Sonntag berichtete, ist die Beteiligung bei vergangenen Wahlen zurückgegangen und lag 2021 bei 50 Prozent, gegenüber 65 Prozent bei den Wahlen von 2016. Etwa 7,8 Millionen Menschen sind wahlberechtigt.
Bereits im Januar wurden in Benin Parlamentswahlen abgehalten, bei denen die Opposition an einer 20-Prozent-Hürde scheiterte. Die Regierungskoalition hält damit weiterhin alle 109 Sitze in der Nationalversammlung. Die nächsten Parlamentswahlen finden in sieben Jahren statt.



