Gräueltaten gegen die Bevölkerung

 Soldaten, die dem Burkina Fasos Putschanführer Ibrahim Traoré treu ergeben sind, werden in den Straßen bejubelt.
Kilaye Bationo/AP/dpa
Soldaten, die dem Putschanführer Ibrahim Traoré treu ergeben sind, werden in den Straßen bejubelt. (Archivbild)
Kriegsverbrechen in Burkina Faso
Gräueltaten gegen die Bevölkerung
Der bewaffnete Konflikt in Burkina Faso findet international wenig Beachtung. Dabei nimmt die Gewalt gegen die Bevölkerung laut Human Rights Watch verheerende Ausmaße an.

Armee und islamistische Gruppen in Burkina Faso verüben laut einem Bericht gravierende Gräueltaten gegen die Bevölkerung.

Sämtliche Beteiligte des bewaffneten Konflikts seien für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich, hieß es in einer Untersuchung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Die Militärjunta unter Übergangspräsident Ibrahim Traoré gehe brutal gegen die Zivilbevölkerung vor und unternehme auch keine ernsthaften Schritte, um Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen, kritisierten die Autorinnen und Autoren.

Seit 2016 kämpfen islamistische Gruppen, darunter die mit Al-Kaida verbundene Gruppe JNIM gegen die Regierung des westafrikanischen Staates. Das Militär putschte sich 2022 unter anderem unter Verweis auf die schlechte Sicherheitslage an die Macht. Doch die Situation hat sich nicht verbessert.

Ethnische Säuberungen und Blockade von Hilfe

Der Terrorgruppe JNIM wirft HRW Entführungen und Ermordungen von Zivilistinnen und Zivilisten vor, ebenso wie die Belagerung zahlreicher Orte und die Blockade von Versorgung und Bewegungsfreiheit. Die Islamisten trügen damit zu Hunger und Krankheiten bei. Die Militärjunta reagiert dem Bericht zufolge mit harten Gegenoffensiven, die sich häufig auch gegen Bevölkerungsgruppen richten, denen die Unterstützung der Islamisten vorgeworfen wird. Besonders oft treffe die Aggression das größtenteils nomadisch lebende Hirtenvolk der Fulani. Das Vorgehen gegen sie komme ethnischen Säuberungen gleich.

Die 268 Seiten umfassende HRW-Untersuchung "None Can Run Away: War Crimes and Crimes Against Humanity in Burkina Faso by All Sides" basiert auf rund 450 Interviews. 380 davon führten die Menschenrechtler eigenen Angaben zufolge von März 2023 bis Februar 2026 mit Opfern des Konflikts. Zudem dienten Fotos, Videos, Satellitenbilder und weitere Dokumente als Quellen. Dennoch bleibt die genaue Zahl der Todesopfer unklar, da es keine systematische Erfassung gibt. Laut Daten der Organisation Armed Conflict Location & Event Data (ACLED) wurden seit 2016 mindestens 10.600 Zivilisten in Burkina Faso getötet.

Junta schränkt Grundrechte ein

Der Konflikt hat HRW zufolge die Politik und das gesellschaftliche Leben Burkina Fasos grundlegend verändert. Die Junta nutze den Kampf gegen die islamistischen Gruppen als Vorwand, um grundlegende Rechte und Freiheiten einzuschränken, etwa durch willkürliche Festnahmen, das Verschwindenlassen von Personen sowie Zwangsrekrutierungen. Zugleich habe es die politische Instabilität bewaffneten Gruppen erleichtert, ihren Einfluss auszuweiten, während sich die Menschenrechtslage weiter verschlechtere und die Straflosigkeit zunehme. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden rund zwei Millionen Menschen durch den Konflikt vertrieben.

Die burkinische Regierung unterdrückt dem Bericht zufolge derweil gezielt die Verbreitung konfliktbezogener Informationen. Dafür schränke sie unter anderem die Arbeit von Medien und Menschenrechtsorganisationen ein und sperre Internetseiten. Human Rights Watch forderte die Staatengemeinschaft auf, auf Aufklärung und Rechenschaft zu drängen sowie Sanktionen und Ermittlungen durch den Internationalen Gerichtshof in Erwägung zu ziehen.