Bischof Schuegraf mahnt zur Versöhnung

Bischof Schuegraf mahnt zur Versöhnung
Vom englischen Coventry aus entspann sich nach 1945 ein weltweites Netzwerk für Versöhnung. Die Stadt war 1940 durch deutsche Bomben schwer zerstört worden. Der Bückeburger Bischof Schuegraf stellte sie in den Mittelpunkt seiner Karfreitagspredigt.

Bückeburg (epd). Der schaumburg-lippische Landesbischof Oliver Schuegraf hat am Karfreitag zur Versöhnung angesichts von Krieg und Zerstörung aufgerufen. „In einer Zeit, in der Gesellschaften polarisiert sind, in der Hass und Feindseligkeit wachsen, ist die Botschaft der Versöhnung dringender denn je“, sagte der evangelische Theologe in der Stadtkirche von Bückeburg.

Er bezog sich dabei auf die Arbeit der Nagelkreuzgemeinschaft, einem weltweiten Netz von Kirchen, die sich für Frieden und Versöhnung einsetzen. Seit 2011 leitet Schuegraf als Vorsitzender ihren deutschen Zweigverein. Versöhnung beginne dort, wo Menschen bereit seien, „die Geschichte der aufgetürmten Trümmer wahrhaftig zu erzählen statt sie zu verdrängen“, sagte er laut Redemanuskript.

Verletzungen beim Namen nennen

In Auseinandersetzungen müsse bereits über die Zeit danach nachgedacht werden, mahnte der Bischof: „Statt unvorbereitet zu sein, wenn die Waffen schweigen.“ Wichtig sei, „die Hand auszustrecken, statt sie als geballte Faust in der Hosentasche zu vergraben“. Die Vergangenheit werde dabei nicht unwichtig: „Gerade, weil wir die Trümmer sehen, brauchen wir Versöhnung und geben sie weiter.“

Die Nagelkreuzgemeinschaft geht auf die Zerstörung der Kathedrale im englischen Coventry im Jahr 1940 durch die deutsche Luftwaffe zurück. In den Trümmern der ausgebrannten Kirche fand sich damals ein Haufen mittelalterlicher Nägel, die einst das Gebälk zusammengehalten hatten. Ein Priester setzte sie zu Kreuzen zusammen. In Coventry war Schuegraf später mehrere Jahre als Seelsorger tätig.

Weltweites Netzwerk

Von der englischen Stadt aus entspann sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein großes Netzwerk, zu dem heute rund 300 Kirchen gehören, darunter 75 aus Deutschland. Auch die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin und die Dresdener Frauenkirche gehören dazu.