Abendmahlstafel auf dem Marktplatz: Brotbrechen und Segen bringen

Abendmahlstafel auf dem Marktplatz: Brotbrechen und Segen bringen
In Karlsruhe wurde Da Vincis "Letztes Abendmahl" nachgestellt
Brot teilen und Segen in die Stadt bringen. Dazu hatte die ökumenische Citykirchenarbeit eine elf Meter lange Tafel auf dem Karlsruher Marktplatz aufgebaut. Zahlreiche Menschen blieben stehen, teilten Brot und kamen ins Gespräch.
02.04.2026
epd
Von Christine Süß-Demuth (epd)

Karlsruhe (epd). Es ist eine ungewöhnliche Aktion: Auf dem Karlsruher Marktplatz steht eine elf Meter lange, weiß gedeckte Tafel. Eine Musikgruppe spielt, es riecht nach frisch gebackenem Fladenbrot. Am Donnerstag hatte die Ökumenische Citykirchenarbeit „Fächersegen“ zum gemeinsamen Brotbrechen auf dem Marktplatz eingeladen.

Am Gründonnerstag, dem Vorabend des Karfreitags, erinnern christliche Kirchen mit Abendmahlsgottesdiensten an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern vor seinem Tod. „Das gemeinsame Brotessen steht dabei symbolisch für Teilen, Gastfreundschaft und Verbundenheit“, sagte Max Kosoric vom Fächersegen-Team. Mit der Aktion sollte auch das Gemälde „Letztes Abendmahl“ von Leonardo da Vinci nachgestellt werden.

136 Fladenbrote sollen Segen bringen

Insgesamt wurden 136 Fladenbrote gebacken, in kleine Stücke geteilt und an Passanten verteilt, um „göttlichen Segen“ in die Stadt zu bringen. Viele blieben neugierig stehen, probierten ein Stück warmes Fladenbrot und kamen bei strahlendem Sonnenschein ins Gespräch - mit Menschen, die neben ihnen am Tisch saßen oder in Grüppchen standen.

Darunter waren auch zwei Familien aus Island und Norwegen, die zu einem internationalen Schachturnier in die Fächerstadt gereist waren. Ein Obdachloser freute sich riesig über ein Stück Brot. Auch eine kurdische Familie blieb stehen. „Wir sind Muslime und kommen ursprünglich aus der Türkei. Für uns gilt, egal wie arm, man sollte immer Brot teilen“, sagte die Frau, die sich Sorgen über ihre Verwandten im Nahen Osten angesichts des Irankriegs macht.

Verantwortung für den Nächsten

Das Brot auf dem Marktplatz mit vorbeikommenden Menschen zu teilen, sei ein Zeichen dafür, dass „nicht Tod, Gewalt und Terror das letzte Wort haben, sondern die Hoffnung“, sagte der evangelische Dekan Thomas Schalla. „Wir Christen haben eine Verantwortung für unsere Nächsten.“ In der heutigen Zeit sei es wichtig, die Liebe Gottes weiterzugeben, etwa beim gemeinsamen Brotbrechen.

Die Abendmahlsfeier sei das „große Freundschaftsangebot Gottes an die Menschen“, sagte der katholische Dekan Markus Miles: „Das wollen wir auf die Straße bringen.“ Die Kirchen müssten auf die Straße zu den Menschen zu gehen. Das sei keine Anbiederung an den Zeitgeist.

„Wir müssen mehr von unserer Hoffnung sprechen“, findet auch die Ehrenamtliche Angela. Eine Passantin findet die Aktion toll. Endlich sei mal etwas los, freut sie sich: „Damit können wir Christen zeigen, dass wir viele sind.“