Beim Thema Essen verstehen die Italiener:innen keinen Spaß. Ist es doch in vielen Familien noch Tradition, an Feiertagen zusammenzukommen und gemeinsam zu kochen – vor allem aber gemeinsam an langen und reichgedeckten Tischen zu essen. Obwohl das Weihnachtsfest nur drei Monate zurückliegt, haben in einigen Familien die Vorbereitungen für das Osteressen begonnen.
Dabei hat jede Region in Italien ihren eigenen Teller, sowohl beim Hauptgang als auch bei den verschiedenen Desserts und Kuchen. Aber beginnen wir erst einmal mit den Gemeinsamkeiten. Der Ostersonntag beginnt mit dem Osterfrühstück. Für deutsche Ohren hört sich das zunächst nach nichts Besonderem an. Auf dem Tisch kommen Eier (natürlich, was sonst), aber auch Aufschnitt.
Nach ihrem Volontariat in der Pressestelle der Aktion Mensch arbeitete Alexandra Barone als freie Redakteurin für Radio- und Print-Medien und als Kreativautorin für die Unternehmensberatung Deloitte. Aus Rom berichtete sie als Auslandskorrespondentin für Associated Press und für verschiedene deutsche Radiosender. Seit Januar 2024 ist sie als Redakteurin vom Dienst für evangelisch.de tätig.
Womit wir auch gleich bei den regionalen Unterschieden sind: Soppressata, Salami, Capocollo, Rohschinken, Schweinelende, Pancetta und Porchetta: In Kampanien wird die gemischte Wurstplatte "Fellata" genannt und enthält auch Ricotta salata, eine besondere Ricotta-Sorte, die trocken ist und einen kräftigen Geschmack hat und in den südlichen Regionen verbreitet ist. Dazu wird Brot gereicht, das je nach Region variiert.
Osterbot, Cullur und Casatiello
Der Osterkuchen, auch Osterbrot genannt, fehlt auf keinem Tisch am Ostersonntag. Natürlich gilt auch hier, dass jede Region ein anderes Rezept hat. In Genua besteht der herzhafte Kuchen aus 33 Teigschichten –in Erinnerung an die Jahre Christi –, die mit einer Füllung aus Mangold oder Artischocken, ligurischer Prescinseua (einem frischen Quark mit säuerlichem Geschmack), Eiern und Majoran gefüllt werden.
In Kalabrien wird der Cullur zubereitet. Dieses Osterbrot wird während der Karwoche aus einfachen Zutaten in verschiedenen Formen zubereitet: beispielsweise als geflochtener Kranz, als Kringel, als Glocke, als Fisch oder als kleine Puppe. Auf jedes Cullur, der Name leitet sich wahrscheinlich vom griechischen Wort "kullura" ab, was "Krone" bedeutet, werden Eier gesetzt - immer in ungerader Anzahl als Glücksbringer.
Früher wurde es erst nach der Fastenzeit verzehrt und galt als Symbol für Überfluss, Fruchtbarkeit und Wohlstand. Der Tradition zufolge muss für jedes Familienmitglied ein Exemplar zubereitet werden: für die Kinder kleine Cullur mit nur einem Ei, für die Großeltern größere Kränze mit mindestens drei Eiern: Je mehr Eier hinzugefügt werden, desto größer ist die Ehre, die der Person zuteilwird, die den Cullur erhält.
In Neapel wird der Casatiello oder Tortano gereicht. Ein rustikaler Kuchen, gefüllt mit allem, was das Herz begehrt (hier finden Sie das leckere Rezept, falls Sie es selbst zubereiten möchten). Er wird traditionell am Abend des Karsamstags gegessen und bleibt dank des Schweineschmalzes im Teig mehrere Tage lang wunderbar weich. Jedes Stadtviertel – oder besser gesagt, jede Familie – hütet ihr eigenes Rezept wie einen Schatz.
Lamm als Hauptgericht
Das Hauptgericht des Oster-Mittagessen, das dann gegen 14 oder 15 Uhr stattfindet, ist in ganz Italien das Lamm, das je nach Region auf unterschiedliche Weise zubereitet wird: im Ofen mit Kartoffeln in Venetien und Kampanien, mit Rosmarin und Zwiebeln in Sizilien, mit Trüffeln in Umbrien, gebraten in Ligurien und der Emilia-Romagna, mit "Cacio e uova" (Käse und Eier) in Molise und den Abruzzen, mit Cardoncelli – einem wildwachsenden Gemüse – in der Basilikata.
Nicht zu vergessen der sardische Hackbraten und das "Abbacchio alla romana", das mit Wein, gesalzenen Sardellen, Rosmarin und Knoblauch gekocht wird. Sein Verzehr ist sowohl mit dem jüdischen Passahfest verbunden als auch mit dem christlichen Osterfest, bei dem es das Opfer Christi am Kreuz verkörpert. Die Region Piemont ist vielleicht die einzige italienische Region, in der der Hauptgang zu Ostern nicht Lammfleisch ist, sondern "Brasato al Barolo", ein Schmorbraten aus Rindfleisch.
Friedenstaube und Mandellamm
Aus Lecce kommt das süße Osterlamm, das aus einem Mandelteig hergestellt wird. Die Ursprünge dieser Süßspeise reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Im Kloster San Giovanni Evangelista in Lecce bereiten die Nonnen seit dem 18. Jahrhundert die beste Mandelpaste der Stadt zu. Man sagt, dass die Faldacchiera, die Füllung des Lammkuchens, eine Erfindung der Äbtissin des Klosters von Lecce, Anna Fumarola, war.
Früher wurde das Lamm dem Bischof, den Prälaten und allen einflussreichen Personen geschenkt und galt als "Dessert der Herren", das wohlhabenden Familien vorbehalten war, die es eigens für Bankette und Feierlichkeiten zubereiten ließen. Für die alteingesessene Konditorei Natale ist die Herstellung des Osterlamms Pflicht und Ehre zugleich.
Stolz präsentieren sie in diesem Video ihre Naschereien zu Ostern:
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In ganz Italien wird während der Osterzeit die Colomba, die Friedenstaube, gegessen. Es wird vermutet, dass die Colomba von einem gewissen Dino Villani (1898–1989) erfunden wurde, der in den 1930er Jahren als Werbefachmann für die Firma Motta arbeitete, die bereits für den Weihnachtskuchen Panettone bekannt war. Sie wird normalerweise an Verwandte, Freunde und Bekannte verschenkt. Die Kinder erhalten indes überdimensionale Ostereier, die oft mit kleinen Geschenken gefüllt sind.



