TV-Tipp: "Der Beschützer: Wissen, das tötet"

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21. März, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Der Beschützer: Wissen, das tötet"
Eduard Raabe entwickelt billigen Wasserstoff, doch die Mörder seines Bruders wollen die Formel. Bodyguard Jan Schäfer (Tobias Oertel) soll ihn schützen, doch Verräter lauern überall.

Bei der Mehrzahl jener Länder, die das meiste Erdöl exportieren, handelt es sich nicht gerade um lupenreine Demokratien. Diese Tatsache diente in der Vergangenheit schon öfter als Inspiration für Geschichten, in denen die Erfinder alternativer Antriebstechnologien um ihr Leben fürchten mussten. So ergeht es auch Eduard Raabe. Bislang kommt Wasserstoff als Ersatz für Benzin oder Diesel nicht in frage, weil die Produktion viel zu teuer ist. Der Wissenschaftler hat jedoch eine Methode entwickelt, wie sich Hydrogenium mit wenig Aufwand herstellen lässt; ein potenzielles Milliardengeschäft. Prompt schwebt der Mann in größter Gefahr. Sein Bruder Julian, Geschäftsführer des gemeinsamen Unternehmens, ist bereits vor seinen Augen ermordet worden, nun soll auch er dran glauben; es sei denn, er überlässt einem Killerkommando seine Forschungsergebnisse. Das BKA stellt Jan Schäfer ab, um Raabe und seine Familie zu beschützen.

"Wissen, das tötet" ist der zweite Film mit Tobias Oertel in dieser Rolle. Seinen ersten Auftritt hatte der Bodyguard bereits 2022. Der Hintergrund war damals deutlich komplizierter, es ging um ein Düngemittel, aus dem sich Giftgas herstellen lässt, und einen mit dem Export verbundenen Verstoß gegen das Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen. Schäfers Schutzbefohlene war die Geschäftsführerin einer großen Schweizer Reederei, die bereit war, als Kronzeugin vor dem Internationalen Seegerichtshof in Hamburg auszusagen, was wiederum finstere Mächte verhindern wollten.

Gemessen daran ist die Gemengelage im Drehbuch von Christian Kaps und Oke Stielow, der bereits an "Der Beschützer" beteiligt war, vergleichsweise überschaubar: Ammoniak wird im Katalysator in seine Bestandteile Stickstoff und Wasserstoff gespaltet, fertig. Zum Thriller wird die Geschichte, weil der nunmehr tote Julian das Konzept bereits veräußert und auch das Geld schon kassiert hat. Nun brauchen die Käufer jedoch noch die konkreten Daten, und natürlich gilt die Bedrohung nicht nur Eduard, sondern auch Frau und Sohn.

Wie im ersten Film ist Schäfer irgendwann auf sich allein gestellt, weil die Feinde auch in den eigenen Reihen lauern. Bei der Anwältin der Raabes ist das zumindest aus Publikumssicht keine große Überraschung: Früh ist klar, dass Lena Karic (Valerie Niehaus), die sich nach Julians Ermordung umgehend als dessen Nachfolgerin aufdrängt, auf der Lohnliste der Gegenseite steht. Deutlich verblüffender ist ein Geständnis von Schäfers Kollegin. Ilka (Paula Essam) wird als unerfahrene Innendienstmitarbeiterin eingeführt, nimmt es jedoch mit gleich zwei Eindringlingen auf und entpuppt sich schließlich als Verfassungsschutzagentin, die Eduard als Lockvogel missbraucht: Die Killer gehören zu einem russischen Netzwerk. Der Bodyguard lässt den Wissenschaftler natürlich nicht ins Verderben laufen, was zur fesselndsten Szene des Films führt, als sich die beiden Männer während des laufenden Betriebs nachts in eine Waschanlage retten.

Action mag nicht die Kernkompetenz von Regisseurin Ziska Riemann sein, zumindest hat sie bei ihren Reihenkrimis oder zuletzt in dem Psychodrama "Das dunkle Vermächtnis" (ARD 2026) deutlich mehr Wert auf zwischenmenschliche Momente gelegt, aber die Schlägereien und Schießereien sind auch dank der entsprechenden Bildgestaltung bestes TV-Handwerk (Kamera, wie zuletzt stets in Riemanns Filmen: Aljoscha Hennig). Emotional ansprechender sind allerdings die Gespräche, in denen Schäfer Risse in seiner harten Schale zulässt. Schon im ersten Film musste er sich öffnen, um das Vertrauen der Kronzeugin zu gewinnen.

Schlüsselszenen in dieser Hinsicht sind in "Wissen, das tötet" die Unterhaltungen mit Marian, dem von Philipp Günsch ausgezeichnet gespielten Teenager-Sohn der Raabes. Anfangs lässt der herzkranke Junge jeglichen Respekt vermissen, wie seine Mutter (Wanda Perdelwitz in einer ihrer letzten Rollen) beklagt. Das ändert sich, als Schäfer von der früheren Heroinsucht seiner immer noch labilen Schwester (Paula Conrad Hugenschmidt) berichtet.

Die beiden leben gemeinsam auf einem Obstbauernhof, der schließlich zum Schauplatz des Finales wird. Lohnenswert ist auch der Blick aufs Detail: Eduard Raabe, und das heimelige Heim der Raabes erfreut durch eine bunte Mischung moderner Kunst. Da Tobias Oertel den "Man in Black" kühl, korrekt und überwiegend unnahbar verkörpert, sind seine wenigen trockenen Humorismen umso wirkungsvoller. Bis zum nächsten Einsatz sollten nicht wieder vier Jahre vergehen.