Klöckner: Mangel an Frauen in Parlamenten demokratisches Problem

Klöckner: Mangel an Frauen in Parlamenten demokratisches Problem
Frauen sind in deutschen Parlamenten unterrepräsentiert. Für Bundestagspräsidentin Klöckner ist das nicht ein statistisches, sondern ein demokratisches Problem. Frauen fehlten damit nämlich auch an anderen wichtigen Verhandlungstischen.

Berlin (epd). Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hält die Unterrepräsentanz von Frauen in deutschen Parlamenten für problematisch. „Ich halte das für ein Problem - nicht für ein statistisches, sondern ein demokratisches“, sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd). Politische Macht verteile sich in Funktionen. „Und je weniger Sitze Frauen im Parlament haben, desto weniger sitzen sie auch an zentralen Verhandlungstischen, an denen über die politische Agenda, Ressourcen, Prioritäten und Personal entschieden wird“, sagte Klöckner.

Wo Frauen fehlten, fehlten ihre Sichtweisen, Lebenserfahrungen und Lösungsansätze. „Das ist nachteilig für alle“, unterstrich Klöckner. Zurückhaltend äußerte sich die Bundestagspräsidentin aber über rechtliche Regelungen für eine gleichberechtigte Verteilung der Mandate. „Auf Landesebene wurden Paritätsgesetze für verfassungswidrig erklärt. Das ist nicht banal“, sagte sie. In Brandenburg und Thüringen wurden Paritätsgesetze von den Landesverfassungsgerichten wieder kassiert.

Plädiert für bessere Vereinbarkeit von Politik und Familie

Klöckner betonte, der geringe Frauenanteil nicht nur in der Politik, sondern auch in den Führungsetagen der Wirtschaft, sei kein Abbild fehlender Fähigkeiten oder Qualifikation. „Denn über 50 Prozent der Studienabschlüsse gehen an Frauen - aber nur 29 Prozent der Führungspositionen“, sagte sie.

Klöckner plädierte für ein „Bündel an Maßnahmen“, um strukturellen Hürden zu begegnen. Wesentlich sei grundsätzlich sicher eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Denn Familienrealität endet weder an der Tür des Plenarsaals noch an der zur Chefetage in Unternehmen“, sagte sie.