Afrika ist kein Land
Starkes Plädoyer für eine neue, diverse Wahrnehmung des Kontinents Afrika.
Der Westen macht es sich im Blick auf Afrika leicht: Stereotype, Vorurteile und Vereinfachungen beherrschen die Berichterstattung über den und die Wahrnehmung des Kontinents. Dipo Faloyin wuchs in Lagos auf und lebt heute als Journalist in London. Er zeigt in seinem Buch, dass die Realität eine ganz andere ist: Durch willkürliche Grenzziehungen der Kolonialmächte gibt es bis heute schwerwiegende soziale und politische Folgen. Das Leben spielt sich sowohl ländlich als auch pulsierend urban ab. Mit 54 Ländern und über 2000 Sprachen gibt es große kulturelle und ethnische Diversität. Es gibt vielfältige Regierungsformen, von Demokratien bis Diktaturen. Die westliche "Hilfsindustrie" bringt wenig echte Hilfe auf den Kontinent. Der Klimawandel bedroht das Land immens. Faloyin verbindet Historie mit persönlichen Erfahrungen und zeichnet ein lebendiges, vielseitiges Bild Afrikas, das mit den gängigen Klischees aufräumt.
Lebendige, authentische Lektüre für alle, die ihre Sicht auf die afrikanischen Länder weiten wollen. Klug, oft humorvoll und dabei herausfordernd und hoffnungsvoll.
Stefanie Drüsedau
Faloyin, Dipo: Afrika ist kein Land. Dipo Faloyin. Dt. von Jessica Agoku. Berlin: Suhrkamp 2025. 398 S. ; 19 cm., aus d. Engl., ISBN 978-3-518-47466-2, kt.: 14,00 €
Fast alle Männer in Lagos sind verrückt
12 Kurzgeschichten über Beziehungen von Frauen und Männern in Nigeria.
Die Suche nach Liebe, Sex und Zughörigkeit, sich dabei aber Eigenständigkeit und Würde zu bewahren, vereint die zwölf Geschichten in diesem schillernden Buch. Ohne Tabus, dabei mit Witz und Überraschung erzählt Damilare Kuku über die Herausforderungen, denen sich Frauen in der patriarchalen Struktur der Gesellschaft stellen müssen. Wie kommt es, dass eine Frau ihren Mann zu entmannen droht? Oder eine andere einer sehr lukrativen, liebevollen Beziehung entsagt? Warum deckt die nächste die Seitensprünge ihres Mannes, des Pastors? Und weshalb sucht eine Frau auf der ganzen Welt nach einer Beziehung, um dann doch wieder heimzukehren? Lebendige Dialoge, überraschende Wendungen, das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne und ganz viel Mitgefühl für ihre Figuren zeichnen die Erzählungen aus, regen an über das Geschlechterverhältnis nachzudenken und zeichnen ein buntes Bild der nigerianischen Metropole Lagos.
Unterhaltsame, nigerianische Gegenwartsliteratur mit einem tiefen Blick hinter die Kulissen, für alle am Land und der Lebenssituation von Frauen interessierten Leser:innen.
Stefanie Drüsedau
Kuku, Damilare: Fast alle Männer in Lagos sind verrückt. Damilare Kuku. Dt. von Henriette Zeltner-Shane. Wuppertal: Peter Hammer 2025. 239 S. ; 21 cm., aus d. nigerian. Engl., ISBN 978-3-7795-0767-3, geb.: 25,00 €
Dream Count
Vier miteinander verwobene Frauenleben zwischen Nigeria und den Vereinigten Staaten.
Im Mittelpunkt des Romans steht Chiamaka, Tochter einer reichen Igbu-Familie, die als Reiseschriftstellerin unterwegs ist. Während der Corona-Pandemie hat sie die Muße, sich mit ihren vergangenen Liebschaften auseinanderzusetzen und sich zu fragen, wo ihre Träume geblieben sind. Ihre Freundin Zikora ist eine erfolgreiche Anwältin, die unerwartet Mutter wird und dadurch merkt, wie nahe sie ihrer entfremdeten Mutter eigentlich ist. Omelogor, Chias Cousine, lebt als Bankerin in Nigeria. Sie ist voller Idealismus aber auch innerer Konflikte und beschließt, ihr Leben zu verändern. Kadiatou schließlich ist Chias Haushälterin, die mit sozialer Ungleichheit und einer Vergewaltigung zu kämpfen hat. Ein entwürdigendes Gerichtsverfahren beginnt. Große Träume und Sehnsüchte bestimmen die Geschichten der vier Frauen. Von Identität, über Migration und Zughörigkeit bis zur weiblichen Selbstbestimmung reichen die Themen, die poetisch und beeindruckend erzählt werden.
Mit viel Empathie werden Alltag und gesellschaftliche Bedingungen in diesem bewegenden Gegenwartsroman verknüpft und zeichnen ein komplexes Bild nigerianischer Frauenleben.
Stefanie Drüsedau
Adichie, Chimamanda Ngozi: Dream Count. Roman. Chimamanda Ngozi Adichie. Dt. von Asal Dardan u. Jan Schönherr. Frankfurt am Main: S. Fischer 2025. 527 S. ; 22 cm., aus d. Engl., ISBN 978-3-10-397662-5, geb.: 28,00 €
Meine Schwester, die Serienmörderin
Weniger ein Thriller, vielmehr eine Studie über die Abgründe in der Beziehung zweier Schwestern gefangen in Lagos.
Als Korede abends von ihrer kleinen Schwester Ayoola angerufen wird, weiß sie sofort, was von ihr erwartet wird: Bleiche, Gummihandschuhe und Nerven aus Stahl. Das ist nun schon der 3. Freund, den Ayoola durch "Selbstverteidigung" umgebracht hat und das 3. Mal, das Korede beim Beseitigen der Leiche zum Einsatz kommt. Eigentlich sollte sie zur Polizei gehen, um die Männerwelt Nigerias zu schützen, aber Blut ist dicker als Wasser sagt man. Bis Ayoola Tade bezirzt, den Arzt des Krankenhauses, in dem Korede als Krankenschwester arbeitet und in welchen sie verliebt ist. Könnte sie Tade mit einem Messer im Rücken wegräumen? Aber um Tade zu retten, muss sie Ayoola opfern …
Ein clever geschriebener Roman über zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber zusammenhalten müssen. Schwarzer Humor durchzieht den Roman gepaart mit interessanten, satirischen Beobachtungen bspw. über soziale Medien, Männer und was sie begehren, und Frauen, die sie geradewegs durchschauen.
Schnell und witzig, cool und nebenbei feministisch wird dieser Roman in kurzen Kapiteln Leser ab 16 Jahren begeistern.
Anne Tebben
Braithwaite, Oyinkan: Meine Schwester, die Serienmörderin. Roman. Oyinkan Braithwaite. Dt. von Yasemin Dinçer. Berlin: Blumenbar 2020. 239 S. ; 21 cm.
aus d. Engl., ISBN 978-3-351-05074-0, geb.: 20,00 €
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