Stuttgart (epd). Das Ende des katholischen Reformdialogs Synodaler Weg soll zugleich ein Aufbruch für mehr demokratische Mitbestimmung in der Kirche sein. „Wir haben es geschafft“, sagte die Präsidentin des Synodalen Weges, Irme Stetter-Karp, am Samstag in Stuttgart zum Abschluss des mehrjährigen Reformprozesses. Die sechste und letzte Synodalversammlung markiere den Übergang zur geplanten Synodalkonferenz, in der bald Bischöfe und Laien dauerhaft gemeinsam beraten sollen, sagte die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).
Seit Donnerstag hatten die rund 180 Delegierten der Synodalversammlung kritisch auf die bisherigen Ergebnisse des Reformdialogs geblickt, der 2019 zur Überwindung des Vertrauensverlusts und der Missbrauchskrise zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zdk als Laienorganisation vereinbart worden war. Zwischen 2020 und 2023 wurden 15 Reformtexte verabschiedet, darunter 10 konkrete Vorschläge für mehr Gewaltenteilung und Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche. Ein Monitoring-Bericht zeigt allerdings, dass kein Bistum schon alle Beschlüsse umgesetzt hat. Dies rief Unmut unter den nicht-bischöflichen Delegierten hervor.
„Synodalität hebelt Verantwortung der Bischöfe nicht aus“
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, der ebenfalls Präsident des Synodalen Weges ist, sprach von einer „Staffelübergabe“. Er betonte: „Synodalität hebelt die Verantwortung der Bischöfe nicht aus, sondern stützt sie.“ Es gehe auch nicht um eine „innerkirchliche Nabelschau“, betonte der Limburger Bischof. Vielmehr müsse die Kirche auf die kritischen Fragen der Gegenwart Antworten suchen.
Stetter-Karp sagte, Menschenwürde und Demokratie seien derzeit in Gefahr. „Solidarische Gesellschaften sind nicht nur bei uns, leider auch weltweit unter Druck von Autokraten und Anti-Demokraten.“ Dagegen müssten Christinnen und Christen aufstehen. Sie hoffe, dass die künftige Synodalkonferenz bei den entscheidenden Themen mit einer Stimme spreche, fügte sie hinzu.
„Katholische Kirche steht für Zusammenhalt in der Gesellschaft“
Der Fuldaer Bischof Michael Gerber sagte, von der Stuttgarter Versammlung gehe „ein Signal der Hoffnung“ aus. Denn ähnlich wie in der Gesellschaft auch seien in den vergangenen Jahren zwar Spannungen und Unterschiede in den Positionen deutlich geworden, doch am Ende halte man in den wichtigen Punkten zusammen. Die katholische Kirche stehe für die Würde des Menschen und den Zusammenhalt in der Gesellschaft, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz. Mit Blick auf die teils spannungsgeladenen Debatten fügte er hinzu: „Keine Angst vor holprigen Wegen.“ Diese seien manchmal wichtig - etwa für den Heilungsprozess der Kirche.
Bätzing sagte, stolz könne man sein, wenn es gelinge, die biblische Botschaft wieder an Menschen heranzubringen. „Dem dient alles, was wir tun.“ Es gehe darum, Blockaden und Hürden zu beseitigen, die das verhinderten.
Zuvor hatte die Synodalversammlung eine Abschlusserklärung verabschiedet, mit der sie auf das noch neu zu konstituierende synodale Gremium hinwies. Die Synodalkonferenz soll laut Erklärung dauerhaft die systemischen Ursachen des Machtmissbrauchs bekämpfen sowie Partizipation, Transparenz und Rechenschaft sichern.
Sie soll Ende des Jahres erstmals tagen. Die Bischöfe müssen der Satzung allerdings im Februar noch zustimmen, dafür ist nach Auskunft Bätzings eine Zwei-Drittel-Mehrheit der derzeit 59 Mitglieder der Bischofskonferenz nötig. Zudem muss auch der Vatikan die Satzung noch billigen. Vorher werde man auch nicht anfangen, sagte Bätzing.


