Laut wie U-Bahnen und doch zart: das Akkordeon

Instrument des Jahres
Laut wie U-Bahnen und doch zart: das Akkordeon
Als Soloinstrument melancholisch schwelgend oder ein ganzes Orchester imitierend: das Akkordeon ist Instrument des Jahres. Fast 11.000 Musikschüler:innen lernen Akkordeon.

Das Akkordeon als Instrument des Jahres 2026 wird bundesweit in den kommenden Monaten mit zahlreichen Veranstaltungen gewürdigt. In Berlin sind dazu unter anderem Konzerte, Workshops und eine Ausstellung geplant, wie die Präsidentin des Landesmusikrates Berlin, Hella Dunger-Löper, am Donnerstag zur Präsentation des Instruments im Musikinstrumenten-Museum sagte. Unter anderem soll es auch Auftritte in mehreren Berliner Einkaufszentren geben.

Bundesweit lernen laut Landesmusikrat derzeit 10.816 Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Musikschulen Akkordeon. Seit 2008 wird jedes Jahr von den Landesmusikräten in Deutschland ein Instrument gekürt, um im Rahmen von besonderen Aktionen dessen Bedeutung herauszustellen und Interesse dafür zu wecken.

Luft, Druck und Bewegung

Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) betonte, das Akkordeon lebe von Luft, Druck und Bewegung: "Es kann rau und laut sein wie eine U-Bahn-Station und zugleich zart und melancholisch wie ein Sommerabend am Landwehrkanal", sagte sie vor einer Unterrichtseinheit vor Publikum an dem für sie unbekannten Instrument.

Claudia Buder, die als Akkordeon-Professorin an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar im Musikinstrumenten-Museum der Kultursenatorin erste Tipps gab, zeigte sich besonders von der Vielseitigkeit des Akkordeons begeistert. Das Instrument "atmet, flüstert und rauscht: Diesem Allrounder gelingt es, Verbindungen zu schaffen zwischen unterschiedlichen Kulturen, Stilen und musikalischen Welten".

Selbstwirksamkeit und gemeinschaftliches Erlebens

Die Berliner Musikrats-Präsidentin Dunger-Löper betonte, Musik eröffne Menschen Möglichkeiten der Selbstwirksamkeit und des gemeinschaftlichen Erlebens. Zum Auftakt gibt es den Angaben zufolge am Samstag in Berlin ein Neujahrskonzert mit dem Akkordeonorchester Euphonia im Konzertsaal der Universität der Künste. Am 14. März treten das Landes-Akkordeon-Orchester Berlin und das Bundes-Akkordeon-Orchester in der Philharmonie auf. Ab März startet zudem die Konzertreihe "Einmal um die Welt und zurück". Geplant sind sechs Konzerte samt Lesungen zur internationalen Akkordeongeschichte. Im Laufe des restlichen Jahres stehen noch mehr Events an.

Tragbares Orchester

Das Akkordeon wird auch als "tragbares Orchester" bezeichnet. Das Instrument hat seit seiner Erfindung Anfang des 19. Jahrhunderts den Klang ganzer Kulturen geprägt, ob im argentinischen Tango, der französischen Musette, in der osteuropäischen Spätmoderne oder im gälischen Liedgut.

Das Akkordeon ist ein sogenanntes Handzuginstrument, bei dem der Ton beim Öffnen oder Schließen eines Balges durch freischwingende, durchschlagende Zungen erzeugt wird. Dabei können Einzeltöne und Akkorde erzeugt werden. 1829 hatte sich der Wiener Instrumentenbauer Cyrill Demian sein "Accordion" patentieren lassen.