Christoph Wagner (Name geändert) ist Informatiker und hat ein Faible für Technik: Er ist täglich mit Daten, Computern und Programmen befasst.
Längst gehört auch die Künstliche Intelligenz, kurz KI, zu seiner Arbeitswelt. Der 59-Jährige aus Leverkusen nutzt KI aber auch privat, nicht nur, um Wissen zu generieren, sondern auch als Hilfe bei privaten Problemen.
Als seine letzte Fernbeziehung kriselte, hat er in schlaflosen Nächten ChatGPT befragt: "Die KI war einfach immer da", sagt er. Sie habe seine widersprüchlichen Gefühle gespiegelt: "Die KI war mein stiller Reflexionspartner."
Und als er nach der Trennung wieder Single wurde, nutzte er auch bei der Partnersuche KI: ChatGPT analysierte Nachrichten von potenziellen Partnerinnen, beurteilte die Gesichtsausdrücke bei Selfies nach einem Date, "diskutierte" mit ihm, wie Treffen gelaufen sind. "Sie fragt nach, lässt mich Argumente zu Ende denken, hilft mir, meine Motive ehrlich zu betrachten", so beschreibt der IT-Spezialist seinen Austausch mit der Künstlichen Intelligenz. Bei Nachrichten und eigenen Texten lässt er sich gerne mal von der KI beraten, stimmt Sätze und Formulierungen ab - um alles bei der Partnersuche richtig zu machen.
Paarberater ist skeptisch
Paarberater sind mit dem Einsatz von KI bei Beziehungsproblemen und der Partnersuche bisher offenbar nur selten konfrontiert. "Ich habe damit keine Erfahrung", sagt Singlecoach Peter Ecker aus dem bayerischen Erding. Er arbeite nicht mit KI und höre das auch nicht von seinen Klienten. Er stehe diesem eher skeptisch gegenüber und fühle sich an Geschichten etwa von Cyrano de Bergerac erinnert, in denen ein guter Freund oder Bekannter Gedichte und Liebesbriefe für jemand anderen schreibe, der verliebt sei.
Auch Paarberater, Singlecoach und Podcaster ("Die Sache mit der Liebe") Christian Thiel hat keine Erfahrungswerte, wie sinnvoll diese Unterstützung sein kann. "Es ist dann auch die Frage, auf welche Erkenntnisse die KI zurückgreift", merkt er kritisch an. Es bestehe zumindest die Gefahr, dass etwa bei der Erstellung von Profilen auf Datingportalen auf Stereotype zurückgegriffen werde - und das könne schnell negativ auffallen. Thiel hat allerdings von Überlegungen bei anderen Coaches gehört, die Chatbots mit Kenntnissen aus der Paarberatung programmieren wollen, um erste Hilfestellungen leisten zu können.
In einer US-amerikanischen Studie, die im Oktober 2025 veröffentlicht wurde, wird davor gewarnt, Chatbots als persönliche Lebensberater zu nutzen: Künstliche Intelligenz neige dazu, den Nutzerinnen und Nutzern zu schmeicheln und im Zweifel rechtzugeben. Sie bestärkten die Fragenden oft darin, dass ihr Verhalten richtig gewesen sei und sie nichts falsch gemacht hätten, heißt es in der Untersuchung aus Stanford und der Carnegie Mellon University.
Menschliche Intuition in Beziehungsfragen überlegen
Anfragen bei ChatGPT oder Copilot nach Hilfe bei der Partnersuche werden meist umfassend beantwortet: Sie bieten an, bei der Profilgestaltung, dem Gesprächseinstieg, der Kennenlern-Strategie und der Selbstreflexion zu helfen. Der Hinweis, dass die Formulierungen der KI doch sehr künstlich wirken, wird prompt beantwortet: Die KI räumt ein, dass die menschliche Note fehlt. Vorschlag der KI selbst: "Lass Dir Vorschläge machen, aber passe sie an Deinen Stil an."
Bei der Partnerbörse Elitepartner ist man nicht überzeugt, was den Einsatz von KI angeht. Zwar könne es beim Ausfüllen des Profils hilfreich sein, sich Anregungen und Ideen von KI zu holen, betont die Psychologin und Forschungsleiterin Lisa Fischbach. Aber Vorsicht sei geboten: "In unserer repräsentativen Umfrage mit mehr als 2.000 Singles im Alter zwischen 18 und 69 Jahren gaben zwei Drittel der Befragten, 67,5 Prozent, an, es sei für sie ein Ausschlusskriterium, wenn jemand Nachrichten verschickt, die mit künstlicher Intelligenz verfasst sind."
KI kann nach Ansicht von Fischbach Muster erkennen, aber emotionale Nuancen wie Ironie, Humor und spezieller Kontext werden oft missinterpretiert. "Wir sollten daher nicht verlernen, uns auf unser Gefühl zu verlassen und KI höchstens für eine Zweitmeinung hinzuzuziehen", sagt die Psychologin.
Singles wünschten sich bei der Partnersuche Authentizität und echte Gefühle. "Freunde sind dann gute Liebesberater, denn sie kennen einen viel besser als jede KI und wissen über Interessen, Werte und Vorlieben Bescheid", betont Fischbach. Die menschliche Intuition sei in Beziehungsfragen meist überlegen.
IT-Fachmann Christoph Wagner nimmt für sich durchaus in Anspruch, die Antworten eines KI-Chatbots kritisch zu bewerten. "Natürlich ist die KI auch fehlbar", stellt er klar. "Sie hat auch bei mir manchmal Zusammenhänge verwechselt und falsche Schlüsse gezogen". Inzwischen ist er auch nicht mehr Single: Er hat sich mit seiner Ex-Freundin versöhnt, ganz ohne KI.


