Um 30 Prozent, sagt Stephan Küpper vom Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hat das Rote Kreuz seine Zuweisungen von Blutpräparaten an die Kliniken aktuell gekürzt. Derzeit komme einfach zu wenig Spenderblut nach, erklärt er. Bei einem Anteil von knapp 80 Prozent, die das DRK an der Versorgung mit Spenderblut der Krankenhäuser hat, bedeutet das eine gravierende Knappheit, zumal diese Blutpräparate zum Teil nur wenige Tage haltbar sind.
Einzelne Berichte, wonach Kliniken bereits planbare Operationen verschieben, bestätigt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, aber nicht. Auch die Notfallversorgung sei nicht eingeschränkt. Aber: "Die Blutspendedienste, die auch die Krankenhäuser mit Blutkonserven versorgen, registrieren derzeit eine angespannte Lage."
Knappheit an Spenderblut kommt häufiger vor. Das ist auch jahreszeitlich bedingt. Im Sommer während der Urlaubszeit sind viele verreist, auch viele regelmäßige Blutspenderinnen und -spender. Auch um den Jahreswechsel herum lässt die Spendentätigkeit oft nach, denn auch über die Feiertage sind viele nicht zu Hause und gehen dementsprechend nicht zum Blutspenden. Im abgelaufenen Jahr seien die Feiertage am Jahresende besonders ungünstig gelegen, erklärt Küpper, ungünstig jedenfalls für die Blutspendedienste.
"Je arbeitnehmerfreundlicher die Feiertage, desto schwieriger für uns", beschreibt er. Im vergangenen Jahr schloss sich an die Weihnachtsfeiertage direkt das Wochenende an, ideal also zum Verreisen. "Meist ist es nicht nur ein Umstand, der zu Versorgungsengpässen führt", erklärt Küpper. Aktuell sei die Witterung als Faktor hinzugekommen: "Schnee- und Eisglätte haben dazu geführt, dass mehr als die Hälfte der Blutspendetermine nicht durchführbar war."
Krankheiten bremsen Spenden aus
Das kalte Wetter bringt noch ein weiteres Problem mit sich: Krankheiten, vor allem jene der Atemwege. Laut Informationen des Robert Koch Instituts (RKI) stiegen ab der 48. Kalenderwoche 2025 die Influenza-Fallzahlen stark an. Die Grippewelle fällt demnach in diesem Jahr recht stark aus. Wer erkrankt ist, dürfe nicht Blut spenden, sagt DRK-Experte Küpper. Und das wirke lange nach.
Auch wenn eine Erkrankung abgeklungen sei, sei die betreffende Person für 14 Tage zum Spenden nicht geeignet. Hat er oder sie sogar Antibiotika einnehmen müssen, verlängert sich die Sperre auf vier Wochen. "Wenn also das RKI sagt, dass sich die Influenzawelle ihrem Ende zuneigt, sind wir noch lange nicht aus dem Schneider", erläutert Küpper. Und das Problem bestehe ja nicht nur aus der Grippe allein, jede Erkältung führe auch zu einer zeitlich befristeten Sperre. "Und Corona spielt derzeit auch eine große Rolle", sagt der Experte.
Mehr Blutspende-Routine gewünscht
Häufig sei es nach Aufrufen zum Blutspenden allerdings so, dass sich viele Menschen meldeten, sagt Küpper. Das führe dann mitunter dazu, dass das DRK sich mit dem Abarbeiten schwertue. "Wir bräuchten mehr Menschen, die eine Blutspende-Routine haben" - die also ein- oder mehrmals im Jahr zum Spenden kommen.
Das komme auch Spenderinnen und Spendern zugute, wirbt Küpper: "Jede Spende ist ja auch ein kleiner Gesundheitscheck." Denn dabei würden Vitalwerte gemessen und das Blut untersucht. Einen Arztbesuch ersetze das aber natürlich nicht. Wer Blut spenden will, sollte einen Personalausweis mitbringen.


