Papst Leo fordert Rückkehr zum Dialog

Papst Leo fordert Rückkehr zum Dialog
Papst Leo XIV. hat am Freitag seine erste Neujahrsansprache vor dem Diplomatischen Corps im Vatikan gehalten. Darin warnte er vor einer sich ausbreitenden kriegerischen Stimmung und betonte die Bedeutung des Völkerrechts.

Rom (epd). Papst Leo XIV. hat die internationale Gemeinschaft zur Rückkehr zum Dialog aufgefordert. „In unserer Zeit gibt insbesondere die Schwäche des Multilateralismus auf internationaler Ebene Anlass zur Sorge“, sagte der Papst am Freitag in Rom beim jährlichen Neujahrsempfang des Diplomatischen Corps im Vatikan.

Eine Diplomatie, die Dialog fördert und den Konsens aller sucht, werde durch eine Diplomatie der Stärke, „durch einzelne Staaten oder Gruppen von Verbündeten ersetzt“, sagte Leo und schlussfolgerte: „Krieg ist wieder in Mode gekommen, und eine kriegerische Stimmung breitet sich aus.“

Der Papst rief dazu auf, das Völkerrecht zu achten. „Das humanitäre Völkerrecht garantiert nicht bloß ein Mindestmaß an Menschlichkeit inmitten der Plagen des Krieges, sondern ist auch eine Verpflichtung, die die Staaten eingegangen sind“, erinnerte er die Diplomaten.

Bedeutung der Worte wiederentdecken

In seiner ersten Neujahrsansprache vor den am Heiligen Stuhl akkreditierten Botschaftern kritisierte der Papst, dass Worte kaum mehr zählten: „Die Bedeutung der Worte wiederzuentdecken, ist möglicherweise eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit.“

Leo ging auf gesellschaftliche Entwicklungen der Sprache ein. Es sei bedauerlich festzustellen, „dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird, während sich eine neue Sprache mit orwellschem Beigeschmack entwickelt“. Deren Bestreben, inklusiver zu sein, münde darin, diejenigen auszuschließen, „die sich nicht den Ideologien anpassen, von denen sie beseelt ist.“

In seiner Ansprache thematisierte Papst Leo auch die Einschränkung der Religionsfreiheit und besonders die Lage der Christen weltweit. Deren Verfolgung sei nach wie vor „eine der größten menschenrechtlichen Krisen unserer Zeit“. Weltweit seien mehr als 380 Millionen Christen aufgrund ihres Glaubens Diskriminierung, Gewalt und Unterdrückung ausgesetzt.