Es ist spätabends, nur das Mondlicht erhellt den Pfad entlang des langsam vor sich hinfließenden Flusses. Hier, an der Lauter auf der Schwäbischen Alb, ist die Biologin Elke Wunsch mit einer Gruppe von Kindern auf Fledermaustour. In der Hand hält sie einen "Fledermausdetektor": Das Gerät wandelt die für Menschen unhörbaren Ultraschallrufe der Tiere in hörbare Frequenzen um.
So kann man die nachtaktiven Tiere aufspüren und hören, wie sie sich per Echoortung orientieren und kommunizieren. Denn auch wenn für Fledermäuse ihr Sehsinn wichtig ist, benutzen sie beim Fliegen ihre Technik: Rufen und das zurückkommende Echo hören. Sie "sehen" mit den Ohren, erfahren die Kinder.
Ein schnelles "Tack-Tack-Tack" ist zu hören, Elke Wunsch lässt ihre Taschenlampe aufflammen. Man sieht, wie zwei kleine Wasserfledermäuse etwa zwei Handbreit über dem Fluss in rasantem Tempo hin- und herflitzen. Eine weitere fliegt über die Köpfe der acht Kinder hinweg, ihr "Tack-Tack", wird erst lauter und verschwindet dann wieder.
"Da! Da!", die Kinder zeigen aufgeregt auf die Fledermäuse. "Alter, wie schön!", ruft ein zehnjähriger Junge mit blonden Haaren begeistert. Nach der Tour stellt Elke Wunsch auf einer Wiese einen "Leuchtturm" auf - eine Lampe, die unter einen gardinenartigen Baldachin gestellt wird und mit ihrem Licht Insekten anzieht. Mit Lupen beobachten die Kinder die Tiere, die auf dem Baldachin landen und die Nahrung der Fledermäuse sind.
Mit den Ohren sehen und den Händen fliegen
Die jungen Entdecker erfahren, dass Fledermäuse zusammen mit den Flughunden die einzigen Säugetiere sind, die aktiv fliegen können. Ihre verlängerten Fingerknochen und die dazwischen gespannte Flughaut bilden ihre Flügel - sie fliegen sozusagen mit den Händen. Und dass fast alle einheimischen Fledermäuse ausschließlich Insektenfresser sind, die viel Energie zum Fliegen brauchen. Darum müssen sie durchschnittlich ein Drittel ihres Körpergewichtes in einer Nacht an Insekten erjagen.
Und genau das ist das Problem: Durch den zunehmenden Insektenmangel, der etwa durch menschliche Eingriffe in deren natürliche Lebensräume und den Einsatz von Insektiziden entsteht, gibt es weniger Nahrung für die nachtaktiven Tiere. Gemeinsam mit anderen Fledermaus-Kennern ist Elke Wunsch auch bei der "Batnight" aktiv: Die internationale Fledermausnacht findet in 38 Ländern immer am letzten Augustwochenende statt, diesmal am 30./31. August. In Deutschland wird sie vom Nabu organisiert.
Faszinierend und gefährdet
Bei Aktionen wie Fledermausführungen können Interessierte die nachtaktiven Insektenjäger und ihren Lebensraum besser kennenlernen. Viele machen dann wohl die gleiche Erfahrung wie die Kindergruppe am Fluss Lauter: Die fliegenden Felltiere sind nicht gruselig, sondern faszinierend - und gefährdet. Auch Ingrid Kaipf, Vorsitzende der AG Fledermausschutz Baden-Württemberg, ist in diesem Sommer auf der Schwäbischen Alb im Albgut Münsingen mit einer Gruppe Erwachsener auf Fledermaustour.
Mit dabei: "Max" eine Breitflügelfledermaus, die schon 17 Jahre alt ist, nicht richtig fliegen kann und deshalb in einer großen Voliere bei Kaipf in Tübingen lebt. Die Expertin koordiniert im Südwesten die Pflege von Fledermäusen, die gefunden werden - etwa Jungtiere von Zwergfledermäusen, die ihre Mutter verloren haben.
Mit einer Rotlicht-Taschenlampe, die keine UV-Strahlen ausstrahlt und deshalb die Tiere nicht stört, leuchtet Ingrid Kaipf vorsichtig hinter einen Holzfensterladen an einem historischen Gebäude. Mehrere Bartfledermäuse hängen dort kopfüber an das Mauerwerk gekrallt, eine von ihnen fliegt davon. "Bartfledermäuse wohnen gerne hinter Fensterläden", erklärt Kaipf.
In Deutschland gibt es 25 Fledermausarten. Alle sind streng geschützt, manche von ihnen sind sogar stark bedroht wie das Graue Langohr mit seinen fast körperlangen Ohren und dem grauen Rückenfell. Das liegt neben dem Rückgang des Nahrungsangebots auch daran, dass traditionelle Fledermaus-Quartiere wie alte Dachböden zunehmend verschwinden, wie Ingrid Kaipf sagt.
Kirchen sind in der Verantwortung für Tiere
"Das Graue Langohr ist eine typische Kirchenfledermaus, weil Kirchen Dachstühle haben, die weder isoliert noch ausgebaut sind, dafür aber riesengroß, sodass die Jungtiere dort ihre Flugübungen machen können." Deswegen sieht Kaipf die Kirchen auch in einer gewissen Verantwortung für die Tiere. Beispielsweise müsse bei Vergitterungen an Fenstern darauf geachtet werden, dass das Gitter zwar Tauben und Dohlen fernhalte, aber Fledermäuse durch kleine Öffnungen immer noch die Möglichkeit hätten, auf den Dachboden zu kommen.
Auch Biologin Elke Wunsch rät Kirchen und Hauseigentümern, sich bei Renovierungen und Umbauten an Experten zu wenden, um zu schauen, wie man den Fledermäusen gerecht werden kann: "Wo ein Wille ist, kann man immer Lösungen für beide Seiten finden."