Altersforscher: Senioren wollen auch nach 67 noch arbeiten

Altersforscher: Senioren wollen auch nach 67 noch arbeiten
Der Altersforscher Dieter Otten fordert angesichts des demografischen Wandels in Deutschland ein neues Rentenmodell. "Jeder sollte aufhören dürfen zu arbeiten, wann er möchte, und nicht mit 65 oder 67 zwangsweise in die Rente geschickt werden", sagte der Autor mehrerer Altersstudien am Samstag am Rande einer Tagung in Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Rente sei in Zukunft nur dann zu finanzieren, wenn nicht nur Berufstätige, sondern alle Bürger Beiträge zahlten. Er schlage vor, dazu die Mehrwertsteuer um zwei Prozent zu erhöhen, sagte der emeritierte Hochschulprofessor. Die meisten Menschen wollten heute auch jenseits des Renteneintrittsalters berufstätig sein. Das gelte selbst für die, die körperlich hart arbeiten müssten, wie etwa Dachdecker. Otten zufolge täuschen sich die Berufsorganisationen und Gewerkschaften, wenn sie etwas anderes behaupten.

Die Menschen wollten entweder in ihrem Beruf weiter arbeiten oder, wie etwa Lehrer, noch einmal etwas Neues ausprobieren, unterstrich der Sozialwissenschaftler: "Auf jeden Fall wollen sie sich nicht mit einem karitativen Ehrenamt abspeisen lassen. Der Schiffskapitän oder der Baggerfahrer wollen nicht plötzlich mit kleinen Kindern lesen üben."

Das jetzige Ehrenamt ist "überholt"

Das Ehrenamt sei in seiner jetzigen Form überholt. 90 Prozent der von ihm befragten jungen Alten zwischen 50 und 75 wollten kein Ehrenamt mehr übernehmen. Damit verbänden die meisten Kinderbetreuung und Altenbesuche. Die Kirchen stellten dafür "ärmlichste Infrastrukturen" zur Verfügung, mit denen sich niemand mehr zufrieden gebe, kritisierte Otten.

Die Politik müsse neue Formen der Berufstätigkeit jenseits der Erwerbstätigkeit schaffen. Rentner könnten zum Beispiel als sogenannte "Volunteers" einen Stadtteil ökologisch umgestalten oder ein Moor rekultivieren. "Das machen die auch unentgeltlich. Da braucht es aber eine ordentliche Ausstattung mit entsprechenden Maschinen und vielleicht auch einem guten Catering", sagte Otten.

Alt wird man 20 Jahre später

Die jungen Alten unter 75 Jahren seien geprägt durch die Studentenrevolten und die Frauen-Emanzipation. Sie seien zudem gesünder, fitter, sexuell aktiver und wohlhabender als ihre Vorgänger-Generation: "Die halten sich nicht nur für jung, sie sind auch nicht alt." Das Altwerden habe sich um zwei Jahrzehnte nach hinten verschoben.

Wenn diese Generation irgendwann pflegebedürftig werde, lasse sie sich nicht ins Pflegeheim abschieben. Otten forderte deshalb neue städtebauliche Konzepte. In Trier entstehe derzeit ein neuer Stadtteil mit Studentenwohnheimen und Altenwohnungen: "Die Alten zahlen den Studenten Miete und sogar Studiengebühren. Dafür müssen die Studenten kleinere Pflegedienste übernehmen."

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