Papst: "Die Waffen mögen anhalten, bitte!"

© epd-bild / Christian Ditsch
Krieg in Nahost
Papst: "Die Waffen mögen anhalten, bitte!"
Die Angriffe radikalislamischer Terroristen auf Israel haben Entsetzen hervorgerufen und eine Welle der Solidarität ausgelöst. Jüdische Einrichtungen in Deutschland werden intensiver bewacht. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die Krisenregion.

Politik, Kirchen und Zivilgesellschaft haben sich nach Beginn der massiven militärischen Angriffe auf Israel am Wochenende an die Seite des attackierten Landes gestellt. Papst Franziskus etwa zeigte sich am Sonntag auf X, vormals Twitter, "tief betrübt" von der militärischen Eskalation des Nahost-Konflikts mit zahlreichen Toten und Verletzten. Er rief zu Frieden auf: "Die Angriffe und Waffen mögen anhalten, bitte! Und alle mögen einsehen, dass Terrorismus und Krieg zu keiner Lösung führen."

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verurteilte die Gewalt der Hamas, die Zivilisten ermordeten oder als Geiseln in den Gazastreifen entführten: "Diese Taten sind barbarisch; sie sind empörend, und sie sind durch nichts, aber auch gar nichts zu rechtfertigen", sagte Scholz am Sonntag in einem kurzfristig anberaumten Statement. Er habe am Mittag mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu telefoniert und ihm versichert, dass Deutschland "fest und unverbrüchlich an der Seite Israels steht".

Auch der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Friedrich Kramer, verurteilte die Angriffe auf Israel scharf. Der mitteldeutsche Landesbischof teilte dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit: "Mit Terror kann es keinen Frieden geben."

In Berlin wurde das Brandenburger Tor in den Farben der israelischen Flagge angestrahlt. In mehreren Städten bundesweit fanden Solidaritätskundgebungen statt oder wurden für den Wochenbeginn angekündigt. Die Vorsitzenden der Parteien CDU, CSU, FDP, Grüne und SPD veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung: "Wir, die wir im demokratischen Wettbewerb miteinander stehen, sind heute geeint in unserer Solidarität mit dem israelischen Volk und dem Staat Israel."

Der Zentralrat der Juden in Deutschland zeigt sich tief betroffen angesichts der massiven Angriffe auf Israel. Zentralratspräsident Josef Schuster sagte am Sonntag: "Der Terrorkrieg der Hamas und der libanesischen Hisbollah gegen Israel ist an Grausamkeit kaum zu überbieten." Er sah außerdem eine Gefahr für jüdische Einrichtungen auch in Deutschland, die zeige, "dass es den Terroristen nicht allein um Israel geht, sondern dass jüdisches Leben überall von ihnen infrage gestellt wird".

Schuster würdigte aber "die große Solidarität in Deutschland, das schnelle Handeln der Sicherheitsbehörden zum Schutz jüdischer Einrichtungen" als "wichtiges Zeichen in dieser kritischen Zeit für Israel und alle Juden".
Der Präsident des Zentralrates verwies auf die gegenwärtigen jüdischen Feiertage Schmini Azeret und Simchat Tora, an denen die Hamas ihre Angriffe gestartet habe. Für Jüdinnen und Juden bedeute das "ein ständiger Kampf mit ihren Gefühlen". Die Unterstützung aus allen Teilen der Gesellschaft helfe aber "dabei, diese Zeit zu überstehen".

Kühnbaum-Schmidt: "Ich klage Gott das große Leid"

Tief erschüttert und entsetzt hat sich die Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), Kristina Kühnbaum-Schmidt, zu den brutalen Angriffen der Hamas auf Israel gezeigt. "Besonders denke ich in heute an die Menschen in Israel, die sich gegen einen brutalen  und terroristischen Angriff der Hamas auf den Staat Israel und seine Bürgerinnen und Bürger verteidigen und die um Angehörige und Freunde trauern", so die Landesbischöfin heute im Schleswiger Dom. "Ich klage Gott das große Leid in Israel, den Schmerz und die Tränen der Menschen dort und bitte ihn um seinen Beistand", erklärte Kristina Kühnbaum-Schmidt. "Gott helfe uns, dass unsere große Sorge um und unsere innigen Gebete für den Frieden in der Welt uns leiten, dazu die richtigen Schritte zu finden und zu gehen."

Auch das Auswärtige Amt reagierte auf die militärische Auseinandersetzung im Nahen Osten: Es riet von Reisen nach Israel und in die Palästinensergebiete dringend ab. "Seit dem Morgen des 7. Oktober kommt es zu gravierenden militärischen Auseinandersetzungen im Gebiet um den Gaza-Streifen mit Beschuss durch Raketen bis nach Tel Aviv und Angriffen auf die lokale Bevölkerung", hieß es zur Begründung.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, warnte vor Attacken auf jüdische Einrichtungen in Deutschland. "Aus der jüngeren Vergangenheit wissen wir: Wenn Israel von der antisemitischen Terrororganisation Hamas angegriffen wird, steigt auch die Gefahr für Jüdinnen und Juden in Deutschland", sagte er dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Sonntag). "Ich begrüße daher, dass die Sicherheitsbehörden den Schutz jüdischer Institutionen bundesweit ab sofort verstärken."

Klein fügte hinzu: "Israelbezogener Antisemitismus ist keine graue Theorie, sondern eine reale Gefahr für Jüdinnen und Juden in Deutschland." In Berlin seien am Samstag bereits Süßigkeiten von Hamas-Sympathisanten auf der Straße verteilt worden, die damit ihren vermeintlichen Erfolg hätten feiern wollen. Der Antisemitismusbeauftragte betonte: "Eine solch widerwärtige Verherrlichung von Gewalt gegen Jüdinnen und Juden dürfen wir als Gesellschaft nicht hinnehmen."

Kurschus: "Unsere Gebete sind bei den Menschen in Israel"

"Ich verurteile die furchtbaren terroristischen Angriffe zutiefst", teilte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, mit. "Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Menschen in Israel, deren Land wir noch vor wenigen Tagen besucht haben", versicherte die westfälische Präses.

Die katholische Deutsche Kommission Justitia et Pax verurteilte auf ihrer Herbstsitzung das Vorgehen der Hamas. "Es trifft Unschuldige, verbreitet Angst und Schrecken und stellt die Existenz Israels infrage", erklärte der Kommissionsvorsitzende, Bischof Heiner Wilmer. So sei der Konflikt zwischen Israel und Palästina "nicht zu lösen". "Stattdessen gewinnt die Gewalt weiteren Raum und untergräbt die Perspektiven auf Frieden", sagte der Hildesheimer Bischof.

Der lange schwelende Konflikt zwischen dem Staat Israel und der radikalislamischen Terrororganisation Hamas war am Samstag kriegerisch eskaliert. "Israel befindet sich im Krieg", schrieb die israelische Botschaft in Berlin auf X, vormals Twitter, zu Raketenangriffen auf Israel mit zahlreichen Toten und Verletzten. "Die Terrororganisation Hamas hat Israel heute Morgen angegriffen. Israel wird alles Notwendige tun, um sich und seine Bürgerinnen und Bürger zu verteidigen", hieß es.

Mehr zu Israelis
<p>Der Staat Israel wurde am 14. Mai 1948 vom späteren Regierungschef David Ben-Gurion in Tel Aviv ausgerufen. Obwohl Ort und Zeit der Zeremonie vorher geheimgehalten worden waren, verfolgten damals etwa 50.000 Einwohner über Lautsprecher die Staatsgründung. Das moderne Israel umfasst eine Fläche von knapp 21.000 Quadratkilometern und ist damit ähnlich groß wie Rheinland-Pfalz oder Hessen. Die Zahl der Einwohner beträgt rund 8,5 Millionen. Landessprachen sind Hebräisch und Arabisch, daneben sind Englisch und Russisch verbreitet.</p>

<p>Hauptstadt ohne internationale Anerkennung ist Jerusalem. Der Ostteil der Stadt wurde von Israel 1980 offiziell annektiert. Wichtige Zentren sind daneben Tel Aviv und die Hafenstadt Haifa. Israel ist eine parlamentarische Demokratie mit einem auf fünf Jahre gewählten Staatspräsidenten an der Spitze. Dem israelischen Parlament, der Knesset, gehören 120 Abgeordnete an. Nationalhymne ist die "Hatikvah" (Hoffnung). Der Text stammt von dem aus Galizien stammenden Naftali Herz Imber (1856-1909), der Komponist ist unbekannt.</p>

<p>Israel liegt am Schnittpunkt von Europa, Afrika und Asien. Weltweit ist es der einzige Staat, dessen Bevölkerung mehrheitlich aus Juden besteht. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung beträgt offiziellen Angaben zufolge knapp 76 Prozent. 17 Prozent der Israelis sind Muslime, überwiegend Sunniten. Religiöse Minderheiten sind die Christen, die Gemeinschaft der Drusen sowie wenige Anhänger der aus Persien stammenden Bahai-Bewegung.</p>

<p>Israel erkennt in Fragen des Familienstandes, wie Heirat und Scheidung, offiziell zehn christliche Konfessionen an. Die Mehrheit der Christen in Israel sind Araber, die der griechisch-katholischen, griechisch-orthodoxen und römisch-katholischen Kirche angehören.</p>