Sahel-Experte kritisiert Sanktionen gegen den Niger

Sahel-Experte kritisiert Sanktionen gegen den Niger
04.08.2023
epd
epd-Gespräch: Helena Kreiensiek

Kampala, Niamey (epd). Nach dem Putsch gegen den Niger verhängte Sanktionen könnten nach Einschätzung des Sahel-Experten Olaf Bernau die Macht der Generäle festigen. „Die Wirtschaftssanktionen von Ecowas werden die ökonomische Krise weiter verschärfen“, sagte der Soziologe und Publizist dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wenn die Bevölkerung sich bestraft sehe, könnte das auch den Militärs Aufwind geben. Genau das scheine derzeit zu passieren.

„Eine allgemeine Verschlechterung der Lage ist auch Wasser auf die Mühlen dschihadistischer Gruppen, die jede Schwäche ausnutzen“, warnte der Mitbegründer des Netzwerks „afrique-europe-interact“. Grundsätzlich gebe es gerade unter jungen Menschen eine große Frustration wegen der wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit.

Im Niger hat das Militär vergangene Woche die Regierung um Präsident Mohamed Bazoum abgesetzt. Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas hat den Putschisten ein Ultimatum gestellt und mit dem Einsatz von Gewalt gedroht. Zudem verhängte der Staatenbund Wirtschaftssanktionen gegen das Land. Auch die Bundesregierung stellte die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit ein.

Mit Blick auf Demonstrationen zur Unterstützung der Putschisten in der Hauptstadt Niamey sagte Bernau, diese hätten „eher mit der allgemeinen Unzufriedenheit zu tun“. Hinzu komme eine kritische Stimmung gegenüber Frankreich, die im Kern durchaus nachvollziehbar sei und sich auch in Burkina Faso und Mali entwickelt habe. „Diese Karte haben die Militärs von Beginn an gespielt, weil sie wissen, dass sie so Rückhalt bekommen können.“ Dabei kämen zunehmend „übersteigerter Patriotismus und Verschwörungserzählungen zum Tragen“.

Der Publizist und Buchautor kritisierte auch die Sahel-Politik westlicher Staaten. „Der Westen hat zumindest nicht zugehört“, sagte er. Es sei klar gewesen, dass die Menschen im Niger mit dem Status quo unzufrieden gewesen seien. „Dass dann mit der Einleitung des Abzugs der UN-Mission aus Mali der Niger zum Stabilitätsanker erklärt wurde, war eine Projektion und Ausdruck eigener Interessen. Mit der Realität der Bevölkerung hatte das nichts zu tun.“