Russland kündigt Abkommen zur Getreideausfuhr

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Störche laufen vor Erntemaschinen auf einem Weizenfeld. Russland hat das Abkommen zum Export von ukrainischem Getreide über das Schwarze Meer gestoppt.
Ukraine-Krise
Russland kündigt Abkommen zur Getreideausfuhr
Millionen Tonnen an Lebensmitteln konnten trotz des Krieges im vergangenen Jahr aus der Ukraine exportiert werden - auch für die Hilfe in Ländern wie Somalia. Nun hat Russland das Abkommen zur Ausfuhr der landwirtschaftlichen Güter gestoppt.

Russland hat die Vereinbarung zum Export von Getreide aus der Ukraine aufgekündigt. Teile des Abkommens, die Russland betreffen, seien nicht erfüllt worden, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut der russischen Agentur Interfax am Montag. Die Initiative, mit deren Hilfe im vergangenen Jahr mehrere Millionen Tonnen Lebensmittel aus der Ukraine ausgeschifft wurden, endet damit vorerst am Montagabend. International sorgte die Entscheidung für Kritik.

Die Kriegsparteien Ukraine und Russland hatten sich im Juli 2022 unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei auf die Initiative geeinigt. Sie ermöglichte trotz des Krieges die Ausschiffung landwirtschaftlicher Güter aus der Ukraine. Ebenso sollten Dünger und Lebensmittel aus Russland über das Schwarze Meer exportiert werden. Das Abkommen war zuletzt im Mai für 60 Tage verlängert worden.

Kreml-Sprecher Peskow sagte laut Interfax, das Abkommen sei praktisch außer Kraft gesetzt. Sobald die Russland betreffenden Teile erfüllt würden, werde die Umsetzung der Vereinbarung wieder aufgenommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte, die Entscheidung Russlands werde bedürftige Menschen überall treffen. Die Initiative habe dazu beigetragen, die Lebensmittelpreise seit März vergangenen Jahres um mehr als 23 Prozent zu senken.

Auch die Bundesregierung kritisierte die Entscheidung Russlands scharf. Präsident Wladimir Putin nehme "die Ärmsten der Armen auf dieser Welt in Geiselhaft für seine grauenhafte Kriegstreiberei", erklärte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne). Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, der Schritt zeige einmal mehr, dass Putin "der Hunger auf der Welt und die Sorgen der Entwicklungsländer letztlich egal sind". Allerdings sei die Welt heute weniger verwundbar durch eine solche Blockade als noch vor einem Jahr. So könne die Ukraine heute etwa deutlich mehr Getreide als früher auf dem Landweg exportieren.

Nach UN-Angaben wurden seit Inkrafttreten des Abkommens mehr als 32 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Güter exportiert. Auch das UN-Welternährungsprogramm konnte mit Weizen aus der Ukraine Länder wie Afghanistan, Äthiopien oder Somalia unterstützen.

Kritik an dem Stopp des Abkommens kam auch von hochrangigen EU-Vertretern. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell warnte, dadurch würden für viele Menschen auf der ganzen Welt Probleme entstehen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach auf Twitter von einem zynischen Schritt Russlands. Die Entwicklungsorganisation Oxfam warnte vor einer Verschärfung der weltweiten Hungerkrise.

Russland und die Ukraine zählten vor dem Krieg zu den weltweit größten Getreideexporteuren. Viele Länder in Nord- und Ostafrika waren von Lieferungen aus den beiden Ländern abhängig. Die globalen Lebensmittelpreise stiegen nach Beginn der russischen Invasion stark an. Laut den UN hungern weltweit etwa 735 Millionen Menschen, deutlich mehr als noch vor vier Jahren. Zu den Gründen zählen demnach auch die Folgen des russischen Angriffskrieges.