CDU-Mitglieder kritisieren Synodenpräses

Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich
© epd-bild/Jens Schulze
Präses Heinrich habe "Straßenblockaden als legitimes Mittel des zivilen Widerstandes bezeichnet", heißt es im Entwurfstext für die Unterschriftensammlung des Evangelischen Arbeitskreises der CDU in NRW.
Petition nach Klima-Position
CDU-Mitglieder kritisieren Synodenpräses
Die Solidarisierung von Teilen der evangelischen Kirche mit der "Letzten Generation" sorgt für Diskussionen. Der nordrhein-westfälische Landesverband der Protestanten in der CDU plant jetzt eine Unterschriftenaktion gegen die Positionierung.

Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, sorgt mit ihrer Unterstützung für die Bewegung "Letzte Generation" weiter für Diskussionen. Widerspruch kam am Montag vom Evangelischen Arbeitskreis (EAK) der CDU Nordrhein-Westfalen. Der Landesverband bereite eine Unterschriftensammlung vor, mit der die verantwortlichen Gremien in der Kirche um "klärende Stellungnahmen" gebeten werden sollen, teilte der Landesvorsitzende Henning Aretz am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Zuvor hatte die Tageszeitung "Die Welt" berichtet.

Heinrich habe "Straßenblockaden als legitimes Mittel des zivilen Widerstandes bezeichnet", heißt es in dem Entwurfstext für die Unterschriftensammlung: "Dieser Ansicht widersprechen wir. Wir haben die tiefe Sorge, dass solche Äußerungen der Evangelischen Kirche und ihren Mitgliederzahlen unermesslichen Schaden zufügen."

Heinrich, die als Präses der Synode neben Rat und Kirchenkonferenz eines der drei Leitungsgremien der EKD repräsentiert, hatte in der vergangenen Woche am Rande der EKD-Synodentagung Respekt für die Klimaaktivisten geäußert. Sie stellten ihr eigenes Wohl zurück, um "gewaltfreien, zivilen Widerstand" zu leisten. Zuvor hatte Aimée van Baalen als Vertreterin der "Letzten Generation" zu den 128 Delegierten des Kirchenparlaments gesprochen und von großen Teilen des versammelten Plenums stehenden Applaus erhalten.

Unter dem Titel "Wir treten nicht aus. Wir widersprechen" heißt es in dem Text des EAK Nordrhein-Westfalen: "Wir halten die Unterstützung gewaltbereiter Aktivisten in einem demokratischen Gemeinwesen für friedensfeindlich und brandgefährlich. Wir laden ein zu einer breiten Debatte über die Bedeutung von Gewalt und Frieden in der evangelischen Kirche und bitten ihre verantwortlichen Gremien um klärende Stellungnahmen." Laut Aretz soll bei einer Sitzung des EAK-Landesvorstandes am Freitag und Samstag über den Text und die mögliche folgende Sammlung von Unterschriften entschieden werden.

Der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU und CSU, Thomas Rachel, hatte die Kirche bereits nach der Synodentagung in der vergangenen Woche vor einer Legitimierung von Straßenblockaden durch Klimaaktivisten gewarnt. Entsprechende Äußerungen aus der EKD stießen zurecht auf kontroverse Reaktionen, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete, der dem Rat der EKD angehört, nun am Montag dem epd.

Eine Diskussion über diese Position sei sinnvoll, sagte er, ergänzte aber auch: "Über das Format einer solchen Diskussion gibt es sicherlich unterschiedliche Meinungen." Sein Weg werde das Gespräch sein, betonte Rachel. Die Unterschriftenaktion plant bislang allein der nordrhein-westfälische EAK-Landesverband.

Die Unterstützung für die Bewegung "Letzte Generation", die mit Straßenblockaden und Lebensmittelattacken auf Kunstwerke für viel Aufsehen sorgt, ist auch innerkirchlich umstritten. Bei der Synode in Magdeburg sagte etwa der bayerische Landesbischof und frühere EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, er halte die Aktionen der Aktivisten für "komplett kontraproduktiv".

Am Montag führte er bei einer Pressekonferenz in Tutzing weiter aus, er bedauere, dass die öffentliche Debatte sich jetzt darauf konzentriere, "ob man sich auf Autobahnen festkleben darf oder nicht oder welchen Sinn es haben soll, ein Gemälde mit Brei zu bewerfen" statt auf das Anliegen Klimaschutz. Er stellte die Bewegung "Fridays for Future" heraus, die dafür gesorgt habe, dass das Thema Klimaschutz ins Zentrum gerückt worden sei.