Kirche ringt um Position zu Waffenlieferungen

Das evangelische Kirchenparlament in Magdeburg

© Jens Schlueter/epd

Plenum der EKD-Synode am Sonntag, den 06. November 2022 in Magdeburg. Das evangelische Kirchenparlament tagt bis 09. November 2022.

Militärische Unterstützung?
Kirche ringt um Position zu Waffenlieferungen
Unter dem Eindruck des Leidens der Menschen in der Ukraine hat die Synodentagung der Evangelischen Kirche in Deutschland begonnen. Einmal mehr werden unterschiedliche Positionen zur militärischen Unterstützung des Landes deutlich.

In der evangelischen Kirche gehen die Meinungen über Waffenlieferungen an die Ukraine weiter auseinander. Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus bezeichnete sie am Sonntag zu Beginn der Tagung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Magdeburg als richtig und lebensrettend. Der EKD-Friedensbeauftragte und mitteldeutsche Bischof Friedrich Kramer bekräftigte seine ablehnende Haltung. "Ich sage Nein", sagte er zu dem Thema im Eröffnungsgottesdienst der Synode. Die friedensethische Debatte gehört zu den Schwerpunkten der Synodentagung.

Kurschus wiederholte in Magdeburg auch ihre Forderung, Wege zu einem Waffenstillstand zu suchen. "Waffen helfen, sich zu wehren und zu verteidigen, sie können Leben retten, das ist sehr viel", sagte Kurschus in ihrem Bericht an das Kirchenparlament. Waffen allein schüfen aber keinen Frieden. "Frieden kann erst werden, wenn die Waffen schweigen und Gespräche möglich sind", sagte sie.

Kurschus führte vor den 128 Synodalen aus, diplomatische Bemühungen, um einen Waffenstillstand zu ermöglichen, müssten zwingend hinzukommen zur Solidarität mit der Ukraine und deren militärischer Unterstützung. Leider stoppe Wladimir Putin die Angriffe nicht dadurch, dass man es fordere. Darum habe sie am Reformationstag dafür geworben, das Gespräch nicht zu verachten und dem geistesgegenwärtigen Wort etwas zuzutrauen, sagte die oberste Repräsentantin der rund 19,7 Millionen deutschen Protestanten.

Kurschus' Predigt zum Reformationstag hatte Kritik unter anderem beim ehemaligen ukrainischen Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hervorgerufen. Forderungen, Wege zu Gesprächen über einen Waffenstillstand zu suchen, seien herzlos. Für die Ukraine ist es aus seiner Sicht zu früh, Gespräche mit Russland zu führen.

Kurschus entgegnete, der Ruf nach diplomatischen Bemühungen sei weder herzlos noch ignorant gegenüber den Menschen in der Ukraine. "Im Gegenteil. Er ist nüchtern realistisch und höchst aufmerksam für die Gefahr einer weiteren Eskalation des Krieges", sagte die westfälische Präses. Gespräche auf unterschiedlichsten Ebenen dürften niemals für unmöglich erklärt werden.

Aus der Synode, der Haupt- und Ehrenamtliche aus der Kirche angehören, bekam Kurschus Unterstützung für ihre Haltung. Der Journalist Arnd Henze sagte unter Applaus anderer Synodaler: "Wir stehen alle hinter Ihnen." Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne), sagte, sie setze sich als evangelische, in der DDR sozialisierte Christin für Waffenlieferungen ein. "Es gibt keinen ungerechten Frieden, dann wäre es kein Frieden", betonte sie.

Das evangelische Kirchenparlament tagt bis Mittwoch in Magdeburg. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Beratungen über den Haushalt, die eigene Verantwortung der Kirche für mehr Klimaschutz und die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Das in diesem Jahr gegründete Forum zur verbindlichen Beteiligung Betroffener an Entscheidungen zu Prävention und Aufarbeitung von Missbrauch soll noch die formelle Legitimation der Synode erhalten, wie die Präses der Synode, Anna-Nicole Heinrich, erklärte. Ein zuvor etablierter Betroffenenbeirat war gescheitert. Um das Thema Friedensethik wird es erneut am Montagnachmittag gehen.

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