Alternative Nobelpreise nach Somalia und Ukraine

Fartuun Adan und Ilwad Elman

© Courtesy of Elman Peace/Right Livelihood Foundation/dpa

Ilwad Elman (links) und Fartuun Adan sind somalische Menschenrechtsverteidigerinnen und erhalten den alternativen Nobelpreis 2022.

Kampf für Frieden und Umweltschutz
Alternative Nobelpreise nach Somalia und Ukraine
Der Right Livelihood Award ehrt jährlich Persönlichkeiten, die sich für Menschenrechte, Frieden, Gerechtigkeit und Umweltschutz einsetzen. In diesem Jahr wird unter anderem eine ukrainische Juristin ausgezeichnet, die Kriegsverbrechen dokumentiert.

Die Alternativen Nobelpreise gehen in diesem Jahr nach Somalia, in die Ukraine, nach Venezuela und Uganda. Das gab der Direktor der Right Livelihood Stiftung, Ole von Uexküll, am Donnerstag in Stockholm bekannt. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden ausgezeichnet für ihren Einsatz für Frieden, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz. Die Auszeichnung ist mit jeweils einer Million Schwedischen Kronen (rund 92.000 Euro) dotiert und soll die Arbeit der Geehrten nachhaltig fördern. Überreicht werden die Preise am 30. November in Stockholm.

Die somalischen Menschenrechtsaktivistinnen Fartuun Adan und Ilwad Elman werden für die Förderung von Frieden und Entmilitarisierung gewürdigt. Mit ihrer Organisation "Elman Peace" unterstützen Mutter und Tochter Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt. Auch setzen sie sich ein für die Resozialisierung von Kindersoldatinnen und -soldaten sowie für berufliche Bildung von Frauen und Jugendlichen, wie die Stockholmer Stiftung die Auszeichnung für Adan (53) und Elman (32) begründete.

Resozialisierung von Kindersoldaten

In dem von Bürgerkrieg zerrissenen Somalia, in dem die radikal-islamische Al-Shabaab-Miliz blutige Anschläge verübt, sind über 60 Prozent der Bevölkerung jünger als 25 Jahre. Allein die sexuelle Gewalt ist laut einem UN-Bericht alarmierend: 2020 stieg sie im Vergleich zum Jahr davor um fast 80 Prozent.

Ebenfalls ausgezeichnet wird die ukrainische Menschenrechtlerin Oleksandra Matwijtschuk. Die 38-jährige Juristin setzt sich mit ihrem 2007 gegründeten "Zentrum für Bürgerliche Freiheiten" (CCL) dafür ein, Zivilgesellschaft, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu stärken. Nicht erst seit der Invasion Russlands in die Ukraine im Februar dokumentieren Matwijtschuk und CCL Kriegsverbrechen und andere Menschenrechtsverletzungen.

Oleksandra Matviichuk vom Zentrum für bürgerliche Freiheiten (CCL) ist eine der prominentesten ukrainischen Menschenrechtsverteidigerinnen, die sich für eine vollständige demokratische Wandlung und Rechtsstaatlichkeit einsetzt.

Nach der Annexion der Krim durch Moskau und dem Ausbruch von Kämpfen im Donbass 2014 war CCL demnach die erste Menschenrechtsorganisation, die mobile Teams dorthin entsandt und eine Liste zu politischen Gefangenen erstellt hatte. Im Zuge des Einmarschs in die Ukraine werden Russland gezielte Massaker insbesondere an Zivilisten vorgeworfen, darunter in den Orten Butscha und Irpin. Dort sammelten CCL-Mitarbeitende Zeugenaussagen.

Als preiswürdig erachtet die Stockholmer Stiftung auch die venezolanische Initiative "Cecosesola". Das 1967 gegründete Netzwerk genossenschaftlicher Organisationen aus sozial schwachen Regionen produziert und bietet Lebensmittel wie Obst und Gemüse auf Wochenmärkten zu erschwinglichen Preisen an.

Zum Verbund mit mehr als 50 Basisorganisationen gehören nicht nur landwirtschaftliche Kleinbetriebe; "Cecosesola" etablierte auch Zentren für die medizinische Versorgung sowie genossenschaftliche Bestattungsdienste.
Die Initiative finanziert sich laut Right Livelihood Stiftung fast gänzlich selbst. In Venezuela, das seit Jahren von einer beispiellosen Wirtschaftskrise heimgesucht wird, sei "Cecosesola" eine Inspiration für alle, die nach alternativen ökonomischen Ansätzen suchten, heißt es in der Begründung für die Vergabe der Auszeichnung.

Cecosesola ist ein Netzwerk von Gemeinschaftsorganisationen aus einkommensschwachen Regionen. Sie bieten erschwingliche Waren und Dienstleistungen für mehr als 100.000 Familien in sieben venezolanischen Bundesstaaten an.

Weitere Preisträgerin ist die ugandische Umweltschutzorganisation AFIEGO. Sie stärkt Gemeinden den Rücken, die sich gegen zunehmenden Landraub, Vertreibungen und Umweltzerstörungen zur Wehr setzen. Durch Lobbyarbeit und Kampagnen habe die 2005 gegründete Organisation dafür gesorgt, dass die Stimmen Betroffener bei Entscheidungsträgern Gehör fänden, erklärte die Right Livelihood Stiftung.

Den Angaben nach setzt sich die Organisation unter anderem dafür ein, den Bau der "East African Crude Oil Pipeline" (EACOP) zu stoppen, die Rohöl aus Uganda nach Tansania transportieren soll. Unerschrocken kämpften Mitarbeitende von AFIEGO für den Schutz von Umwelt und Natur - trotz Schikanen, Drohungen und Festnahmen durch Staat und Regierung.

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