Missbrauchsbetroffene fordern Milliarden

Schablonen von Kinder im Kreis um Weltkarte

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Opfer von Kindesmissbrauch haben sich in einer internationalen Bewegung zusammengeschlossen und fordern einen Fonds von den G7-Staaten.

Netzwerk "Brave Movement"
Missbrauchsbetroffene fordern Milliarden
Weltweit haben sich Opfer von Kindesmissbrauch in einer internationalen Bewegung zusammengeschlossen und fordern einen Fonds von den G7-Staaten. Die deutsche Bundesregierung, Gastgeberin des diesjährigen G7-Gipfels, hat Unterstützung zugesagt.

Ein neues internationales Netzwerk von Missbrauchsbetroffenen fordert von den G7-Staaten Hilfsgelder in Milliardenhöhe für einen Opferfonds. Die sieben größten Industriestaaten sollten zehn Milliarden US-Dollar in den Fonds einzahlen, forderte der geschäftsführende Koordinator des "Brave Movement", der US-amerikanische Arzt Paul Zeitz, am Mittwoch in Berlin. Die Bundesregierung signalisierte Unterstützung für die Anliegen der Betroffenen.

Das Geld soll nach Angaben des Netzwerks dafür verwendet werden, Programme für Prävention, Heilung und Gerechtigkeit für Opfer in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auszuweiten. Zeitz sagte, auch Kirchen und internationale Institutionen wie die Fifa sollten sich an dem Fonds beteiligen. Ziel der Bewegung sei es, Kindesmissbrauch weltweit zu beenden.

15 Betroffene sexualisierter Gewalt haben das Netzwerk "Brave Movement" den Angaben zufolge vor rund einem Monat gegründet. Vorgespräche hätten aber bereits vor zwei Jahren begonnen. Anlass der Gründung ist der G7-Gipfel im bayerischen Elmau Ende Juni unter deutscher Präsidentschaft. Neben Deutschland gehören die USA, Frankreich, Italien, Großbritannien, Japan und Kanada zur G7-Gruppe.

Gemeinsam Missbrauch bekämpfen

Die Industriestaaten hätten eine besondere Verantwortung bei der Bekämpfung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder, betonte Wibke Müller, die im Betroffenenbeirat der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung sitzt.

Eine Sprecherin der Bundesregierung erklärte, für Deutschland sei es im Rahmen der G7-Präsidentschaft wichtig, dass die Staaten ihre Zusammenarbeit zur Bekämpfung dieser abscheulichen Verbrechen ausbauen. "Nur gemeinsam können wir uns der globalen Verantwortung stellen, den sexuellen Missbrauch von Kindern wirksam zu bekämpfen", sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Bundesregierung will sich mehr einsetzen

In einem Brief hatte der für die Vorbereitung des Gipfels zuständige Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Jörg Kukies, den Initiatoren des Netzwerks versichert, dass Deutschland sich beispielsweise für einen engen Austausch und Zusammenarbeit bei der internationalen Strafverfolgung auf G7-Ebene einsetze. Die Bekämpfung von Kindesmissbrauch sei eine internationale Aufgabe, heißt es in einem Schreiben von Ende Januar, das dem epd vorliegt.

Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Kerstin Claus, die vergangene Woche ins Amt kam, befürwortete das neue Bündnis. Es sei gut und wichtig, dass sich Betroffene sexueller Gewalt über Ländergrenzen hinweg zusammenschlössen und darin unterstützt würden, schrieb sie bei Twitter.

Unter den Gründern des "Brave Movement" ist auch der Sprecher des Eckigen Tisches, Matthias Katsch, der als Jugendlicher am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin Opfer von Missbrauch wurde und 2010 den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche mit aufdeckte. Er ist neben Müller einer der Vorsitzenden der G7-Task-Force der Bewegung.

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