Ethiker Dabrock für Corona-Impfpflicht ab 18 zugunsten von Kindern

Ethiker Dabrock für Corona-Impfpflicht ab 18 zugunsten von Kindern
17.03.2022
epd
epd-Gespräch: Corinna Buschow

Berlin (epd). Vor der ersten Beratung des Bundestags über eine Corona-Impfpflicht hat sich der Sozialethiker Peter Dabrock für eine solche Pflicht für alle Erwachsenen zum Schutz von Kindern ausgesprochen. Wenn mit einer neuen Welle im Herbst wieder alles heruntergefahren werden müsse, seien die Schäden vor allem für die Kinder dramatisch, sagte der frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrats dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dieses Risiko einzugehen, halte er für unverantwortlich. „Es wäre die Bankrotterklärung einer Gesellschaft, die sich zwei Jahre auf Kosten der Kinder durchgeschlichen hat“, sagte er.

Kindern müsse in der Schule und in der Freizeit wieder mehr Normalität ermöglicht werden. Dieser Aspekt komme in der Debatte um die Einführung einer Impfpflicht zu kurz, sagte Dabrock. „Wir sind zu fokussiert auf das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit“, sagte der Erlanger Theologieprofessor. Zwar lasse sich nicht klar voraussagen, ob eine neue Corona-Welle im Herbst bei zu niedriger Impfquote wieder Schließungen zur Folge hätte. Schon die Gefahr eines solchen Eingriffs in die Rechte von Kindern legitimiere in seinen Augen aber eine Impfpflicht. Es gehe unter anderem immerhin um das Recht auf Bildung und Entwicklung.

Notwendig sei dafür eine Impfpflicht für alle Erwachsenen ab 18 Jahren, sagte Dabrock. Dies sieht einer der Gesetzentwürfe vor, die an diesem Donnerstag in erster Lesung im Bundestag debattiert werden sollen. „Wir brauchen einen Impfschutz auf möglichst breiter Ebene, um den vermutlichen Gap zu einer dann wahrscheinlichen neuen Variante schnell und effektiv schließen zu können“, sagte Dabrock. Eine Impfpflicht ab 50 Jahren, wie sie ein anderer Vorschlag vorsieht, reiche deshalb nicht aus.