Äthiopien weist mehrere UN-Mitarbeiter aus

Äthiopien weist mehrere UN-Mitarbeiter aus
Die äthiopische Regierung hat teils hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Vereinten Nationen des Landes verwiesen. UN-Generalsekretär António Guterres hat schockiert auf die Entscheidung reagiert.

New York, Addis Abeba (epd). UN-Generalsekretär António Guterres hat schockiert auf die Ausweisung von teils hochrangigen Vertreterinnen und Vertreter aus Äthiopien reagiert. Das betroffene UN-Personal hätte sein volles Vertrauen, erklärte Guterres am Donnerstag (Ortszeit) in New York. Die UN unterstützten notleidende Menschen in Äthiopien gemäß der Prinzipien der Humanität, Unparteilichkeit, Neutralität und Unabhängigkeit und stünden in Kontakt mit der Regierung Äthiopiens, um eine Rückkehr der Ausgewiesenen einzuleiten.

Das äthiopische Außenministerium hatte mitgeteilt, sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von UN-Organisationen seien zu unerwünschten Personen erklärt worden, weil sie sich in die inneren Angelegenheiten des Landes eingemischt hätten. Unter ihnen sind die Chefin des Kinderhilfswerks Unicef in Äthiopien, Adele Khodr, und der stellvertretende Koordinator für humanitäre Hilfe in Äthiopien, Grant Leaity.

Demnach haben die UN-Vertreter 72 Stunden Zeit, das Land am Horn von Afrika zu verlassen. Nähere Angaben zu den Hintergründen oder Anschuldigungen machte die Regierung zunächst nicht. In der Vergangenheit hatte die Regierung Hilfsorganisationen beschuldigt, Waffen an die Rebellen in der Krisenregion Tigray zu liefern und damit die Blockade von humanitärer Hilfe in das umkämpfte Gebiet im Norden des Landes gerechtfertigt. Beweise dafür gab es nicht. Seit rund einem Jahr liefert sich die Armee heftige Kämpfe mit der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), die große Teile der Region kontrolliert.

Vertreter der UN und anderer Hilfsorganisationen hatten in den vergangenen Monaten immer wieder kritisiert, dass die Regierung die Lieferung von humanitärer Hilfe nach Tigray behindere. Leaity hatte Anfang September von einer de facto Blockade für Hilfsgüter gesprochen. Durch Behördenwillkür und fehlende Reisegenehmigungen erreichen nur wenige Hilfstransporte die Region. Rund 5,2 Millionen Menschen in Tigray, etwa 90 Prozent der Bevölkerung, sind laut den Vereinten Nationen auf Hilfe angewiesen.