Ursula Schoen wird neue Berliner Diakoniechefin

Die neue Berliner Diakoniedirektorin Ursula Schoen

© epd-bild/C. Albrecht/Diakonie Berlin-Brandenburg

Die neue Berliner Diakoniedirektorin Ursula Schoen hat sich fuer eine gute soziale Grundversorgung in Stadt und Land ausgesprochen.

"Im Zweifel für den Menschen"
Ursula Schoen wird neue Berliner Diakoniechefin
Theologin und Diakoniewissenschaftlerin, Erfahrung im In- und Ausland: Ursula Schoen übernimmt die Leitung der Diakonie der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Alleinerziehende, Kinder, Zugewanderte, Menschen in Armut: Die neue Berliner Diakoniechefin Ursula Schoen will ihr Augenmerk auf diejenigen richten, die sozial an den Rand gedrängt werden. Zuletzt hat die 59-Jährige in der Region Offenbach und Frankfurt am Main in der Leitung des Dekanats gearbeitet. Nun übernimmt die Theologin und promovierte Sozialwissenschaftlerin ihr neues Amt als Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

"Im Zweifel für den Menschen" lautet der Titel ihrer Doktorarbeit aus den 90er Jahren über deutsche Sozialpolitik und katholische Soziallehre. Sie sei diakonischen Themen auch im Pfarramt treu geblieben, betont die gebürtige Rheinländerin, die in Bonn aufgewachsen ist. Und für die letzten Jahre ihrer Berufstätigkeit habe sie sich noch einmal intensiveren Kontakt zu Kirche und Diakonie in Ostdeutschland gewünscht.

Gerne dort, wo das Leben pulsiert

Sie sei gerne dort, wo das Leben pulsiert, wo unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen und kulturelle Gegensätze herausfordern, wo Zivilgesellschaft aktiv und Politik erlebbar seien, hat sie ihre Motivation einmal beschrieben. Die mitunter auch kritische Partnerschaft zwischen Kirchen und anderen sozialen Trägern zu kommunalen Trägern und Verantwortungsträgern sieht sie als Grundpfeiler der deutschen Sozialpolitik. "Ich werde ganz sicher die politischen Entwicklungen intensiv begleiten und mich zu Wort melden, ohne dass ich mich dabei parteipolitisch positioniere", sagt sie.

Ursula Schoen hat in Bethel, Heidelberg und Bonn Theologie studiert und danach in Heidelberg am Diakoniewissenschaftlichen Institut gearbeitet. Von 2001 bis 2003 war sie mit ihrem Mann in Westafrika, der dort in Abidjan in der Elfenbeinküste das Büro der Kreditanstalt für Wiederaufbau geleitet hat. Sie selbst hatte in der Zeit einen ehrenamtlichen Pfarrauftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für die deutsche Gemeinde in Abidjan.

"Ich bin überall im Ausland sehr herzlich aufgenommen worden", erzählt Ursula Schoen: "Es ist mein Wunsch, dass meine Gesellschaft hier, für die ich als deutsche Staatsbürgerin Verantwortung trage, von anderen auch so erlebt wird." Willkommenskultur sei wichtig, ebenso die Selbstverständlichkeit, dass Menschen unterschiedlicher Religion, Nationalität, Kultur zusammenleben.

Von 2004 bis 2009 war die künftige Diakoniechefin Pfarrerin in Frankfurt am Main, von 2009 bis 2011 Beauftragte für die Flüchtlingsaufnahme in der Diakonie Hessen. Seit Mitte 2011 hat sie in der hessischen Landeskirche Leitungspositionen innegehabt, seit 2015 als Prodekanin im evangelischen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach. Einer ihrer ersten Termine in Berlin wird sie in die St. Matthäuskirche am Kulturforum an der Philharmonie führen: Dort wird sie am 5. September in einem Abendgottesdienst predigen.

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