UN dringen auf humanitäre Hilfslieferungen nach Tigray

UN dringen auf humanitäre Hilfslieferungen nach Tigray
Die Essensvorräte reichen nur noch bis Freitag: Weil ein Hilfskonvoi des Welternährungsprogramms nicht nach Tigray kommt, droht sich die humanitäre Lage in der äthiopischen Krisenregion weiter zu verschlechtern.

In der äthiopischen Krisenregion Tigray sind die Essensvorräte des Welternährungsprogramms (WFP) nahezu aufgebraucht. Die Vorräte reichten nur noch bis Freitag, erklärte WFP-Direktor David Beasley am Dienstag auf Twitter. 170 Lkw mit Nahrung und anderen Hilfsgütern säßen derzeit in der an Tigray angrenzenden Region Afar fest. Beasley forderte, Hilfslieferungen in die umkämpfte Region zuzulassen: Den Lastwagen müsse unmittelbar die Weiterfahrt gewährt werden. "Menschen sind am verhungern."

Im November eskalierte in Tigray ein Ringen um die Macht zwischen der Zentralregierung und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF). An den Kämpfen waren auch Truppen aus Eritrea beteiligt, die sich mit der äthiopischen Zentralregierung gegen die TPLF verbündet hatten. Der Konflikt hat eine schwere humanitäre Krise in der Region ausgelöst. Nach UN-Angaben hungern in Tigray bis zu 400.000 Menschen, rund 1,6 Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Allen an dem Konflikt beteiligten Parteien werden Verbrechen zur Last gelegt, darunter sexuelle Gewalt, Erschießungen von Zivilisten und die Blockade humanitärer Hilfe. Seit vergangener Woche fliegen wieder Maschinen des UN-Flugdienstes nach Tigray, um Helferinnen und Helfer in die Region zu bringen. Doch Hilfsgüter wie Nahrung und Medizin werden auf dem Landweg nach Tigray gebracht. Laut WFP-Direktor Beasley brauche es täglich 100 Lkw, um alle Menschen in Not zu erreichen.

In Gefahr ist auch die Hilfe für schätzungsweise 24.000 eritreische Flüchtlinge in Tigray. Die Versorgung der Menschen in den Flüchtlingslagern Mai Aini und Adi Harush werde zunehmend schwieriger, sagte UNHCR-Sprecher Babar Baloch am Dienstag in Genf. So seien die Schutzsuchenden zuletzt Ende Juni mit Essensrationen versorgt worden, die etwa für einen Monat reichten. "Das Trinkwasser neigt sich dem Ende, es gibt keine Gesundheitsversorgung, und Hunger ist eine echte Gefahr", sagte Baloch. Seit zwei Wochen hätten UNHCR-Mitarbeiter gar keinen Zugang mehr in die Camps.

Baloch warnte auch vor einer Zunahme der Gewalt gegen die eritreischen Flüchtlinge in Tigray. Rund um die Camps Mai Aini und Adi Harush eskalierten die Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen. Die Schutzsuchenden würden eingeschüchtert, mindestens ein Flüchtling sei getötet worden. Bereits Mitte Juli hatte der UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi vor Angriffen gegen eritreische Flüchtlinge in Tigray gewarnt.